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China hat Afghanistans Mineralien im Wert von einer Billion im Visier

Afghanistan verfügt über Vorkommen an Seltenen Erden und anderen Bodenschätzen im Wert von einer Billion Dollar oder mehr. Darunter sind die möglicherweise größten Lithiumreserven der Welt, wenn man sie aus dem Boden holen kann. China will nun an den Speck und damit den Westen in die Enge treiben.

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China zeigt wenig moralische Skrupel und will sich in Afghanistan an den Bodenschätzen bedienen, um seine geopolitische Machtstellung zu Lasten des Westens weiter auszubauen. 
© natanaelginting / stock.adobe.com

Als die USA 2001 in Afghanistan einmarschierten, sah die Weltwirtschaft noch ganz anders aus: Tesla war kein Unternehmen, das iPhone existierte nicht, und künstliche Intelligenz war vor allem aus Filmen bekannt. Heute stehen diese Firmen  an der Spitze einer modernen Wirtschaft, die von Fortschritten bei Hightech-Chips und Hochleistungsbatterien angetrieben wird, die mit einer Reihe von Mineralien, darunter auch Seltene Erden, hergestellt werden. Vier Jahrzehnte Krieg - erst mit der Sowjetunion, dann zwischen sich bekriegenden Stämmen, dann mit den USA - haben die Förderung von diesen Bodenschätzen verhindert. Es ist nicht zu erwarten, dass sich das in nächster Zeit ändern wird, denn die Taliban zeigen bereits Anzeichen dafür, dass sie wieder eine Theokratie errichten wollen, die die Uhr bei den Frauenrechten und anderen Grundfreiheiten zurückdreht, anstatt Afghanistan in eine blühende Zukunft zu führen.

Es gibt aber auch eine optimistische Perspektive
Diese wird jetzt von Peking vorangetrieben und sieht wie folgt aus: Die Taliban bilden eine "integrative" Regierung mit Kriegsherren konkurrierender ethnischer Gruppen, lassen ein Mindestmaß an grundlegenden Menschenrechten für Frauen und Minderheiten zu und bekämpfen terroristische Elemente, die die USA, China, Indien oder ein anderes Land angreifen wollen.

China will führende Stellung bei Seltenen Erden ausbauen
"Mit dem Rückzug der USA kann Peking das bieten, was Kabul am meisten braucht: politische Unparteilichkeit und wirtschaftliche Investitionen", schrieb Zhou Bo, der von 2003 bis 2020 Oberst der Volksbefreiungsarmee war, am Wochenende in einem Gastbeitrag in der New York Times, aus dem Bloomberg News zitiert. Afghanistan wiederum hae das, was China am meisten schätze: Möglichkeiten im Bereich der Infrastruktur und des Aufbaus von Industrien - Bereiche, in denen Chinas Fähigkeiten wohl unübertroffen seien - und Zugang zu unerschlossenen Mineralienvorkommen im Wert von einer Billion US-Dollar."

Kann dieses Szenraio eintreten?
Viel hängt davon ab, was in den nächsten Wochen geschieht. Obwohl die USA nach einem überstürzten Truppenabzug, der 20 Jahre Krieg beendet, mit der Evakuierung Tausender Amerikaner und gefährdeter Afghanen beschäftigt sind, hat Präsident Joe Biden immer noch die Macht, jede neue Taliban-geführte Regierung auf der Weltbühne zu isolieren und die meisten Unternehmen daran zu hindern, in dem Land Geschäfte zu machen, schreibt Bloomberg. In einer Erklärung vom Dienstag erklärten die G7, die Legitimität einer afghanischen Regierung hänge davon ab, ob sie sich an die internationalen Verpflichtungen halte und die Menschenrechte für Frauen und Minderheiten gewährleiste. "Wir werden die afghanischen Parteien nach ihren Taten und nicht nach ihren Worten beurteilen", erklärte die Gruppe nach einem virtuellen Treffen der Staats- und Regierungschefs.

Die USA halten die Sanktionen gegen die Taliban als Ganzes aufrecht
Sie können ihr Veto einlegen, wenn China und Russland die Restriktionen des UN-Sicherheitsrats gegen die militante Gruppe lockern wollen. Washington hat bereits die Reserven Afghanistans in Höhe von fast 9,5 Milliarden US-Dollar eingefroren, und der IWF hat die Finanzierung Afghanistans gestoppt, darunter fast 500 Millionen US-Dollar, die etwa zum Zeitpunkt der Übernahme der Kontrolle durch die Taliban ausgezahlt werden sollten. 

Ungehobene Schätze

Mineralische Reichtümer
Damit die Taliban auf diese Mittel hoffen können, müssen sie eine reibungslose Evakuierung von Ausländern und gefährdeten Afghanen ermöglichen, mit den Kriegsherren verhandeln, um einen weiteren Bürgerkrieg zu verhindern, und eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen unterbinden. Schon jetzt wachsen die Spannungen wegen der Frist für den Truppenabzug am 31. August, und die Taliban warnen die USA davor, eine "rote Linie" zu überschreiten. 

Die Taliban haben jedoch mehrere Gründe, Zurückhaltung zu üben
Kabul sieht sich mit einer wachsenden Wirtschaftskrise konfrontiert: Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mehl und Öl sind in die Höhe geschnellt, in den Apotheken herrscht Medikamentenmangel, und an den Geldautomaten ist kein Bargeld mehr vorhanden. Die militante Gruppe hat diese Woche einen neuen Zentralbankchef ernannt, der sich mit diesen Problemen befassen soll, während sein Vorgänger im Exil vor Schocks warnte, die zu einer schwächeren Währung, schnellerer Inflation und Kapitalverkehrskontrollen führen könnten. 

Taliban fordern die Aufhebung der Sanktionen
Ihr Sprecher Suhail Shahee erklärte diese Woche gegenüber dem staatlichen chinesischen Fernsehsender CGTN, dass die finanziellen Sanktionen den Bemühungen um den Wiederaufbau der Wirtschaft schaden würden. "Der Vorstoß für weitere Sanktionen wird eine einseitige Entscheidung sein", sagte er. "Sie wird gegen den Willen des afghanischen Volkes sein". Die Anführer der militanten Gruppe haben erklärt, sie seien an guten internationalen Beziehungen, insbesondere zu China, interessiert. Am späten Dienstag twitterte ein Taliban-Sprecher, dass ein hochrangiger Beamter der Gruppe mit dem chinesischen Botschafter in Kabul zusammengetroffen sei und "über die Sicherheit der chinesischen Botschaft und der Diplomaten, die aktuelle Situation in Afghanistan, die bilateralen Beziehungen und Chinas humanitäre Hilfe" gesprochen habe. 

Nichts ist für immer unverändert
Beamte und staatliche Medien in Peking haben den Boden für engere Beziehungen aufgeweicht. So berichtete die von der Kommunistischen Partei unterstützte Global Times, dass chinesische Investitionen in Afghanistan wahrscheinlich "weitgehend akzeptiert" würden. In einem anderen Bericht hieß es: "Die USA sind nicht in der Lage, sich in eine mögliche Zusammenarbeit zwischen China und Afghanistan einzumischen, auch nicht bei seltenen Erden." (kb)

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