Cambridge Associates: Goldpreis mit Spielraum nach unten
Derzeit spricht wenig für eine nachhaltige Bodenbildung beim Goldpreis. Höhere Realzinsen, nachlassende Nachfrageimpulse und Kapitalabflüsse aus Gold-ETFs könnten den Preis weiter belasten, meint Sean Duffin von Cambridge Associates.

Eckpunkte:
- Nachhaltige Bodenbildung beim Goldpreis von rund 4.000 US-Dollar noch nicht erreicht
- Verschiedene Belastungsfaktoren, darunter höhere Realszinsen
- Historie: Mehrere Kursrücksetzer von mehr als 40 Prozent in 50 Jahren
Eine nachhaltige Bodenbildung beim Goldpreis dürfte noch nicht erreicht sein, glaubt Sean Duffin, Senior Investment Director im Capital Markets Research Team von Cambridge Associates. Seit seinem Höchststand hat Gold rund 25 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit um die 4.000 US-Dollar je Feinunze. „Dennoch spricht derzeit wenig für eine nachhaltige Bodenbildung. Höhere Realzinsen, nachlassende Nachfrageimpulse und Kapitalabflüsse aus Gold-ETFs könnten den Preis weiter belasten“, glaubt der Experte.
Aussicht auf längerfristig höhere Zinsen
Zur Untermauerung seiner These nennt Duffin einige Aspekte: Zum einen belasteten höhere Realzinsen den Goldpreis: Steigende Ölpreise und Inflationserwartungen hätten die Aussicht auf länger erhöhte Zinsen verstärkt. Da Gold keine laufenden Erträge generiert, verliere es in einem solchen Umfeld an Attraktivität, so Duffin.
Zentralbanken als stabile Käufer
Daneben brächten die Zentralbanken keinen zusätzlichen Schub: „Ihre Goldkäufe liegen zwar weiterhin deutlich über dem Niveau von vor 2022, haben sich zuletzt jedoch weitgehend stabilisiert. Damit bleiben sie zwar eine Stütze, dürften den Goldpreis aber kaum zusätzlich nach oben treiben“, erwartet Duffin.
Kräftige Abflüsse aus Gold-ETFs
Außerdem drehe sich die spekulative Dynamik: „Nach Rekordzuflüssen von rund 89 Milliarden US-Dollar in globale Gold-ETFs im Jahr 2025 sind seit dem Preishoch im Januar mehr als zehn Milliarden US-Dollar abgeflossen“, so Duffin. Ein Teil des Kapitals könnte in andere Momentum-Themen wie künstliche Intelligenz und Halbleiter gewandert sein, schätzt der Experte.
Der Rückgang sei zudem historisch nicht außergewöhnlich: In den vergangenen 50 Jahren habe Gold mehrfach Kursverluste von mehr als 40 Prozent verzeichnet. „Trotz des jüngsten Ausverkaufs liegt der Preis noch immer rund 23 Prozent über dem Vorjahresniveau und erscheint daher nicht besonders überverkauft.“
Bezüglich Zukäufen Vorsicht walten lassen
Aus Sicht von Sean Duffin braucht eine Trendwende klarere Signale. „Voraussetzung für eine positivere Einschätzung wären niedrigere Realzinsen, wieder steigende Anlegerzuflüsse und eine Stabilisierung der Preisdynamik“, glaubt er. Für bereits investierte Anleger könne Gold weiterhin zur Diversifizierung beitragen, insbesondere bei einem hohen Engagement in US-Dollar und Verbindlichkeiten in anderen Währungen. Bei neuen Allokationen sei jedoch weiterhin Vorsicht angebracht. (de)


