Christian Kopf, Union Investment: "Hier könnte eine Korrektur drohen!"
Der Leiter Rentenfondsmanagement und Währungen von Union Investment zeichnete am Institutional Money Kongress in Frankfurt ein aktuelles Bild der Märkte und erklärte, wo institutionelle Investoren derzeit interessante Opportunitäten vorfinden.

Eckpunkte:
- Höhere Zinsen am kurzen Ende der Zinskurve schaffen neue Opportunitäten
- Investoren sollten diese Gelegenheiten zum Einstieg nutzen
- Schwächerer US-Dollar spricht für Emerging Markets-Exposure
- Irankrieg sollte eher früher denn später enden
Der von Christian Kopf, Leiter Rentenfondsmanagement und Währungen bei Union Investment, gehaltene Workshop am 17. Institutional Money Kongress stand ganz im Zeichen der Auswirkungen des Irankriegs auf die Märkte.
Bis zum Kriegsausbruch standen die Ampeln für europäische Aktien aus guten Gründen auf grün: Deutschland reagierte auf den „Epochenbruch“ und kündigte höhere Staatsausgaben für Militär und Infrastruktur an. Diese brachten höheres reales Wirtschaftswachstum und bewogen die Einkaufsmanager von leidgeprüften Sektoren, wie der Baubranche oder auch der Infrastruktur, zu optimistischeren Zukunftserwartungen. So rechneten beispielsweise Vertreter der Infrastrukturbranche mit dem höchsten Wachstum seit 15 Jahren. Doch dann fielen im Nahen Osten die Bomben, die Lieferketten wurde unterbrochen und die Preise von Energie und anderen wichtigen Rohstoffen stiegen explosionsartig.
Gestiegen sind angesichts höhere Inflationserwartungen und Zinserhöhungsängste auch die Renditen an Rentenmarkt – vor allem am kurzen Ende der europäischen Zinsstrukturkurven. So stiegen per Stand 23. März 2026 (Anmerkung: dem Tag vor Erstellung der Workshop-Unterlagen) beispielsweise die Renditen zweijähriger Bundesanleihen innerhalb weniger Tage von etwas mehr als zwei Prozent auf rund 2,6 Prozent. Dieser Anstieg war wesentlich stärker als jener der zehnjährigen Bundesanleihen, die von ca. 2,7 auf etwa 3,0 Prozent stiegen. Siehe die Grafik unten:
Rentenmarkt preist mögliche Zinserhöhungen der EZB ein

Stress bei niedrigen Laufzeiten
Zinserhöhungsängste haben dazu geführt, dass vor allem im Bereich der ein- bis fünfjährigen deutschen Staatsanleihen die Zinskurve im Vergleich zu einem Monat zuvor relativ stark nach oben wanderte. Siehe die Folgegrafik:
Steigende Zinskurve

Spreads bei Credits weiten sich aus
Nicht nur Staatsanleihen, auch Unternehmensanleihen kamen unter Abgabedruck. So weiteten sich beim ICE BofA Euro Corporates Index die Asset Swap Spreads seit Kriegsausbruch um zirka 15 Basispunkte aus (siehe linken Teil der anschließenden Grafik). Des Weiteren marschierte auch hier die Zinskurve nach oben und sorgte für Kursverluste in allen Sektoren (siehe Grafik).
Schwere Zeiten für europäische Credits

Investoren mussten Positionen rasch drehen
Kopf nannte neben dem Krieg zwei andere Gründe, warum diese Entwicklung am Rentenmarkt dieses Mal so dynamisch erfolgte: Eine große Gruppe von Marktteilnehmern ging von Zinssenkungen und den USA aus. Eine weitere große Gruppe wollte von regulatorischen Änderungen bei niederländischen Pensionsfonds profitieren: Diese sollten laut Markterwartungen von länger laufenden Rentenpapieren in kürzerlaufende Rentenpapiere umschichten. In Folge waren viele Großanleger in Erwartung dieser Flows überdurchschnittlich stark am kurzen Ende der Zinskurve positioniert und mussten angesichts drohender Verluste diese Fehlpositionen nun innerhalb kürzester Zeit schließen. „Das war die rascheste Anpassung seit Jahrzehnten“, erklärte Kopf.
Der Union Investment-Mann empfahl den anwesenden Investoren, die aktuellen Verwerfungen und relativ hohen Zinsen am Geldmarkt und am kurzen bis mittleren Laufzeitband der Zinskurve zu nutzen und in entsprechende Produkte einzusteigen.
Ebenfalls als attraktiv erachtete Kopf folgende Assets:
- Corporate Bonds mit Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren
- Emerging Markets (Aktien und Debt)
Schwellenländer-Investments sollte nach Ansicht von Kopf ein schwächerer US-Dollar zu Gute kommen, der aufgrund niedrigerer Zinsen respektive Zins-Differenzen zu anderen Währungen zur „Funding-Währung“ mutieren könnte. Investoren sollten daher ernsthaft überlegen, einen Teil ihrer MSCI World-Bestände zu verkaufen, um Währungsverluste und Klumpenrisiken zu vermeiden und diese Gelder lieber – zumindest zum Teil - in europäische Aktien investieren.
Da Kopf zumindest zum Zeitpunkt des Workshops ein baldiges Ende des Irankriegs erwartete, hält er des Weiteren wenig von Energietitel. „Hier könnte eine Korrektur drohen“. (aa)

