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Capital Group: Wie stark beeinflusst Populismus die Börsen?

Der Fondsriese aus den USA geht der Frage nach, in wie weit Wahlergebnisse einen nachhaltigen Einfluss auf die Aktienmärkte haben und welche Schlüsse Investoren daraus ziehen können.

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Donald Trump hat seine Popularität genutzt, um US-Präsident zu werden.
 
© Bloomberg

"Politische Börsen haben kurze Beine", ist ein vielzitiertes Bonmot unter Börsianern. Das gilt auch heute noch, meint die Capital Group in einem aktuellen Kommentar. Denn als die Briten vor einem Jahr für den EU-Austritt stimmten, schienen populistische Kräfte überall auf dem Vormarsch zu sein. Auch nach dem Nein-Votum blieben sie nicht ohne Einfluss auf die Politik. Aber welche Konsequenzen haben derartige politische Strömungen für Märkte und Investoren? Ein Jahr nach dem Brexit-Referendum erlärt Talha Khan, Political Economist bei Capital Group: „Der Populismus beeinflusst die Börsen meist nur kurzfristig.“ Wichtiger für die Finanzmärkte seien hingegen Konjunktur und Geldpolitik. Außerdem böten sich gerade in unsicheren Zeiten auch immer Investmentchancen für Research-orientierte Anleger.

Das Volk will die abgehobenen "Eliten" in die Wüste schicken
Während man nach der Austrittsentscheidung der Briten Dominoeffekte auch in weiteren EU-Ländern befürchtet hatte, haben die populistischen Parteien in den letzten Monaten meist wesentlich schlechter abgeschnitten als zunächst erwartet worden war. „Die Gründe für den Aufstieg des Populismus bestehen jedoch fort und die Zustimmung zur Europäischen Union hat seit der internationalen Finanzkrise 2008 nachgelassen. Die Zustimmung zum Euro bleibt aber stabil“, sagt Khan.

EU gehört reformiert, nicht abgeschafft
Hinzu komme, dass den nationalen Regierungen noch weniger vertraut werde als der Union. „So unzufrieden viele Europäer mit der EU sein mögen, so wenig wollen sie sie – jetzt schon – abschaffen. Aber sie wollen, dass sich etwas ändert – wirtschaftlich wie politisch. Und sie sind dafür durchaus zu einer Protestwahl bereit. Doch den Umfragen zufolge wollen die meisten noch immer lieber in der EU leben als außerhalb, und im Euroraum.“

Es sei extrem schwierig, Faktoren zu prognostizieren, die zum Zerfall einer Währungsunion führen könnten. Meist sei es so weit, wenn ihre Kernländer nicht mehr wollen. Daher solle man vor allem auf Deutschland, Frankreich und Italien achten.

Langfristig zählen nur die Fundamentaldaten
Politische Unsicherheit und Entwicklungen wie diese führen oft zu Kurseinbrüchen, wenn sie unerwartet kommen. Aber sie haben laut Khan nur selten längerfristige Auswirkungen. Konjunktur und Geldpolitik seien für die Finanzmärkte meist von größerer Bedeutung. Zudem seien politische Entwicklungen schwer zu prognostizieren – genau wie die Reaktion der Märkte: Vor der US-Präsidentschaftswahl schienen Investoren einen Sieg Donald Trumps zu fürchten, aber nach der Wahl legten die Kurse kräftig zu. „Trotz der derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit sind Aktien nicht sehr volatil, und die europäischen Indizes liegen nur knapp unter ihren Allzeithochs. Wir sind uns der Risiken bewusst und versuchen, mit ihnen umzugehen. Wir glauben aber auch, dass es sich meist lohnt, Kurs zu halten. Deshalb investieren wir weiterhin langfristig“, erklärt Khan.

Daher sei es sinnvoll, bei der Portfoliozusammensetzung auf Aktien von bewährten Qualitätsunternehmen zu setzen. „Wir glauben, dass solche Unternehmen unabhängig von der Marktentwicklung rentabel bleiben“, erklärt Khan abschließend. (aa)

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