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CIO von Goldman Sachs AM mahnt eine realistische Erwartungshaltung bei der Anlage ein

Seine Erwartungen einem Realitätscheck zu unterziehen, ist das A und O einer erfolgreichen Anlagepolitik. Suneil Mahindru (Bild), Chief Investment Officer für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM) tut dies in seinem aktuellen Kommentar: "Wir blicken optimistisch auf die zweite Jahreshälfte. Der MSCI All Country World Index weist zur Mitte des Jahres ein Plus von 4,3 Prozent aus und entspricht somit unseren Erwartungen, wonach globale Aktien 2015 leicht unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 8 bis 10 Prozent notieren werden."
 
Rohstoffexporteure werden unter schwachen Preisen leiden
 
Die US-Wirtschaft werde nach wie vor die Wachstumsraten anderer Industrieländer übertreffen, doch europäische und japanische Aktien besäßen ein größeres Outperformance-Potenzial aufgrund einer lockeren Geldpolitik, schwacher Währungen und der Chance auf höhere Unternehmensgewinne, so Mahindru weiter. Erste Früchte der Strukturreformen in Ländern wie Japan und Indien würden sichtbar. Dem gegenüber stehe in China ein schwächeres Wachstum, ein überhitzter Aktienmarkt sowie der angeschlagene Immobiliensektor. Folglich sollten die Rohstoffpreise niedrig bleiben, worunter gleichermaßen Rohstoffexporteure in den entwickelten und den aufstrebenden Märkten leiden werden. Auch der Verbrauchersektor sei weiterhin sehr aussichtsreich, dennoch sei man bei GSAM relativ vorsichtig in Bezug auf den Energiesektor, wo die Ölpreise in etwa auf dem aktuellen Niveau verharren dürften.
 
Realistische Erwartungshaltung ist gefragt
 
Mahindru: "Wir bleiben bei unserer optimistischen Haltung gegenüber Finanzwerten und beurteilen die Fundamentalfaktoren des Technologie- und Gesundheitssektors nach wie vor positiv, ohne allerdings die Bewertungen aus den Augen zu verlieren. In den meisten Regionen und Sektoren lassen sich jedoch weitere Investment-Gelegenheiten finden. Wir müssen nur in unseren Erwartungen realistisch bleiben." 
 
USA: Die Messlatte liegt niedrig
 
GSAM bleibt bei einem positiven Ausblick für die US-Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote liegt mit 5,3 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise, der Häusermarkt setzt seine Erholung fort und die Benzinpreise dürften weiter niedrig bleiben und so den privaten Konsum stützen. Kurzfristig besteht die Möglichkeit, dass die Unternehmensgewinne für das zweite Quartal positiv überraschen und den US-Aktien somit Auftrieb geben. Allerdings notiert der US-Aktienmarkt mittlerweile schon am oberen Ende seiner historischen Bewertungsspanne. Langfristig gesehen lässt dies auf ein geringeres Aufwärtspotenzial als in den letzten Jahren schließen – möglicherweise auch gegenüber anderen Aktienmärkten. 
 
Europa: Ein Marathon, kein Sprint
 
Die positive Erwartungshaltung gegenüber der quantitativen Lockerung zeigt bereits Wirkung auf den europäischen Konjunkturaufschwung und die Aktienmärkte. Die Konsensprognose für das BIP-Wachstum in der Eurozone wurde auf 1,5 Prozent nach oben korrigiert, weil sich vor allem die Erwartungen für Spanien verbessert haben. Das Kreditwachstum zieht weiter an, während der Euro schwach bleibt und so die Exporte stützt. Die Aussichten für die Unternehmensgewinne sind sehr gut, doch könnten die Aktienmärkte kurzfristig einen stärkeren Gegenwind zu spüren bekommen.
 
Europäische Aktien könnten noch heuer eine Outperformance schaffen
 
Die anhaltenden geldpolitischen Maßnahmen der EZB, der schwache Euro und die niedrigen Ölpreise sollten zusätzlich für Unterstützung sorgen. Weiteres Aufwärtspotenzial liegt in den Verbraucherausgaben, die aufgrund der relativ hohen Arbeitslosigkeit in der Region noch verhalten sind. Die einzigen Risiken scheinen derzeit vor allem politischer Natur zu sein. Griechenland bleibt ein dynamisches Problem. In anderen EU-Staaten stehen für dieses Jahr noch Wahlen an, was ebenfalls zur Marktvolatilität beitragen kann – nicht zuletzt angesichts der zunehmend populistischen Stimmung in vielen Ländern. 
 
Japan mit großem Reformeifer
 
Umfangreiche Stimuli und ein schwacher Yen helfen der japanischen Wirtschaft, sich langsam zu erholen. Die Inflation lässt sich indes nicht so leicht wiederbeleben und dürfte das gesetzte 2-Prozent-Ziel in nächster Zeit verfehlen. Die Arbeitslosenquote ist dagegen auf ein Allzeittief von 3,3 Prozent gesunken, während das reale Lohnwachstum im April erstmals seit zwei Jahren ins Positive gedreht hat. Die Unternehmensgewinne liegen schon fast auf Rekordniveau und die Zahl jener Unternehmen, die in der jüngsten Berichtssaison Aktienrückkäufe angekündigt haben, ist um über 50 Prozent gestiegen. Die Reforminitiative lockt nicht nur Investoren aus der ganzen Welt, sondern auch inländische Anleger. Allerdings bleibt GSAM hier selektiv positioniert, denn nicht alle Unternehmen sind gleichermaßen auf die Eigenkapitalrendite und die Aktionäre fokussiert. 
 
China: Realität mit chinesischen Besonderheiten
 
Die Bottom-up-Maßnahmen von Chinas Wirtschaft deuten auf ein schwächeres Wachstum hin, als es die offiziellen Zahlen nahelegen. Die chinesische Industrie läuft Gefahr, negative Wachstumsraten zu verzeichnen. Obendrein herrscht am Immobilienmarkt weiterhin ein Überangebot. Zwar hat sich die Lage in den großen erstrangigen Städten etwas entspannt, das wahre Problem sind jedoch die weiter landeinwärts gelegenen unterrangigen Städte.
 
Nur mehr selektive Engagements
 
In Anbetracht der abkühlenden Konjunktur und des heiß gelaufenen Aktienmarktes investiert man bei GSAM nur noch sehr selektiv in chinesische Aktien. Die H-Aktien sind günstiger bewertet, weil hier der deutlich höhere Anteil an internationalen Unternehmen und Auslandsinvestoren dämpfend wirkt. Generell erkennen wir bessere Anlagechancen bei Unternehmen, die vom privaten Konsum profitieren werden. Unser Engagement in Staatsbetrieben bleibt dagegen begrenzt, weil wir diese als wenig rentabilitäts- und aktionärsorientiert einschätzen.
 
Indien: Der Bulle ruht sich aus
 
Indien ist auf dem besten Weg, dieses Jahr China in puncto Wachstum zu überholen – ein Meilenstein, der durch die allgemein anziehende Konjunktur begünstigt wird. Doch warum haben sich indische Aktien im bisherigen Jahresverlauf schlechter entwickelt als viele ihrer Pendants andernorts? Mahindru: "Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass nach dem außergewöhnlichen Vorjahr der Wirtschafts- und Reformoptimismus bereits in den Aktien eingepreist ist. Das Tempo des Aufschwungs und der Reformumfang sind bisher hinter den sehr hohen Anlegererwartungen zurückgeblieben und die Unternehmensgewinne zu Jahresbeginn waren enttäuschend. Wir bleiben jedoch optimistisch für indische Aktien. Das Makroumfeld dürfte sich weiter verbessern, da die Ölpreise auf einem niedrigen Niveau verharren und die Inflation noch weiter nach unten tendiert. Auch die angelaufenen Reformen sollten mit der Zeit erste Erfolge aufweisen."
 
Bürokratierabbau kommt voran
 
Die indische Regierung hat bereits eine Reihe von Maßnahmen zum Bürokratieabbau für Unternehmen eingebracht. Dies sei eine nicht zu unterschätzende Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass Indien in der „Ease of Doing Business“-Liste der Weltbank unter 189 untersuchten Ländern gegenwärtig auf Platz 142 rangiert, so Mahindru. Das Gewinnwachstum könnte seiner Ansicht nach in den nächsten Jahren auf rund 20 Prozent anziehen. (kb)
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