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Chinas Zero-Covid-Strategie ist inflationsfördernd

Chinas BIP-Wachstum stieg im Jahresvergleich von plus vier Prozent im vierten Quartal 2021 auf 4,8 Prozent im ersten Quartal 2022. Die Prognosen für Ende 2022 sind jedoch deutlich düsterer, vor allem wegen der zunehmenden Corona-Fälle, die in den letzten zwei Monaten deutlich gestiegen sind.

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Gilles Seurat, Fixed Income und Cross Asset Portfolio Manager bei La Française Asset Management
© La Française AM

Von einigen wenigen Corona-Fällen ausgehend, gab es einen Anstieg auf fast 25.000 Fälle pro Tag in China in den letzten Wochen. In Reaktion darauf verfolgt die chinesische Regierung weiterhin ihre Null-Covid-Strategie und hat neue Lockdowns verhängt. "Zur Verdeutlichung: Nomura schätzt, dass ca. 356,5 Millionen Chinesen, die 25,3 Prozent der Bevölkerung und 38,4 Prozent des chinesischen BIP ausmachen, im Lockdown sind. Infolgedessen sind die Mobilitätsindikatoren im Durchschnitt um 50 Prozent gesunken, wobei der Rückgang in Shanghai, wo die Lockdown-Maßnahmen am strengsten sind, wesentlich stärker ausfällt", stelllt Gilles Seurat, Fixed Income und Cross Asset Portfolio Manager bei La Française Asset Management, fest.  

Der Ernst der Lage verursacht eine beispiellose Überlastung
Aufgrund der strengen Anti-Corona-Maßnahmen fehlt ein Großteil der Hafenarbeiter und Lkw-Fahrer, was zu Staus und Rückstaus führt. In Shanghai warten mehr als 300 Schiffe auf ihre Entladung, im Februar waren es nur 50. Die Situation hat sich verschärft und ist derzeit noch schlimmer als in den Jahren 2020 und 2021!

Was bedeutet das für die Weltwirtschaft?
Erstens sinkt der Ölverbrauch in China, da der private Autoverkehr eingeschränkt wurde. Auch der Flugverkehr ist rückläufig, da nur noch einer von vier Inlandsflügen durchgeführt wird. All diese Faktoren wirken sich natürlich auf die Ölnachfrage aus, die im April 2022 im Vergleich zum April 2021 um neun Prozent (das entspricht 1,2 Millionen Barrel pro Tag) zurückgehen dürfte. Wie sich dieser Rückgang langfristig auf die Rohölpreise auswirken wird, hängt weitgehend von der Frage ab, inwieweit es der chinesischen Regierung gelingt, die Ausbreitung von Corona in den kommenden Monaten einzudämmen und wie lange die Lockdowns andauern.

Inflationsschub durch Stau in Häfen
Kurz- bis mittelfristig dürfte sich der Stau in den chinesischen Häfen jedoch noch dramatischer auf die Inflation auswirken. In der Tat übersteigt die weltweite Nachfrage nach Konsumgütern derzeit das Angebot, und die Beeinträchtigung der chinesischen Lieferkette wird dieses Ungleichgewicht nur noch verstärken und damit zu einer zusätzlichen Inflation führen. Engpässe häufen sich von Halbleitern im Jahr 2020 bis hin zu Papier, Glas, Autoteilen und mehr heutzutage.

Lockdowns verschieben Gleichgewichte
Die wiederholten Lockdowns haben das Konsumgleichgewicht zwischen Waren und Dienstleistungen verschoben. In den USA beispielsweise ist der Güterkonsum um 15 Prozent  höher als vor der Pandemie, wie Bloomberg-Daten zeigen, und weltweit ist die Nachfrage nach Haushaltsgeräten und IT-Hardware made in China sprunghaft angestiegen. Außerdem erholt sich der US-Arbeitsmarkt immer noch von seinem Einbruch im Jahr 2020, und es fehlen nach wie vor 1,6 Millionen Arbeitskräfte. Die CEO-Umfrage des "US Business Roundtable" zeigt, dass die Einstellungsplanung für die nächsten sechs Monate ein Allzeithoch erreicht hat. Daher dürften die Gesamteinkommen weiter steigen und die US-Nachfrage weiter stützen.

Höhere Preise als Ausgleich des Marktungleichgewichts
Theoretisch kann das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nur durch höhere Preise behoben werden. Ein gutes Beispiel ist die deutsche Automobilindustrie, die sowohl die Lieferfristen auf manchmal mehr als ein Jahr verlängert als auch die Preise erhöht hat.

Folgen des Inflationsanstiegs für Finanzmärkte und Portfolioallokation
Die Zentralbanken haben weltweit eine Straffungspolitik eingeleitet und dürften angesichts des Drucks, gegen das schlimmste aller Übel, die Inflation, vorzugehen, auch weiterhin Maßnahmen ergreifen. Gilles Seurat dazu: "Dies bedeutet, dass das vordere Ende der Zinsstrukturkurve weiterhin unter Druck stehen dürfte. Die Märkte dürften auch in den kommenden Monaten Zinserhöhungen einpreisen. Daher sind wir der Ansicht, dass die Renditen von Anleihen mit kurzer bis mittlerer Laufzeit eher steigen als sinken werden. Dies gilt weniger für Anleihen mit langen Laufzeiten, da die Nachfrage einiger Anleger langsam wieder zunimmt. Langfristige disinflationäre Faktoren wie ein langsameres Bevölkerungswachstum führen dazu, dass die Renditen von Anleihen mit langen Laufzeiten eher gedeckelt sind. Wir rechnen daher mit flacheren Zinskurven in Europa. Die Lockdowns in China geben dieser Anlagestrategie zusätzlichen Auftrieb." (kb)

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