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Carmignac: US-Wachstum wird immer mehr eine Wette auf KI

Für das zweite Halbjahr 2026 sieht Carmignac deutlich zunehmende Inflationsrisiken. Die Weltwirtschaft sei weiter widerstandsfähig, basiere jedoch zunehmend auf dem KI-Investitionsboom als Wachstumstreiber.

Chefökonom Raphaël Gallardo sieht für das zweite Halbjahr 2026 zunehmende Inflationsrisiken. 
Chefökonom Raphaël Gallardo sieht für das zweite Halbjahr 2026 zunehmende Inflationsrisiken. © Jean-Charles Caslot / Carmignac

Eckpunkte:

  • Nahost-Konflikt reduziert globales Wachstum um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte
  • KI bleibt der entscheidende Wachstumstreiber für US-Wachstum
  • Risiko höherer Inflation und höherer Realzinsen
  • China auf dem Weg zur „Japanisierung“

Unter dem Titel: „KI-Träume. Harte Realität“ hatte Carmignac zu seinem virtuellen Ausblick für das zweite Halbjahr geladen: In ihrem Kapitalmarktausblick zeichnet der Asset Manager das Bild einer weiterhin widerstandsfähigen Weltwirtschaft, die zunehmend auf dem KI-Investitionsboom als einzigem Wachstumstreiber basiert, während geopolitische Risiken und Inflationsrisiken deutlich zunehmen. So reduziere der Nahost-Konflikt das globale Wachstum um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte.

US-Konsum wächst nur moderat
Auf die USA bezogen sei das Wachstum dort zu fast 90 Prozent eine Wette auf KI, so Carmignac-Chefökonom Raphaël Gallardo bei der Online-Pressekonferenz zum Kapitalmarktausblick. Dies zeige sich, wenn man die IT-bezogenen Investitionen mit ihrem Beitrag zum US-Wachstum anderen nicht IT-bezogenen Sektoren gegenüberstelle. Der Boom bei den Investitionsausgaben verstärke zugleich den Inflationsdruck im Warensektor. Die Verbraucher litten unter dem Realeinkommensschock, dürften aber von einem leichteren Zugang zu Krediten (Deregulierung) und einem stabilisierten Arbeitsmarkt profitieren. So wachse der US-Konsum nur noch moderat: Die Sparquote befinde sich etwa auf dem selben Niveau wie 2007 und werde zunehmend durch steigende Aktienkurse (Vermögenseffekt) getragen. Die KI-bezogenen Investitionen verdrängten zudem Investitionen im Wohnungsbau und in Nicht-Tech-Sektoren. Die US-Wirtschaft werde durch den KI-Trend zwar gestützt, aber auch abhängiger von einer einzigen Branche.

Zinserwartungen zu optimistisch
Was die Inflationsentwicklung angeht, sehen die Kapitalmarktexperten bei die Gefahr einer erneuten Beschleunigung der Inflation durch eine Kombination aus höheren Energiepreisen, geopolitischen Spannungen, KI-getriebenen Investitionen und hohen Staatsdefiziten. Carmignac hält die derzeitigen Markterwartungen für Zinssenkungen für zu optimistisch. So könne die US-Notenbank länger restriktiv bleiben. Auch weitere Zinserhöhungen seien möglich.

In Europa hielten steigende Energiepreise und hohe Inflationserwartungen der Verbraucher die EZB auf ihrem Kurs der Zinserhöhungen. Der Nahostkonflikt sei nach wie vor eine unterschätzte Quelle für Inflationsrisiken. Daher rechnet Carmignac mit für längere Zeit höheren Anleiherenditen.

China: stagnierender Konsum
Zudem stehe Chinas Wirtschaft vor einer „Japanisierung“. Anders als in den USA könne der Aufschwung bei den Technologieaktien die deflationären Auswirkungen des anhaltenden Rückgangs im Immobiliensektor nicht ausgleichen. Während die Außenwirtschaft durch hohe Exportsubventionen charakterisiert sei, stagniere im Binnenmarkt in der Folge der Konsum. (de)

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