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Christine Lagarde soll EZB-Präsidentin werden - eine gute Wahl?

Christine Lagarde soll also die Nachfolgerin von Mario Draghi als EZB-Präsident werden - und das, obwohl sie noch nie in einer Notenbank tätig war. Dafür ist sie mit den Schalthebeln politischer Macht vertraut. Wir die EZB nun politischer, handelt es sich um einen neuen, besorgniserregenden Trend?

IWF-Chefin Christine Lagarde
Christine Lagarde: Wie politiknah wird sie ihre EZB-Präsidentschaft anlegen?
© Wikimedia Commons

Der Job-Poker fand gestern ein überraschendes Ende. Ursula von der Leyen soll neue EU-Kommissionspräsidentin werden. Im Gegenzug wird die Europäische Zentralbank (EZB) zukünftig von der derzeitigen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde geführt. Diese Personalkonstellation ist vorbehaltlich einer Bestätigung Ursula von der Leyens durch das EU-Parlament. Eine Zustimmung der Abgeordneten ist bislang nicht gesichert, und das Brüsseler Schachspiel deshalb noch nicht in trockenen Tüchern.

Versierte Politikerin, keine akademische Notenbankerin
Was wäre nun aber von einer Christine Lagarde als zukünftige Vorsitzende der EZB zu halten? Die derzeitige IWF-Chefin hat einen reichen Erfahrungsschatz. Auf internationalem Parket weiß sich die Juristin bestens zu bewegen. Wirtschafts- und finanzpolitische Fragen sind ihr vertraut. Allerdings ist Christine Lagarde auch ehemalige Politikerin und damit stellt sich berechtigter Weise die Frage nach der Unabhängigkeit der EZB. Die Französin war in ihrem Land unter anderem vier Jahre Ministerin für Wirtschaft und Finanzen. Während ihrer Amtszeit wurde ein Defizitverfahren gegen Frankreich eingeleitet.

Wie unabhängig wird Lagarde gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten handeln?
Das bleibt abzuwarten. Die EZB hat bereits unter Mario Draghi ihr geldpolitisches Mandat de facto weit überschritten., meint nicht nur Dr. Thomas Gitzel (Bild), Chefvolkswirt der VP Bank Gruppe: "Mit einem gut gefüllten Speicher an Staatsanleihen übernimmt eine vormalige Politikerin nun das Ruder. Ohne Böses unterstellen zu wollen, aber allein der Lebenslauf von Christine Lagarde spräche gegen eine Nominierung als Vorsitzende einer Notenbank."

"Ungutes Gefühl in der Magengegend"
Die Frage nach der politischen Unabhängigkeit der großen Notenbanken stellt sich gerade in diesen Tagen vehement. In den USA wettert Donald Trump in Regelmäßigkeit gegen seinen  Notenbankpräsidenten Jerome Powell. Das Weiße Haus hat laut Medienberichten gar die rechtliche Möglichkeit für eine Absetzung von Powell geprüft. Gitzel weiter: "In Europa kommt derweil eine ehemalige Politikerin zum Handkuss für den EZB-Chefposten. Diese Personalpolitik löst bei Volkswirten ein dumpfes Gefühl in der Magengegend aus. Schön wäre, wenn ausgewiesene Geldpolitiker auf den Chefsesseln der Notenbanken sitzen würden. Aber vermutlich ist das mittlerweile eine romantische Vorstellung."

Was andere Häuser zu Lagardes Karrieresprung sagen, lesen Sie auf den Folgeseiten!
(kb)

 

 

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