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China kehrt an den Lean Hog-Markt zurück, genauso wie Hedgefonds

Am chinesischen Schweinefleischmarkt gibt es mittlerweile genügend Anzeichen für eine drohende Katastrophe, um die Preise anzukurbeln und Hedgefonds in Bullen zu verwandeln. Schweine sind am Terminmarkt also wieder gesucht.

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© zoommachine / stock.adobe.com

Die Afrikanische Schweinepest - die für die Tiere meist tödlich verläuft und schwer einzudämmen ist, für Menschen aber nicht gefährlich ist - brach in China erstmals im vergangenen August aus.

Chronologie des Schreckens
Es hat eine Weile gedauert, bis sich die Seuche zu einem Desaster entwickelte - doch nun ist es soweit: Die Schweinefleischpreise in dem asiatischen Land schießen hoch, und die chinesische Regierung erklärte, dass ihre Sauenbestände zur Ferkelzucht um 15 Prozent gefallen sind. Dieser Rückgang ist größer als die gesamte Herde in Nordamerika, weiß Blooomberg News zu berichten.

China ist der weltweit größte Konsument von Schweinefleisch
Mitte März tätigte China den drittgrößten wöchentlichen Ankauf von US-Schweinefleisch in seiner Geschichte, und am Donnerstag beschleunigte sich das Tempo der Exporte trotz massiver Zölle noch weiter. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet, dass die Gesamtmenge der chinesischen Schweinefleischeinfuhren um 28 Prozent zunehmen wird. 

Preise für Futures-Kontrakte sind in die Höhe geschossen
Das hat für einen Gesinnungswandel am Markt gesorgt", sagte Dan Norcini, ein unabhängiger Viehfutures-Händler aus Idaho über den Kauf gegenüber Bloomberg. "Endlich sind die Anleger aufgewacht." Der aktivste Juni-Kontrakt kletterte im März um 26 Prozent auf den höchsten Stand seit Beginn des Handels dieses Termingeschäfts Ende 2017.

Hegdefonds wechseln auf die Kaufseite
Die Vermögensverwalter vollzogen eine Kehrtwende und setzen nun bei Schweinefleisch statt auf fallende wieder auf steigende Kurse. Die Long-Positionen übertrafen die Shorts um 8.090 Kontrakte, zeigen wöchentliche Daten der U.S. Commodity Futures Trading Commission zu Futures und Optionen (siehe Bloomberg-Chart). Eine Woche zuvor hatten ihre Bestände noch 3.633 Netto-Short-Positionen aufgewiesen.

Gerüchteküche brodelt
Befeuert wird die Rallye auch durch die Annahme, dass die Anzahl der in China verendeten Schweine wahrscheinlich höher liegt als Peking offiziell zugibt. Vietnam verzeichnete das erste Auftreten der Seuche im Februar und hat bereits fast die doppelte Anzahl der chinesischen Fälle gemeldet. Dabei besitzt China ein Vielfaches der Tiere, und die Krankheit verbreitet sich seit Monaten im ganzen Land. Ein Ausfall der chinesischen Produktion von - sagen wir - 20 Prozent bedeutet, dass es nicht genug Schweinefleisch auf der Welt geben wird und dass die Preise "erheblich steigen" müssen, erklärte Altin Kalo, Analyst der Steiner Consulting Group in Manchester, New Hampshire.

Selbst wenn China beginnt, mehr Schweinefleisch aus der EU oder Kanada zu kaufen, können andere Importeure, die auf die Lieferungen dieser Länder angewiesen sind, schließlich bei den US-Produzenten landen. Bei den Ausbrüchen der Schweinepest gebe es "sicherlich eine hohe Dunkelziffer", sagte Kalo. "Jeder weiß, dass es schlimmer ist als dargestellt."

US-Schweineexporte nach China als Zollopfer
Es gibt immer noch Unwägbarkeiten, die einer Rallye im Wege stehen und an dem ohnehin volatilen Markt zu noch stärkeren Ausschlägen führen könnten. Zwar gibt es kaum Zweifel daran, dass die Afrikanische Schweinepest ihre Spuren in der Herde Chinas hinterlässt, doch fraglich ist, wie viele Zukäufe Peking tatsächlich tätigen wird. Das Angebot in den USA ist groß, doch amerikanische Exporte werden durch Chinas Handelszölle behindert.

Huhn als Substitut?
Die Märkte könnten reagieren, wenn in den wöchentlichen Handelsdaten keine weiteren Einkäufe auftauchen sollten, meint Will Sawyer, Tierproteinökonom von CoBank. Chinesische Käufer gehen möglicherweise lieber zuerst in andere Länder wie die EU, Kanada oder Brasilien, bevor sie in den USA zugreifen, was die Nachfrage nach US-Schweinefleisch zurückstellen würde. Die Politik spielt eine Rolle, da der Handelskonflikt zwischen den USA und China andauert. Außerdem könnten sich die Verbraucher in dem asiatischen Staate anderen Proteinen wie Huhn zuwenden. "Timing ist alles", sagte Sawyer, und das "kann viel Auf und Ab bringen." (kb)

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