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Columbia Threadneedle: Europa-Aktien bieten doppelte Chancen

Frederic Jeanmaire von Columbia Threadneedle Investments erläutert, warum europäische Aktien in doppelter Hinsicht Chancen bieten und institutionelle Investoren ausreichend hohes Exposure in Dividendenwerten vom Alten Kontinent haben sollten.

Frederic Jeanmaire, Co-Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Pan European Absolute Alpha bei Columbia Threadneedle Investments
Frederic Jeanmaire, Co-Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Pan European Absolute Alpha bei Columbia Threadneedle Investments
© Columbia Threadneedle Investments

Sind europäische Aktien hopp oder topp? Für beide Ansichten finden sich momentan Argumente: Für weiterhin gute Aussichten spricht, dass die Konjunktur in Europa sich erholt, auch angesichts der Fortschritte bei den Impfkampagnen gegen das Corona-Virus. Diese Erholung läuft gegenüber den USA mit einiger Verzögerung, was entsprechendes Aufholpotenzial birgt. Dass europäische Aktien im Vergleich zu US-Werten momentan günstiger bewertet sind, unterstreicht dieses Aufholpotenzial. Welche Argumente noch für europäische Dividendenwerte sprechen, erörtert Frederic Jeanmaire, Co-Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Pan European Absolute Alpha bei Columbia Threadneedle Investments, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag.

Strukturelle Gründe und Nachhaltigkeitsaspekte sprechen für Europa
Neben diesen aktuellen Entwicklungen sprechen für Jeanmaire strukturelle Gründe für Investitionen in Europa: Beispielsweise ist der Kontinent Heimat vieler Unternehmen, die einzigartig positioniert sind, weil sie über langfristige Wettbewerbsvorteile verfügen – unter anderem im Luxusgütersegment. Das ermöglicht diesen Firmen, nachhaltig hohe Gewinnmargen zu erzielen.

Hinzu kommt, dass Europa Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit ist. Unternehmen auf dem Kontinent erkennen, dass sie Umwelt- und soziale Kriterien sowie Aspekte der Unternehmensführung (ESG) stärker berücksichtigen müssen, um langfristig zukunftsfähig aufgestellt zu sein. Gleichzeitig achten europäische Investoren bei ihren Anlageentscheidungen vermehrt auf ESG-Kriterien. Daraus ergeben sich insbesondere auch in Europa Chancen, um durch die aktive Auswahl einzelner Portfoliounternehmen Mehrwert gegenüber dem breiten Markt zu erwirtschaften.

Risiken bestehen auch weiterhin
Auf der anderen Seite gibt es weiterhin Risiken, räumt Jeanmaire ein. Zum einen sei noch nicht klar abzusehen, welchen weiteren Verlauf die Corona-Pandemie nehmen wird – insbesondere im Hinblick auf mögliche neue Virus-Varianten. Dementsprechend lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, wie es mit möglichen Lockdowns und entsprechenden wirtschaftlichen Einschränkungen weitergehen wird.

Darüber hinaus bestehen nach wie vor geopolitische Spannungen, etwa zwischen den USA und China im Hinblick auf die globale Technologieführerschaft. Hinzu kommen steigende öffentliche Schulden, insbesondere angesichts der umfassenden fiskalischen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Folgen, und Sorgen um die Inflationsentwicklung. Diese Faktoren können das Sentiment in Bezug auf Aktien und andere Risikoanlagen generell trüben, auch am europäischen Markt.

Daraus ergeben sich für Jeanmaire bei europäischen Aktien in zweierlei Hinsicht Anlagechancen: Zum einen können Investoren im Rahmen von Long-Positionen auf steigende Aktienkurse von Unternehmen setzen, die von den genannten positiven Argumenten besonders profitieren dürften. Zum anderen können sie Short-Positionen auf fallende Kurse bei Firmen eingehen, deren Geschäftsmodelle ihnen nicht zukunftsfähig erscheinen.

Bei Long-Positionen auf Wettbewerbsvorteile achten
Um aussichtsreiche Long-Positionen ausfindig zu machen, bietet sich ein Blick auf fünf strukturelle Wettbewerbsvorteile an, erklärt Jeanmaire.

  • Dazu gehören erstens immaterielle Vermögenswerte wie Marken oder Patente, die verhindern, dass neue Wettbewerber in den Markt eintreten – wie etwa beim Sportartikelhersteller Puma.
  • Zweitens spielen Kostenvorteile eine Rolle, denn der kostengünstigste Produzent kann seine Konkurrenten verdrängen – unter anderem beim Bekleidungshersteller Inditex.
  • Günstig wirkt drittens der Netzwerkeffekt, indem der Wert einer Dienstleistung steigt, je mehr Menschen diese nutzen – siehe Chemiekonzern Brenntag.
  • Viertens sind Skaleneffekte und eine optimale Betriebsgröße vorteilhaft – beispielsweise beim Versicherungsunternehmen Tryg.
  • Und fünftens wirken Kosten günstig, die mit dem Wechsel des Anbieters verbunden sind – wie etwa beim Medienkonzern Relx.

Niedrige Zinsen setzen Banken unter Druck
Auf der Short-Seite verhält es sich im Wesentlichen umgekehrt: Schwache Marken, steigende Kosten durch regulatorische Vorgaben, abnehmende Preissetzungsmacht, Preiskämpfe mit Wettbewerbern und die Möglichkeit unkomplizierter, kostenneutraler Anbieterwechsel dürften die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen langfristig erodieren.

Aktuelle Gelegenheiten für Short-Positionen finden sich vor diesem Hintergrund unter anderem in den Bereichen IT, Konsum und Gesundheit. Zudem sorgen anhaltend niedrige Zinsen für Druck auf Banken. Und steigende Inflation ist tendenziell ungünstig für Unternehmen, die höhere Preise nicht an ihre Kunden weitergeben können.

"Insofern lautet die Frage bei europäischen Aktien nicht: hopp oder topp? Sondern vielmehr, wie sich Anlagechancen über kombinierte Long- und Short-Positionen möglichst umfassend nutzen lassen. Entsprechende Absolute-Return-Strategien eröffnen zum einen zusätzliche Quellen für Mehrerträge gegenüber dem breiten Markt – sogenanntes Alpha. Zum anderen bieten sie Investoren die Möglichkeit, Chancen mit gedämpftem Risiko zu nutzen. Das ist gerade auch im aktuellen Marktumfeld ein entscheidender Vorteil, in dem es im Hinblick auf europäische Aktien vielfältige Argumente gibt", erklärt Jeanmaire abschließend. (aa)

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