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Capital Group analysiert, ob die "FAAMGs" weiterwachsen können

Die immer höheren Kurse, Bewertungen und die damit einhergehende stärkere Indexgewichtung der FAAMGs, zu denen Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet gehören, wird vielen Anlegern unheimlich. Denn diese befürchten Kursverluste wie beim Platzen der TMT-Blase im Jahr 2000.

Philip Rae, Capital Group
Philip Rae, Capital Group
© Capital Group

Philip Rae, Investmentexperte bei Capital Group, beschäftigt sich in einer aktuellen Markteinschätzung mit der von vielen Anlegern gestellten Frage, ob die bekannten Technologiegiganten noch weiteres Wachstumspotenzial besitzen oder ob die Entwicklung an ihre Grenzen stößt.

S&P 500-Spitze wird immer technologielastiger
„Über die Zusammensetzung des S&P 500 wurde in letzter Zeit viel diskutiert“ erinnert Rae. Grund dafür sei, dass die Konzentration an der Spitze des Index so dicht wie zuletzt vor 30 Jahren ist. Zurückzuführen sei dies auf die stark wachsenden, marktführenden Internet- und Technologiekonzerne wie Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet, die von unter dem Kürzel "FAAMG" subsummiert werden.

Zwar gäbe es das moderne Internet bereits seit den 90er-Jahren – die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hätte jedoch insbesondere in den vergangenen zehn Jahren aufgrund des technischen Fortschrittes exponentiell zugenommen. Dabei habe die Corona-Pandemie das Wachstum zuletzt noch weiter angekurbelt. Viele traditionelle Geschäftsmodelle und Branchenstandards seien durch die steigende Verbreitung digitaler Technologien und Dienstleistungen in den Hintergrund gerückt. Die FAAMGs haben diese Veränderungen erfolgreich genutzt. Rae: „Sie dominieren daher heute die US-Anlagen.“ Gemessen an der Marktkapitalisierung waren die fünf FAAMG-Unternehmen Ende Mai dieses Jahres die größten Werte im S&P 500.  

Angst vor einer Blase, die platzt
Die Bewertung der FAAMGs verunsichere dem Capital Group-Experten zufolge jedoch einige Anleger. Sie befürchteten, dass sich aufgrund der hohen Anlageerträge eine neue Technologieblase bilden könne. „Anders als bei der Dotcom-Blase beruht der schnelle Anstieg der FAAMGs allerdings auf einem starken fundamentalen Wachstum, das sich aus steigenden Umsätzen, hohen Margen, stabilen Cashflows und immer höheren Gewinnen zusammensetzt“, sagt Rae. „Das Gewinnwachstum entspricht bei allen fünf Unternehmen dem Anstieg ihrer Aktienkurse.“ Trotzdem seien die Bewertungen wichtig für die Erträge.

Ambitionierte Bewertung, aber noch nicht extrem überteuert
Auf Grundlage der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne betrage das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 ca. 22. Die FAAMGs hingegen hätten deutlich höhere KGVs: das von Facebook liege bei 27, das von Amazon bei 105, das von Apple bei 26, das von Microsoft bei 33 und das von Alphabet bei 31.

„Tatsächlich erscheinen die KGVs teuer, allerdings muss auch das mögliche künftige Wachstum der Cashflows, die Möglichkeit der Wiederanlage zu attraktiven Renditen und das Potenzial der Monetarisierung neuer und bereits existierender Produkte und Dienstleistungen berücksichtigt werden“, kommentiert Rae. „Bei großen Technologiekonzernen sollten Investoren die hohen KGVs also nicht als Problem ansehen, da sie das passende Wachstumspotenzial besitzen.“  

Wachstumstory rechtfertig hohe Kurse
Wichtig bei der Betrachtung der FAAMGs sei jedoch, dass sie keine homogene Gruppe seien – vielmehr hätten sie unterschiedliche Stärken, Risiken, Eigenschaften und Wachstumsquellen.

So profitiere Facebook beispielsweise von der weltweiten Verschiebung der Werbeaktivitäten ins Internet. Zudem könnte die kürzliche Einführung von Facebook Shops sowie einer eigenen Zahlungsplattform für neues starkes Wachstum sorgen.

Alphabet hingegen besäße neben seiner hohen Suchmaschinenkompetenz, seinem stabilen Kerngeschäft mit Google Search und den dort geschalteten Anzeigen mit Google Cloud eine Chance zur Diversifizierung. Der Umsatz von Google Cloud ist im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent gestiegen.

Nichtsdestotrotz könnten überdurchschnittliche Bewertungen auch zurückgehen. Risiken seien mögliche strengere Regulierungen, veränderte Steuergesetzte und das allgemeine Konjunkturumfeld. Auf temporäre Schwankungen seien sie jedoch vorbereitet.

„Die FAAMGs besitzen solide Bilanzen und Liquiditätsreserven, die sie regelmäßig investieren, um ihre Wettbewerbsposition zu sichern. Deshalb können sie auch kurze oder mittlere Phasen mit einer schwachen Weltkonjunktur überstehen“, sagt Rae.

Hinzu komme, dass sie in Märkten mit hohen Eintrittsbarrieren tätig seien, gute langfristige Wachstumsaussichten hätten und neue sowie bestehende Leistungen monetarisieren könnten. Das wiederum könne ihren Aktienkurs und folglich ihren Marktwert stützen. Rae schlussfolgert: „Ja, ich gehe davon aus, dass die großen Technologiekonzerne zukünftig noch größer werden.“  (aa)

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