China-Druck: Fondsmanager warnt vor Risiken für Europas Industrie
Chinesische Überkapazitäten werden nach Einschätzung von Apano zunehmend zum Risiko für Europas Industrie. Die Möbelbranche sei nur das jüngste Beispiel, warnt Fondsmanager Markus Sievers. Höhere Handelshürden in den USA könnten den Wettbewerbsdruck in Europa weiter verschärfen.

Eckpunkte:
- Chinesische Möbelimporte nach Deutschland seit 2017 stark gestiegen
- OECD sieht erheblichen Einfluss staatlicher Förderung auf Marktanteilsgewinne
- US-Handelshürden könnten chinesische Überkapazitäten nach Europa umlenken
Der zunehmende Importdruck aus China könnte nach Einschätzung von Apano Investments weit über die deutsche Möbelindustrie hinaus Folgen haben. "Die Möbelindustrie ist nur das jüngste Warnsignal", sagt Markus Sievers, Mitgründer und Fondsmanager des Dortmunder Vermögensverwalters. Ähnliche Entwicklungen seien bereits bei Solarmodulen, Batterien, Elektroautos, Stahl und Aluminium zu beobachten. Zunehmend gerieten auch Chemie- und Maschinenbauunternehmen unter Druck.
Aktueller Anlass sind Warnungen der deutschen Möbelindustrie vor dem wachsenden Importdruck. Nach Angaben von Apano sind die deutschen Möbelimporte aus China zwischen 2017 und 2025 um 81 Prozent gestiegen. China ist inzwischen der wichtigste ausländische Möbellieferant Deutschlands. Der Branchenverband VDM verwies Anfang September ebenfalls auf den hohen Importanteil und warnte vor staatlich unterstützter chinesischer Konkurrenz.
OECD untersucht staatliche Unterstützung
Sievers sieht darin ein Symptom eines breiteren Problems. Hinweise auf ungleiche Wettbewerbsbedingungen liefert nach seiner Einschätzung eine aktuelle Auswertung der OECD. In ihrer MAGIC-Datenbank untersucht die Organisation große Unternehmen aus 15 Industriesektoren. Chinesische Unternehmen erhielten demnach zwischen 2005 und 2024 im Durchschnitt drei- bis achtmal so viel staatliche Unterstützung wie Unternehmen in OECD-Ländern.
Bemerkenswert ist für Sievers auch der Zusammenhang mit den Marktanteilen. Bei den untersuchten chinesischen Unternehmen lassen sich laut OECD fast 60 Prozent der weltweiten Marktanteilsgewinne zwischen 2005 und 2023 statistisch durch staatliche Unterstützung erklären. Dazu zählen neben direkten Subventionen unter anderem Steuervergünstigungen und staatlich beeinflusste Finanzierungen zu günstigen Konditionen.
Zusätzlichen Druck könnte die Handelspolitik der USA erzeugen. Erschweren Zölle und andere Handelsbeschränkungen den Absatz chinesischer Waren dort, könnten chinesische Hersteller einen größeren Teil ihrer Überkapazitäten nach Europa lenken. Für europäische Produzenten würde sich der Preis- und Wettbewerbsdruck dadurch weiter erhöhen.
Die jüngsten deutschen Außenhandelszahlen passen nach Ansicht von Apano in dieses Bild. Von Januar bis Mai 2026 importierte Deutschland Waren im Wert von 72,4 Milliarden Euro aus China, 6,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die deutschen Exporte nach China gingen dagegen um 14,5 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro zurück. Daraus ergibt sich ein Handelsdefizit von 42,8 Milliarden Euro.
Investment Case entscheidet
Für Anleger warnt Sievers allerdings vor pauschalen Schlüssen. "Der Wettbewerbsdruck aus China ist nicht automatisch ein Grund, deutsche oder europäische Industrieunternehmen zu meiden. Entscheidend ist, wie gut ein Unternehmen darauf reagieren kann." Entscheidend seien unter anderem Internationalisierung, Automatisierung oder effizientere Kostenstrukturen gegensteuern könnten.
Kritischer sieht Sievers dagegen Unternehmen, die stark von teuren Produktionsstandorten abhängig sind und gleichzeitig in Bereichen konkurrieren, in denen chinesische Anbieter technologisch und preislich aufholen. Chancen sieht der Fondsmanager auch in China selbst. "Wenn chinesische Unternehmen bei Elektromobilität, Batterietechnik oder anderen Zukunftstechnologien nachhaltig Marktanteile gewinnen, sollten Investoren prüfen, wie sie daran partizipieren können. Entscheidend ist die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und nicht der Sitz eines Unternehmens." (dv)

