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Columbia Threadneedle: Weshalb nur eine Rezession die Fed besänftigt

Der Chefvolkswirt von Columbia Threadneedle Investments glaubt, dass nur eine spürbare Rezession der Inflation ein Ende bereiten und damit die Fed von weiteren Zinserhöhungen abhalten kann. In Euroland sieht es hingegen anders aus...

Steven Bell
Steven Bell, Columbia Threadneedle
© Columbia Threadneedle

Obwohl sich die Inflation in Europa und den USA insgesamt auf einem ähnlichen Niveau befindet, sind die Voraussetzungen laut Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region, anders: In Großbritannien und im Euroraum sind die Energiepreise der Hauptverursacher, allen voran die Gaspreise. In den USA überwiegt der inländische Druck. Die Löhne und auch die Mieten steigen dort viel stärker als in Europa.

"Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem dieser Druck ohne Rezession eingedämmt wird. Das bedeutet, dass die US-Notenbank die Zinsen wahrscheinlich so lange anheben muss, bis eine Rezession unmittelbar bevorsteht. Angesichts der zugrunde liegenden Stärke der US-Wirtschaft rechne ich damit, dass die US-Zinsen noch viel weiter steigen werden, da sie meiner Meinung nach viel zu spät mit einer Straffung begonnen hat", prognostiziert Bell.

Schock in Europa
In Europa sieht es anders aus. Die Terminkontraktpreise für Erdgas sind in diesem Winter zwölfmal höher als vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Das ist ein enormer Anstieg. Auch hier sei das Ergebnis Bells Meinung nach eine Rezession.

Allerdings werde es sich um eine andere Art von Rezession handeln als in den USA: Es handelt sich um einen Angebotsschock, der keine geldpolitische Reaktion erfordert. Die Gaspreise werden nicht wieder um das Zehnfache steigen, und die Märkte rechnen mit einem mittelfristigen Rückgang. Ein Großteil des Inflationsanstiegs werde also nur vorübergehend sein. Da die Auswirkungen auf die Realeinkommen ohnehin zu einer Rezession führen werden, besteht für die Zentralbanken also keine Notwendigkeit, in diesem Bereich weiter aktiv zu werden, prognostiziert Bell.

"Das ist aber noch nicht alles: Die Zinssätze waren in Großbritannien auf nahezu Null und in Europa auf ein negatives Niveau gesunken, sodass sie sich nun auf ein „normales“ Niveau zubewegen. Deshalb vermute ich, dass die Bank of England und die Europäische Zentralbank die Zinssätze nur noch wenig anheben werden", glaubt Bell.

Doppeltes Übel
Rezessionen sind eine schlechte Nachricht für die Unternehmensgewinne, unabhängig davon, ob sie auf einen Angebotsschock zurückzuführen sind oder nicht. Höhere Zinssätze in Verbindung mit einer Rezession sind ein doppeltes Übel. Nach einem sehr schwierigen ersten Halbjahr haben sich sowohl Aktien als auch Anleihen im Juli gut entwickelt. Und Aktien sind insgesamt gut in den August gestartet. Bell glaubt aber, dass ihnen noch einige schwierige Monate bevorstehen.

Was die USA im Vergleich zu Europa betrifft, so kann die Fed, sobald der Inflationsdruck in den USA nachlässt, eine Zinssenkung oder zumindest eine Aussetzung der Politik in Erwägung ziehen. Dann können sich die Unternehmensgewinne und Aktienkurse erholen. Zweifellos würden europäischen Aktien in gewissem Maße davon profitieren.

"Aber selbst, wenn die Gaspreise hierzulande ein wenig sinken, ist es schwer vorstellbar, dass sie in absehbarer Zeit wieder auf das frühere Niveau zurückkehren", erklärt Bell abschließend. (aa)

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