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Bundesbank-Chef zu Juni-Zinsentscheid: EZB muss womöglich "etwas tun"

Der Nahost-Konflikt könnte nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel neue Inflationsrisiken für den Euroraum auslösen. Die EZB müsse daher womöglich reagieren.

Joachim Nagel, Deutsche Bundesbank: "Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir überall mehr Inflation sehen werden. Das müssen wir berücksichtigen, und das werden wir bei unserer nächsten Sitzung tun."
Joachim Nagel, Deutsche Bundesbank: "Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir überall mehr Inflation sehen werden. Das müssen wir berücksichtigen, und das werden wir bei unserer nächsten Sitzung tun."© Alex Kraus / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Joachim Nagel erachtet als "Falke" einen Zinsschritt nach oben als opportun
  • Das liegt an den höheren Energiepreisen und den daraus folgenden höheren Inflationsraten

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss nach Einschätzung von Ratsmitglied Joachim Nagel womöglich auf die wirtschaftlichen Herausforderungen reagieren, die sich aus dem Konflikt im Nahen Osten ergeben.

"Dieser Energieangebotsschock ist anhaltender, daher entfernen wir uns von unserem Basisszenario", sagte der Bundesbank-Präsident am Dienstag (19.5.) gegenüber "Bloomberg TV". "Das bedeutet, dass wir vielleicht etwas tun müssen."

Inflationsrisiken nehmen zu
Auf die Frage, ob dies eine Zinserhöhung bei der geldpolitischen Sitzung im Juni bedeuten könnte, sagte Nagel, er und seine Kollegen würden auf Grundlage der Daten entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Preisdruck ausweite, nehme jedoch zu. "Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir überall mehr Inflation sehen werden", sagte er. "Das müssen wir berücksichtigen, und das werden wir bei unserer nächsten Sitzung tun."

Die EZB hat signalisiert, dass sie Zinserhöhungen in Betracht ziehen wird, da der kriegsbedingte Anstieg der Energiekosten die Inflation weiter über ihr Ziel von zwei Prozent treibt. Einige Währungshüter mahnen jedoch zur Vorsicht, da teureres Öl und Gas die Konjunktur belasten und damit das Risiko von Zweitrundeneffekten verringern.

Märkte rechnen mit weiteren Zinsschritten
Der Markt und die meisten Ökonomen rechnen im kommenden Monat mit einer Anhebung um einen Viertelpunkt. Händler preisen für 2026 sogar insgesamt etwa drei Schritte ein. Der Einlagensatz liegt derzeit bei zwei Prozent und damit auf einem Niveau, das weithin als weder wachstumshemmend noch wachstumsfördernd gilt.

Die Entscheidung der EZB wird zusätzlich durch den jüngsten Ausverkauf am Anleihemarkt erschwert, der durch Inflationssorgen der Anleger ausgelöst wurde. Die Marktbewegungen haben zwar zu einer deutlichen Straffung der Finanzierungsbedingungen geführt, zugleich aber auch die bestehenden Preisrisiken offengelegt. (mb/Bloomberg)

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