Commerzbank-Übernahme: Luft für Unicredit-Gegner wird dünner
In der ersten Annahmefrist haben Commerzbank-Aktionäre mit 12,51 Prozent der Anteile das 42-Mrd.-Euro-Angebot von UniCredit angenommen. Zusammen mit den bereits gehaltenen 26,77 Prozent kommt die italienische Bank damit auf mindestens 39,28 Prozent – gegen den Widerstand von Vorstand und Regierung.
ECKPUNKTE:
- In der ersten Annahmefrist nahmen Commerzbank-Aktionäre mit 12,51 Prozent der Anteile das Übernahmeangebot von UniCredit an.
- Zusammen mit den bereits gehaltenen 26,77 Prozent kommt UniCredit damit auf mindestens 39,28 Prozent.
- Commerzbank-Vorstand und Bundesregierung lehnen die Offerte ab, ein Abschluss dürfte Monate dauern.
UniCredit rückt der größten europäischen Bankenübernahme seit Jahrzehnten näher. In der ersten Annahmefrist nahmen Commerzbank-Aktionäre, die 12,51 Prozent der Anteile repräsentieren, das 42 Milliarden Euro schwere Angebot der italienischen Bank an.
Die Offerte endete am 16. Juni und wird laut einer Mitteilung vom Freitag ab dem 20. Juni für eine zweiwöchige Nachfrist erneut geöffnet. Da UniCredit bereits 26,77 Prozent der Commerzbank hält, kommt das Institut nach Erhalt der angedienten Aktien auf mindestens 39,28 Prozent. Hinzu kommen Derivate, mit denen sich die Beteiligung weiter ausbauen ließe. Das Ergebnis der ersten Runde stärkt den Einfluss von UniCredit-Chef Andrea Orcel auf die deutsche Bank und festigt die Position als mit Abstand größter Anteilseigner.
Eine vollständige Übernahme wäre der größte Bankendeal in Europa seit rund zwei Jahrzehnten und ließe einen neuen Finanzkoloss entstehen. UniCredit würde damit zu einer dominierenden Kraft in Deutschland werden zugleich seine Präsenz in Polen stärken. Geboten werden 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Anteil, was die deutsche Bank auf Basis des Donnerstagskurses mit rund 38,84 Euro je Aktie und insgesamt etwa 42 Milliarden Euro bewertet. Die Commerzbank-Aktie schloss bei 38,38 Euro.
Resistance is futile?
Der Widerstand bleibt jedoch erheblich. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat die Annäherung zurückgewiesen, da der Preis zu niedrig sei und Orcels strategische Vorschläge das Geschäftsmodell beschädigen würden. Auch die Bundesregierung, die rund zwölf Prozent an dem Institut hält, ist dagegen und verweist auf die wichtige Rolle der Bank für die nationale Volkswirtschaft, die ihre Unabhängigkeit gebiete.
UniCredit hat erklärt, die Commerzbank ab einem Anteil von mehr als 50 Prozent konsolidieren zu müssen, was die harte Kernkapitalquote um 280 Basispunkte senken würde. Die Europäische Zentralbank prüft Bloomberg-Informationen zufolge, ob sie angesichts der wachsenden Kontrolle bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine Konsolidierung verlangt. Die Eigentumsrechte an den zusätzlichen Aktien erhält UniCredit erst nach Abschluss des Angebots und nach Erteilung der erforderlichen aufsichtsrechtlichen Genehmigungen. Mit einem Vollzug rechnet das Institut erst in einigen Monaten. (hw/bloomberg)
