Comgest: US-Aktien sind mehr als nur Künstliche Intelligenz
Auf dem Institutional Money Kongress beschrieb Louis Citroën von Comgest den amerikanischen Aktienmarkt als zweigeteilt: Trotz zunehmender Konzentrationsrisiken biete er zahlreiche Opportunitäten mit hochwertigen und resilienten Unternehmen.

Kernpunkte:
- Wohlhabende Bevölkerungsgruppen dominieren Konsum immer stärker
- Erträge aus KI-Geschäftsmodellen bereits real
- Attraktive Titel auch außerhalb des KI-Universums
Ein differenziertes Bild des US-Aktienmarkts zwischen strukturellem Wachstum, KI-Euphorie und steigenden Konzentrationsrisiken zeichnete Louis Citroën von Comgest auf dem Institutional Money Kongress in seinem Workshop mit dem Titel "US-Aktien zwischen Boom, Blase und Beständigkeit". Ausgangspunkt ist der grundsätzliche Investmentansatz von Comgest: Im Zentrum stehen nicht kurzfristige Marktbewegungen, sondern die Suche nach Unternehmen mit hoher Qualität, resilienten Geschäftsmodellen und möglichst zweistelligen Wachstumsraten über viele Jahre. Entscheidend sei dabei ein langfristiger Horizont von fünf Jahren und mehr.
Comgest investiere konzentriert in 30 bis 40 Titel und wolle Unternehmen "wirklich von links nach rechts drehen", um sie fundamental zu verstehen. "Wir investieren in Unternehmen und nicht nur in deren Aktien", sagte der Analyst und Portfoliomanager für US-Aktien bei dem französischen Asset Manager.
Den US-Markt sieht Citroën zunehmend gespalten. Einerseits bleibe die US-Wirtschaft robust, andererseits werde die Entwicklung immer stärker von wenigen großen Themen und Titeln geprägt. Besonders wichtig sei der Blick auf die Treiber des Wachstums: Rund 70 Prozent der US-Konjunktur hingen am Konsum, etwa 30 Prozent an Investitionen. Beim Konsum falle auf, dass die wohlhabendsten Haushalte immer dominanter werden: Die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher stünden inzwischen für rund die Hälfte des Konsums in den USA. Für Investoren bedeutet das: Unternehmen mit starker Positionierung bei kaufkräftigen Kundengruppen könnten strukturell profitieren.
Citroën betonte die Bedeutung der GLP-1-Medikamente ("Abnehmspritzen") von Novo Nordisk und Eli Lilly. Diese hätten nicht nur medizinische, sondern auch volkswirtschaftliche Relevanz, weil sie langfristig Konsumverhalten, Gesundheitskosten und ganze Branchen verändern könnten – von Lebensmitteln über Medizintechnik bis hin zum Gesundheitssystem.
Nur moderater Produktivitätsschub aus KI
Was Künstliche Intelligenz betrifft, so räumt Citroën ein, dass sie ein wesentlicher Performance-Treiber am Markt bleibt, warnt aber zugleich vor Übertreibung, Konzentration und Bewertungsrisiken. Comgest glaubt zwar an einen realen Produktivitätsschub durch KI, aber eher in einer vernünftigen Größenordnung als in utopischen Szenarien. Anders als vielfach behauptet werde gebe es bereits heute durchaus reale Umsatz- und Gewinnimpulse, etwa bei digitalen Werbeplattformen wie Alphabet, Meta oder Amazon sowie bei Softwareanbietern, die KI produktiv einsetzen.
Citroën warnte vor zu großem Optimismus im Bereich der KI-Infrastrukturinvestitionen. Comgest meidet Titel, die stark an kurzfristige Capex-Zyklen gekoppelt sind, etwa Teile des Halbleiter- und Rechenzentren-Ökosystems. Stattdessen bevorzugt das Team Geschäftsmodelle mit höherer Visibilität und robusterem, länger planbarem Wachstum.
Zahlungsverkehr, Gesundheit, Infrastruktur
"In den USA gibt es nicht nur KI", sagte Citroën. Das Comgest-Portfolio enthält auch Werte aus den Sektoren Zahlungsverkehr, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Medizintechnik, Tiergesundheit und Unternehmen, die von demografischen Trends profitieren. Besonders klar wird der Ansatz am Beispiel Nvidia: Comgest erkennt zwar die Innovationskraft des Unternehmens an, verzichtet aber auf ein Engagement. Begründet wird das mit der starken Abhängigkeit von Investitionszyklen, der extrem hohen Bewertung und dem Risiko, dass Kunden bei sehr hohen Margen eigene Alternativen entwickeln. Stattdessen investiert Comgest lieber in Hyperscaler wie Microsoft oder Oracle, wo der Nutzen der KI aus Sicht des Hauses nachhaltiger und planbarer erscheint.
Als Beispiele für den eigenen Stil nannte Citroën Alphabet und Fastenal. Bei Alphabet habe Comgest zugekauft, als der Markt wegen KI- und Kartellängsten skeptisch war. Fastenal, Distributor von Schrauben, Werkzeugen und anderem Industriebedarf dagegen stehe für weniger beachtete Qualitätsunternehmen, die auch außerhalb des Tech-Sektors stabile Wachstums- und Margenprofile bieten. Insgesamt soll das Portfolio "Allwetterfähig" sein, also auch in schwierigeren Marktphasen bestehen.
Der Comgest Growth America-Fonds habe mit dieser Strategie seit Ende 2008 den Markt geschlagen, auch wenn er in sehr starken Bullenmärkten zeitweise hinterherhinke, erklärte Citroën. In schwierigeren Marktphasen zahle sich die defensive Qualitätsorientierung dagegen stärker aus. Citroëns Fazit: "Wir sind kein 'Wachstum-um-jeden-Preis'-Fonds". (dv)






