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China-Experte Fabrice Jacob: "Fähige Leute, schnelle Entscheidung"

Die Gewinne chinesischer Firmen ziehen nach mageren Jahren wieder kräftig an. Sogar Banken – lange Zeit ein No-go für halbwegs sicherheitsorientierte Investoren – rücken wieder in den Fokus. Anleger würden die Wandlungsfähigkeit Chinas unterschätzen, meint Fabrice Jacob von JK Capital.

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Fabrice Jacob, Gründer und CEO der in Hongkong ansässigen Investmentfirma JK Capital: "Das wird ein ziemlich gutes Jahr für China"
© JK Capital Management

Öffentliches Lob am chinesischen Einparteiensystem wäre wohl im demokratischen Westen vor kurzem noch undenkbar gewesen. Doch nachdem in Europa und in den USA der Aufstieg populistischer Politiker mit mitunter radikalen Ansätzen die Gesellschaft polarisiert, relativiert sich der Blick auf das Reich der Mitte: "In China könnte ein Trump nicht Präsident werden. Wer in der chinesischen Führung aufsteigt, hat in der Regel alle Stufen von ganz unten durchgemacht und musste als Gouverneur einer Region zumindest sein politisches Können unter Beweis stellen", sagt Fabrice Jacob, der seit vielen Jahren vor Ort lebt und daher über exzellente Einblicke in China hat.

Der Gründer und CEO der in Hongkong ansässigen Investmentfirma JK Capital erklärt China seit zwei Jahrzehnten seinen europäischen Partnern. Es sei "das am häufigsten falsch verstandene Land", sagte er kürzlich in Wien. JK Capital managt für den französischen Vermögensverwalter La Francaise den La Francaise JKC China Equity-Fund, den La Francaise JKC Asia Equity-Fonds und den La Francaise Lux - JKC Asia Bond-Fund.

"Fähige Leute, schnelle Entscheidungen"
"Das System war in den vergangenen Jahren sehr effizient darin, auch fähige Leute nach oben zu bringen", sagt Jacob. Vor allem habe die Regierung in Peking zuletzt gezeigt, dass sie die Botschaften aus dem Volk verstanden hat. Beobachter von außen – auch Investoren –  würden übersehen, wie schnell in China Veränderungen vonstatten gehen. "Wenn hier die Politik etwas beschließt, sind die Auswirkungen unmittelbarer", so Jacob. So mussten etwa in Taiyuan, der Hauptstadt der traditionellen Kohle-Provinz Taiyuan, 2016 innert sechs Monaten alle 10.000 Taxis auf Elektrobetrieb umstellen.

"Einer größeren Öffentlichkeit bleiben solche pragmatischen Maßnahmen meist verborgen, aber sie finden dauernd statt", sagt Jacob. Umweltverschmutzung sei heute das größte Risiko für soziale Spannungen. "In keinem Bereich hat sich bei der Transparenz so viel getan. Vor fünf Jahren war alles, was damit zu tun hatte, top secret. Heute kann jeder über das Handy Echtzeit-Luft-Werte abrufen. In sozialen Medien ist es nicht mehr verboten, über Umweltverschutzung zu reden“, so Jacob. 

Gewinne nach Radikalkur bei Kohle
Auch auf dem Rohstoff-Sektor habe Pekings Führung mit schneller Hand das Ruder herumgerissen: Hohe Überkapazitäten haben in den vergangenen Jahren den Marktpreis ruiniert. Nun wird zum Beispiel die über das ganze Land verteilte Kohleproduktion bis 2020 auf drei Provinzen konzentriert. Der Rest muss innerhalb von nur drei Jahren das Programm drastisch herunterfahren.

Der Erfolg manifestiert sich bereits in Zahlen: Die Bruttomarge der fünf größten Kohleproduzenten des Landes liegt nun wieder bei über 20 Prozent, nachdem sie jahrelang rückläufig und ab 2014 tief in den roten Bereich gesunken war. Die Kohlepreise legten seit Ende 2016 um über 180 Prozent zu. "Was die Regierung macht, geht über Schließungen hinaus. 100.000 Kohletransport-Waggons wurden allein 2016 verschrottet. Gleichzeitig wird das Netz an effizienten Ultrahochspannungsleitungen von zwölf in nur drei Jahren um 24 erweitert. Die Art, wie Energie transportiert wird, verändert sich in nur kurzer Zeit radikal", so Jacob.

Der MSCI China legte dieses Jahr bereits um 15 Prozent zu und gehört damit zu den globalen Top-Performern. "Zurzeit ist in China alles auf Stabilität ausgerichtet. Staats- und Parteichef Xi Jinping hat im ständigen Ausschuss des Politbüros der Kommunistischen Partei erstmals die Möglichkeit, seine Verbündeten durchzusetzen. Am 19. Parteitag im Herbst sind keine großen Änderungen zu erwarten. Das wird ein ziemlich gutes Jahr für China", sagt Jacob.

"Ausländer mit Banken und Immobilien verschrecken"
Sabrina Ren, geborene Chinesin, Portfoliomangerin und Senior Analystin bei JK Capital, sieht die Vorbehalte, die ausländische Investoren in China haben, auch mit einem lachenden Auge: "Wenn Sie einen ausländischen Investor in China verschrecken wollen, dann mit den Themen Immobilien und Banken. Das funktioniert zu hundert Prozent. Für uns bedeutet es, dass wir sehr viele günstige Unternehmen in diesen Sektoren finden".

Es gebe eben nicht den einen Immobilienmarkt in China. Und selbst die oft zitierte Blase sei unter Kontrolle: Die Regierung habe mit der Einschränkung für spekulative Anleger ("Home Purchase Restrictions") für eine generelle Entspannung bei den Preisen gesorgt.

Faule Kredite gehen zurück
Auch am Bankenmarkt sei eine Aufhellung zu beobachten. Chinas Geldhäuser sitzen auf hohen Mengen an faulen Krediten – sogenannten non-performing loans (NPL). "Die offizielle Zahl ist zwei Prozent. Aber jeder macht hier seine eigene Schätzung, und selbst bei den Konservativeren liegt sie zwischen acht und 15 Prozent. Die NPL gehen aber vor allem auf Rohstoff-Firmen zurück. Und nachdem es denen wieder gut geht, sehen deren Bücher zunehmend besser aus", sagt Fabrice Jacob. Die Aufholfahrt der Banken sei zwar eine langsame, aber eine, die man nicht aus den Augen lassen sollte.  

Der Nettoertrag aller H-Shares – gemeint sind chinesische Firmen, die an der Börse Hongkong gelistet sind – ist zuletzt kräftig gestiegen. Im so genannten "New Economy Sektor", der unter anderen Branchen wie Dienstleistungen, Medien, Gesundheit oder IT umfasst, liegt das erwartete Ertragsplus für 2017 bei über 20 Prozent, nach gut 15 Prozent im Vorjahr. Selbst in der Old Economy soll es in diesem Jahr um zehn Prozent bergaufgehen, nachdem es im Vorjahr Verluste von über zehn Prozent gab.

H-Shares immer beliebter
"Der Aktienmarkt in Hongkong ist einer der liquidesten Märkte der Welt. Täglich werden rund zehn Milliarden US-Dollar umgesetzt. Wir investieren in China ausschließlich über die Börse in Hongkong", so Jacob. Während die A-Shares (in Renminbi quotierte Aktien an den Festlandbörsen Shanghai oder Shenzhen) erneut nicht in den MSCI aufgenommen wurden und damit weiter außerhalb des globalen Fokus laufen, würden die H-Shares immer interessanter – auch für Festlandchinesen. "Mittlerweile sind zehn Prozent der Investoren in Hongkong institutionelle Käufer vom Festland. Sie hedgen damit auch den Renminbi", schildert Jacob. Gehandelt wird in Hongkong-Dollar, der aber an den US-Dollar gebunden ist.

"Das Problem auf dem Festland ist, dass die Börsen zu 80 Prozent Retail-dominiert sind. Da suchen unerfahrenere Anleger das schnelle Geld, und das führt zu Turbulenzen. In Hongkong sehen wir hingegen viele Firmen, die unterbewertet sind", sagt Expertin Ren. Die H-Shares sind derzeit um 14 Prozent günstiger als die entsprechenden Aktien an den Festlandbörsen. (eml)

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