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Buy British: Großbritannien ist wieder attraktiv für Investoren

Die Unsicherheit, wann und unter welchen Bedingungen Großbritannien aus der EU austritt, hat seit dem Referendum 2016 die Anleger in einen wahren Käuferstreik versetzt. Das Ende der Unsicherheit kompensiert nun die negativen Brexit-Effekte, findet Dr. Adolf Rosenstock von MainSky Asset Management.

Dr. Adolf Rosenstock, MainSky Asset Management
Dr. Adolf Rosenstock ist volkswirtschaftlicher Berater und Aufsichtsratsvorsitzender von MainSky.
© MainSky Asset Management

Das Risiko eines No-Deal-Brexits sorgte für eine massive Untergewichtung britischer Aktien in den internationalen Portfolios. Bestätigt fühlten sich die Investoren dann spätestens mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, die im Vereinigten Königreich früher als in vielen anderen Ländern zu einer sehr hohen Inzidenz und einer überdurchschnittlichen Zahl an Todesfällen führte. Jetzt aber hat sich das Blatt in mehrfacher Hinsicht gewendet und britische Finanzanlagen erscheinen relativ preiswert und mit gutem Performance-Potential.

Was spricht jetzt für „Buy British“?
Das dann doch noch in allerletzter Sekunde ausgehandelte Abkommen zwischen UK und der Europäischen Union regelt den gegenseitigen Marktzugang für Güter. Jetzt gibt es wieder Zollschranken und unzählige nicht-tarifäre Importbeschränkungen. Bezüglich der mindestens genauso wichtigen Dienstleistungen wurde noch nichts vereinbart. Möglicherweise wird es hier neue bilaterale Abkommen geben, die insbesondere Finanzdienstleistungen regeln werden. Insgesamt dürfte die britische Wirtschaft hiervon stärker geschwächt werden als die der EU. 
 
Die Unsicherheit ist raus
Bei allen negativen Folgen aber dürfte für die Zukunft des britischen Finanzmarktes die Tatsache viel entscheidender sein, dass mit dem Brexit-Deal die jahrelange Unsicherheit über das Wie und Wann des Austritts aus dem Markt verschwunden ist und es Großbritannien nun auch selbst in der Hand hat, unter welchen Bedingungen es mit Ländern außerhalb der EU  Handel betreiben will. Auf lange Sicht könnte der Brexit damit zu stärkeren Beziehungen zu globalen Handelspartnern wie China, Indien oder den USA führen. 

Besseres Impf-Management
Zudem managt die britische Regierung die Corona-Krise seit der Zulassung von Impfstoffen besser als die EU. Sie hat nicht nur rechtlich bessere Verträge mit den Pharmafirmen ausgehandelt, sondern auch frühzeitig mehr Impfdosen pro Kopf bestellt. Bis jetzt wurde im Vereinigten Königreich bereits ein knappes Viertel der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, während die EU noch nicht einmal fünf Prozent erreicht hat. Großbritannien sollte deshalb wesentlich schneller den Status der Herdenimmunität erreichen und so auch schneller zu einem wieder halbwegs normalen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturleben zurückkehren als viele andere Länder. 

Günstige Aktienbewertung
"Auch deshalb gehen wir davon aus, dass Großbritannien schon in den kommenden Monaten einen kräftigen zyklischen Aufschwung erleben wird – und damit wichtige Monate früher als die Europäische Union. Es ist deshalb auch wenig überraschend, dass sich in den vergangenen Monaten nicht nur der Kurs des Pfunds erholt hat, sondern dass auch der britische Aktienmarkt seine lange Phase der Underperformance zunächst beendet hat. Hierbei profitiert die Londoner Börse auch von den Listings prominenter Energie- und Bergbauunternehmen", sagt Dr. Adolf Rosenstock von MainSky Asset Management. Trotz dieser jüngsten Erholung sei der britische Aktienmarkt immer noch moderat bewertet. Mit einem Forward PE von derzeit 13,5 ist er beispielsweise gegenüber Deutschland mit 15,7 oder den USA mit 22,4 relativ günstig.  

Britische Anleihen wieder gefragt
Zudem rücke mit dem anziehenden Außenwert des Pfunds und steigenden Renditen nun auch der britische Anleihemarkt wieder ins Visier der Anleger, so Rosenstock weiter." Alles in allem war und ist der Brexit ein deutlicher Einschnitt in den Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU, die damit auch ein fester Bestandteil in den zukünftigen Investitionsentscheidungen bleiben werden. Für zukünftige Markttrends ist es aber zunächst einmal wichtiger, dass man bis zum Ende des vergangenen Jahres mit einem noch schlechteren Ergebnis der Verhandlungen hatte rechnen müssen und der neue Modus nun Klarheit schafft, wo vorher große Unsicherheit herrschte." (kb)

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