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Columbia Threadneedle-Chefvolkswirt: Bullen- oder Bärenfalle?

Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region, beschäftigt sich in einer aktuellen Analyse damit, ob die derzeitige europäische Aktienmarktrallye ein Rückkehr des Bullenmarkts ist, oder ob es sich um eine Bärenmarktrallye handelt.

Steven Bell
Steven Bell, Columbia Threadneedle
© Columbia Threadneedle

Ein Großteil der Rallye bei europäischen Aktien ist Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region, zufolge auf die sinkenden Gaspreise zurückzuführen. Als Russland im August den Gashahn zudrehte, wünschten sich viele Menschen laut Bell einen warmen, nassen und windigen Winter. Warm, um die Nachfrage zu senken, nass, um die norwegischen Reservoirs aufzufüllen, und windig, um die Offshore-Windkraft zu fördern. "Selbst jetzt, wo wir uns dem Winter nähern, sind die Preise gefallen. Und das hat nicht nur mit dem Wetter zu tun. Der Futures-Preis für Dezember 2023 ist sogar noch weiter gefallen als der für Dezember 2022", hält Bell fest.

Was hat das zu bedeuten?
Angebot und Nachfrage bestimmten die Entwicklung, und wie immer haben die Menschen diese Wirkungsfaktoren unterschätzt, merkt Bell an. Deutschland hat seine Gasspeicher aufgefüllt. Das Angebot an Flüssigerdgas (LNG) boomt, vor allem aus den USA, wo sich Präsident Biden dafür entschieden hat, die Wiedereröffnung des riesigen LNG-Terminals in Texas nicht weiter zu verzögern.

Deutsches Meisterwerk
Das deutsche Energiepreisstützungsprogramm ist Bell zufolge eine Meisterleistung, auch wenn es spät kam. Die Preise werden subventioniert, was die Wirtschaftstätigkeit insgesamt fördert, allerdings nur in Höhe von 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs für industrielle Großverbraucher und 80 Prozent für andere Unternehmen und Haushalte. Die Regelung bietet daher Anreize für einen geringeren Verbrauch. Die deutsche Industrieproduktion ist seit dem Krieg in der Ukraine bereits um 15 Prozent zurückgegangen, und die Energieintensität ist noch stärker gesunken. Die deutsche Gesellschaft unternimmt große Anstrengungen, um den Gasverbrauch unabhängig vom Preis zu senken.

Diverse Risiken bestehen weiter
Natürlich gibt es auch Risiken. In diesem Jahr gab es eine Reihe von Angriffen auf die Infrastruktur der NATO, darunter auf Energiekabel in Norwegen, auf das deutsche Schienennetz und auf Websites von US-Flughäfen. Für einige dieser Angriffe waren spezielle Fähigkeiten nötig. Das norwegische Svalsat-Kabel liegt mehrere hundert Meter tief. Wenn, wie viele glauben, Russland hinter diesen Angriffen steckt, dann haben sie möglicherweise für ein größeres Manöver geübt. Der Einmarsch in die Ukraine ist für Russland, gelinde gesagt, nicht gut gelaufen. Doch die Angriffe auf die ukrainische Stromversorgung waren sehr effektiv, erinnert Bell.

Einige Mitarbeiter in Geheimdienstkreisen erwarten in diesem Winter einen weiteren Energiepreisschock, sollten die Lieferungen aus dem Nahen Osten nach Europa unterbrochen werden. "Wir hoffen, dass sie sich irren. In der Tat wächst in einigen Kreisen der Druck auf die Ukraine, ein Friedensabkommen zu akzeptieren. Generell sind die Wirtschaftszahlen besser als erwartet. Wir vermuten, dass sich die Verbraucher in den Industrieländern ein schönes Weihnachtsfest bescheren werden, nachdem die letzten beiden Jahre durch die Pandemie beeinflusst wurden", erklärt Bell.

Wird sich die Rallye der europäischen Aktien also fortsetzen?
Bell glaubt nicht. Die europäischen Verbraucher sehen sich mit einem ernsthaften Druck auf die Realeinkommen konfrontiert. Die Löhne in der Eurozone steigen um etwa drei Prozent, aber die Inflation liegt im zweistelligen Bereich. Die Verbraucher werden vielleicht nur über Weihnachten ihr Erspartes nutzen. Im neuen Jahr werden sie zum Sparen gezwungen sein. Wenn die Nachfrage weiter nachlässt, werden die Gewinnspannen sinken. Es sieht Bell zufolge eher nach einer Bärenmarktrallye bei europäischen Aktien aus als nach einem anhaltenden Aufschwung. (aa)

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