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Candriam: Klimawandel ist Herausforderung und Chance zugleich

Der europäische Assetmanager Candriam legt dar, wie sich Investoren aktiv an der Bekämpfung des Klimawandels beteiligen können. Elisa Vergine, Senior ESG-Analystin und Koen Popleu, Senior Fondsmanager, analysieren, welche Chancen sich dabei bereits jetzt für Anleger bieten.

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Elisa Vergine, Senior ESG-Analystin bei Candriam
© Candriam

2013 schätzte die Unternehmensberatung McKinsey, zur Abwendung des Klimawandels würden bis 2020 pro Jahr 530 Milliarden Euro an Investitionen benötigt. Im Oktober 2019 zitierte "Forbes" den Bericht eines großen Broker-Hauses, wonach 50 Billionen US-Dollar in fünf Technologiebereichen bis 2050 erforderlich sein werden – etwa das Dreifache der von McKinsey vor sieben Jahren geschätzten Investitionen pro Jahr. Konsensmeinung ist nicht nur, dass der Betrag der erforderlichen Investitionen, um die Herausforderungen des Klimawandels anzugehen, hoch ist, sondern auch, dass die in Zukunft notwendigen Investitionen umso höher sein müssen, je länger sie aufgeschoben werden. „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, so die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten im November 2015 in einer gemeinsamen Erklärung.

Für Investoren ist der Klimawandel aber möglicherweise auch eine der größten Chancen unserer Zeit. Bei den Maßnahmen im Zusammenhang damit lassen sich hauptsächlich zwei Arten unterscheiden – diejenigen zur Abschwächung des potenziellen zukünftigen Klimawandels und diejenigen zur Anpassung an bereits entstandene Probleme des Klimawandels. Zwischen der jeweiligen Größe dieser Märkte besteht eine Wechselbeziehung. Je mehr die Regierungen von Staaten ihre Gesetze und Investitionen zur Abschwächung des Klimawandels hinauszögern, desto stärker steigen die Ausgaben für die Anpassung an den Klimawandel und desto schneller entwickelt sich dieser Markt.

Den Klimawandel abschwächen …
Beim Thema Abschwächung des Klimawandels fallen sofort Unternehmen aus einer Reihe von Bereichen ins Auge: Emissionsreduzierungen durch Solarkraftund andere erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge sowie Verbesserungen bei Massenverkehrsmitteln. Neue Technologien, wie neuartige Batterietechnologien und andere Formen der Solar-, Wind- und Turbostromspeicherung für die Verwendung auch dann, wenn die Sonne nicht scheint. Landwirtschaftliche Methoden, die weniger Wasser verbrauchen und weniger Treibhausgase ausstoßen oder etwa umweltfreundlichere Gebäude. Einige Unternehmen erbringen Dienstleistungen; beispielsweise die Erfassung von Daten über Verkehrsströme in Städten und deren Änderung, damit es zu weniger Verkehrsstaus kommt; dabei wird der Ausstoß von Treibhausgasen verringert.  

… oder sich anpassen
Die zweite ganz große Kategorie der Chancen für Anleger ist die Anpassung an den Klimawandel. Nach Angaben der Versicherungsgesellschaft Münchener Rück hat sich die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen im Zeitraum von 1990 bis 2018 verdoppelt. Die Anpassung findet bereits statt. Mehr Wärmedämmung und umweltfreundliche Gewächsdächer in Gegenden, wo die Temperaturen weniger angenehm sind, als sie es zuvor waren. Baugesetzliche Vorschriften, die mehr Energieeffizienz für Wohngebäude und Büros verlangen, und sogar Rückbesinnung auf ganz einfache Lösungen wie Fensterläden. Im Saatgutbereich tätige Unternehmen entwickeln neue Stämme dürrebeständiger Nutzpflanzen für Länder, die unter Wassermangel leiden. Wegen zunehmender Hochwasserrisiken errichten Städte wie beispielsweise Kopenhagen und Tokio Hochwasserschutzanlagen, die Wasser wie ein Schwamm aufnehmen oder auf andere Weise vor Überflutungen schützen, oder sie bauen Stadien auf Pfählen. Die Kosten dafür können durch öffentliche Gelder getragen werden; entwickelt und errichtet wird diese Infrastruktur aber oft von Unternehmen.

Was passiert bei einer chaotischen Energiewende?
Bei einer chaotischen Energiewende würde mehr für die Anpassung an den Klimawandel ausgegeben werden und das schneller. Möglich wären zusätzliche negative Auswirkungen auf Entwicklungsländer, durch Ernteausfälle und Probleme bei der Wasserversorgung. In wohlhabenderen Ländern könnte von Haus- und Grundstückseigentümern erwartet werden, dass sie mehr in den Hochwasserschutz investieren, Umbauarbeiten mit besseren Baustoffen vornehmen, Klimaanlagen oder Wärmedämmungen installieren, bei zu teurem Wasser ihre Landschaftsgestaltung ändern oder dass sie Agrarflächen, die zuvor mit Wasser aus natürlichen Quellen versorgt wurden, mit Bewässerungsanlagen ausstatten.

Anlagechancen heute: Stromerzeugung, Mobilität, Bauindustrie
Es stimmt, dass die Staaten noch nicht so weit sind, wie sie dem IPCC (Weltklimarat) zufolge eigentlich sein müssten. Es stimmt, dass die größten Beträge, die genannt werden, anscheinend immer die Jahre 2030, 2040 oder 2050 betreffen. Und dennoch ist die Größe des Marktes von heute schon beträchtlich. In einem Szenario zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels würden mehr als 40 Prozent der Treibhausgasverringerungen durch Verbesserungen bei der Stromerzeugung erreicht werden, 20 Prozent durch Verbesserungen beim Verkehr und 10 Prozent durch Emissionsreduzierung bei Gebäuden.

Schon heute kommt die weltweite Stromerzeugung zu 26 Prozent aus erneuerbaren Energien. Dieser Wert wird in fünf Jahren voraussichtlich um 1.200 Gigawatt oder 50 Prozent ansteigen, was der gesamten Stromkapazität der USA im Jahr 2018 entspricht. Das ist ein deutliches Wachstum auf einem schon jetzt sehr großen Markt. Es ist gleichbedeutend mit einer großen Menge an Solarmodulen, Windturbinen, Konstruktions- und Projekthonoraren ... und Anlagechancen. 

Schon heute sind weltweit schätzungsweise 5,2 Millionen Elektrofahrzeuge in Betrieb, Stand Ende 2018, und Prognosen zufolge wird die jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth) in den nächsten zehn Jahren fast 20 Prozent betragen. Im Vereinigten Königreich beispielsweise sind die Verkäufe von Elektro- und Hybridfahrzeugen, die zirka sieben Prozent des Marktes ausmachen, in den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 um 28 Prozent gestiegen. Zwar ist der Weg wohl noch sehr weit, bis die Umweltziele erreicht werden. Der Markt für diese Fahrzeuge hat sich aber herausgebildet und wächst.

Schon heute werden neue baugesetzliche Vorschriften erlassen. Neubauten müssen von jetzt an neuen Anforderungen gerecht werden. Ab 2020 verlangen EU-Vorschriften von neuen Gebäuden, „Niedrigstenergie-Gebäude“ zu sein. Im Vereinigten Königreich werden derzeit neue baugesetzliche Vorschriften eingebracht. Einige von ihnen werden für Ende 2020 erwartet, also in zwölf Monaten. 

EIB finanziert künftig keine Projekte für fossile Brennstoffe mehr
Schon heute nimmt die Unterstützung der Finanzmärkte für Unternehmen mit Kohlenstoffemissionen ab. Die Europäische Investitionsbank, EIB, gab im November 2019 bekannt, Projekte für fossile Brennstoffe in Zukunft nicht mehr zu finanzieren. Dadurch zog sie jährlich 2,2 Milliarden US-Dollar an Finanzmitteln für diese Projekte ab. Wie schon oft in der Geschichte werden ältere Technologien durch neuere ersetzt. Die Zukunft beginnt jetzt. Investitionen mit Bezug zum Klimawandel können eine einzigartige Anlagechance bieten. (kb)
 

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