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Cannabis-Anerkennung schafft Wachstumsmöglichkeiten für Lateinamerika

Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF, sieht in der rasch voranschreitenden Liberalisierung des Cannabismarktes in Europa und vor allem in der Erschließung des medizinischen Marktes in Deutschland vielversprechende Möglichkeiten für Investoren, aber auch für die lateinamerikanischen Produzenten.

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Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF
© Rize ETF

Wie mehrere, maßgebliche Entwicklungen der letzten Jahre zeigen – sei es die Erlaubnis des deutschen Bundestages im Jahr 2017 zur Nutzung von Marihuana aus kontrolliertem Anbau zu medizinischen Zwecken, die richtungsweisende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes in November 2020, CBD nicht als Suchtmittel einzustufen, oder der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten der nach Ansicht vieler Beobachter die Cannabis-Legalisierung in den USA beschleunigen könnte – findet das vielfältig nutzbringende Potential der Cannabispflanze in zunehmenden Maße Anerkennung durch Entscheidungsträger aus den Reihen von Politik und Justiz. 

Cannabis erfährt in vielen Regionen einen umfassenden Bewusstseinswandel
Das stellt Bhushan mit Überzeugung fest. „Das zeigt sich nicht nur an dem wachsenden Vertrauen der Medizin in die Verwendung der Pflanze, zum Beispiel bei der Behandlung von Epilepsie, Angstzuständen oder chronischen Schmerzen, sondern wird auch bei Betrachtung der stark steigenden Einfuhren von Cannabis nach Deutschland deutlich.“ Und tatsächlich: nach Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und des auf Cannabis spezialisierten Analyseunternehmens New Frontier Data wuchs die Menge des in Deutschland importierten, medizinischen Cannabis in den letzten vier Jahren rasant: von 1,2 Tonnen im Jahr 2017 auf 9,23 Tonnen im Jahr 2020. Ein Gramm medizinisches Cannabis hat dabei einen marktüblichen Preis von vier bis sieben Euro, so die Schätzung von New Frontier Data. 

Enormes Potential im Gesundheitsmarkt
„Mit der zunehmenden Unterstützung von Cannabis durch die Gesetzgeber geht auch ein enormes und wachsendes Potential zur medizinischen Nutzung einher“, so Bhushan weiter. Die gesetzliche Liberalisierung und zunehmende medizinische Nutzung von Cannabis in Deutschland bringe nicht nur Vorbildwirkung für andere europäische Staaten mit sich, sie gehe auch mit der Erschließung eines großen Gesundheitsmarktes einher: wie Daten von New Frontier Data zeigen, wurden alleine von Januar bis September 2020 von Ärzten der Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland 241.000 Rezepte mit Medizinprodukten auf Cannabisbasis mit einem Wert von insgesamt 111 Millionen Euro ausgestellt – darunter reines Cannabis im Wert von 54 Millionen Euro. Ist der Markt für medizinisches Cannabis einmal vollständig etabliert, wächst das Nutzungspotenzial weiter: „Ungefähr 22 Millionen Menschen mit chronischen Erkrankungen in Deutschland und über 100 Millionen in ganz Westeuropa könnten auf die eine oder andere Weise von der Behandlung mit Cannabis profitieren“, rechnet Bhushan auf Basis von Zahlen von New Frontier Data vor. Voraussetzung dafür sei die gesellschaftliche Akzeptanz der Nutzung der Hanfpflanze sowie die notwendige gesetzliche Basis in Europa und den Produktionsländern.

Europa als Wachstumsmotor für lateinamerikanische Produzenten
„Mit dem wachsenden europäischen Markt für Cannabis ergeben sich auch langfristige Wachstumsmöglichkeiten für die Produzenten, darunter auch in Lateinamerika ansässige Unternehmen“, erklärt Rahul Bhushan. Sowohl die in der Region vorliegenden niedrigen Produktionskosten als auch die idealen klimatischen Bedingungen könnten die Produktion von Cannabis und den steigenden europäischen Bedarf zum Wachstumsmotor in Lateinamerika machen. „Hervorzuheben ist dabei Uruguay, das von 2019 bis 2020 allein über vier Tonnen Cannabis verkaufte und in Länder wie Deutschland und die Schweiz exportierte. Ebenso erwähnenswert ist Kolumbien, dessen Potenzial als Herstellerland allerdings noch durch regulatorische Hürden gebremst wird.“

Kolumbien auf den Spuren Uruguays
Denn trotz intensiver Bemühungen von Vertretern der kolumbianischen Cannabisbranche, eine Reform der geltenden Lizensierungs- und Registrierungsverfahren zu veranlassen, wird die Produktion und Zulassung von Cannabis von Verzögerungen erschwert und behindert. Dazu kämen noch die Zugangsvoraussetzungen des europäischen Marktes. Kolumbianische Produzenten stünden daher vor der Herausforderung, bestehenden Handelshindernissen zum Trotz den attraktiven Exportmarkt Europa weiter zu erschließen – eine Aufgabe, die „nicht leicht ist, die sich aber – dank Uruguay – als möglich erwiesen hat“, so Bhushan. (kb)

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