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Bridgewater-Gründer Ray Dalios differenzierte Sicht auf Bitcoin & Co.

In einem LinkedIn-Beitrag mit dem Titel "What I Really Think of Bitcoin" spricht die Hedgefondslegende Ray Dalio klare Worte. In der Vergangenheit wurde er von Bitcoin-Gegnern genauso wie von Bitcoin-Befürwortern instrumentalisiert. Davon hat er jetzt offensichtlich genug.

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Bridgewater Associates-Gründer Ray Dalio setzt sich ausfühlich mit Pros und Cons zu Bitcoin auseinander.
© Bloomberg

In seinem Kommentar betont Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, gleich eingangs, er sei kein Experte in Bezug auf Kryptowährungen im Allgemeinen und Bitcoin im Besonderen. Doch sei es noch allemal besser, er äußere sich als Laie zu diesem Thema, als dass in den Medien falsche Dinge über seine Ansichten zu Bitcoin zirkulieren ließen, denn schließlich würden sich viele Leute seine Meinung interessieren.

"Wahnsinnerfindung"
In seinem Blog bezeichnet Dalio Bitcoin als Wahnsinnserfindung. Man habe eine neue Art Geld via einer Computerprogrammierung geschaffen, das seit zehn Jahren funktioniere und rapid an Popularität gewinne als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Es sei ähnlich dem  kreditbasierten Geldsystem eine Art von Alchemie, indem man aus nichts oder fast nichts Geld kreiere. Genauso wie die Kreditschöpfung durch die Medicis um 1350 diese reich gemacht habe, geschehe dasselbe durch den Bitcoin, der die Schöpfer und alle in einer frühen Phase Eingestiegenen - und damit mehr Leute als im Mittelalter - reich mache und das Zeug dazu habe, als Disruption  gegenüber dem Fiat Money-Geldsystem aufzutreten. Die Gründer hätten jedenfalls einen phantastischen Job gemacht und den Traum, eine neue Art von Geld zu schaffen, Realität werden lassen. Damit habe man mit Bitcoin und den anderen Coins ein neues alternatives, Gold-ähnliches Asset geschaffen. 

Wenig alternative Assets verfügbar
Deren gebe es nicht viele, obwohl sich diese Gattung knapper und nicht beliebig vermehrbarer Assets einer steigenden Nachfrage angesichts der explosionsartigen Geldvermehrung heute und morgen gegenüber sehe. Bitcoin und seine Mitbewerber könnten die Nachfrage nach neuen Wertaufbewahrungsmitteln stillen. Es scheine ihm, Dalio, so, als ob Bitcoin & Co. nicht länger nur eine hochspekulative und kurzfristige Idee seien, sondern langfristig bleiben und einigen Wert in der Zukunft haben würden. Die große Frage, die sich ihm stelle, sei, wofür Bitcoin wirklich zu verwenden sei und welche Nachfrage Kryptowährungen haben würden. Den Umfang des Angebots kenne man, aber man müsse die Nachfrage kalkulieren können, um den Preis effektiv zu schätzen.

Das Angebots-Problem  
Obwohl Bitcoin im Angebot begrenzt sei, seien dies digitale Währungen nicht, da immer wieder neue geschaffen würden, und der Wettbewerb unter den Kryptowährungen werde bei der Preisfindung eine Rolle spielen. Er, Dalio, nehme an, das bessere Kryptos kommen werden, da dies der Weg sei, wie sich Evolution immer abspiele. Bitcoin könne sich, da die Art und Weise, wie er funktioniere, fixiert sei, nicht weiterentwickeln, sodass er annehme, dass eines Tages eine bessere Alternative erfunden und den Bitcoin überholen werde. Das sehe es als Risiko an. Das Argument des beschränkten Angebots sei falsch. Man denke etwa an Blackberries: Wenn diese in beschränktem Angebot wären, wären sie wenig wert, da sie mittlerweile durch fortschrittlichere Wettbewerber ersetzt worden seien. Er wisse nicht die Antwort darauf, warum das kein Risiko sei, freue sich jedoch darauf, eines Besseren belehrt zu werden. 

Cyber Security-Risiko wird steigen
Gleichzeitig bewundere er, wie sich Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren gehalten habe, nicht nur betreffend des reibungsosen technischen Ablaufs, sondern auch im Hinblick darauf, dass es nicht gehackt worden sei. Doch können man das Cyber Security-Risiko nicht außer Acht lassen. Wenn etwa das US-Verteidigungsministerium seine Systeme nicht vor Hackerattacken schützen könne, wäre es doch naiv zu glauben, dass dies digitalen Assets nicht passieren könne. Hier hätten Gold und Gold-ähnliche Assets einen wichtigen Vorteil.

Er, Dalio, glaube, dass man in der Zukunft das immer digitalere Finanzsystem als verletzlicher und angreifbarer im Hinblick auf Disruption und Cyber-Erpressungen wahrnehmen werde, als das heute der Fall sei. Dies gelte heute immer stärker für traditionelle Assets. Er wisse, dass man Bitcoins in "Cold Storage" aufbewahren könne, doch sei das nicht einfach durchzuführen und werde von den meisten heute auch nicht gemacht. Im Großen und Ganzen sei sein Verständnis, dass Bitcoin als digitales Asset in verbundenen Rechnern nicht gegen Cyber-Risiken geschützt sei. 

Wie privat ist Bitcoin, wie privat darf er sein?
Neben dieser Frage beschäftige ihn, was die Regierungen erlauben beziehungsweise nicht erlauben werden. Wahrscheinlich werde Bitcoin nicht so privat sein, wie viele glauben. Es sei schließlich ein öffentliches Register (Ledger) und  eine Menge Bitcoin würden nicht privat gehalten. Wenn die Regierungen - und vielleicht auch die Hacker - sehen wollten, wer was besitze, glaube er nicht, dass die Privatsphäre geschätzt werden könne.

Auch denke er, wenn die Regierungen wollten, dass man Bitcoin nicht nutzen könne, würden die meisten Besitzer Bitcoins auch nicht mehr verwenden können, sodass die Nachfrage verfiele. Dazu komme, dass je erfolgreicher Bitcoin & Co. würden, desto eher würden die Regierungen auch dagegen vorgehen wollen. Schließlich wollten sich Regierungen das Geldmonopol und die damit verbundene Geld- und Kreditschöpfung nicht aus der Hand nehmen lassen. Regierungsvertreter würden nie und nimmer zulassen, dass ein neues "besseres", weil nicht beliebig vermehrbares Geld entsteht.

Fazit
Dalio habe von seinen Experten bei Bridgewater Associates verschiedene Szenarien durchrechnen lassen, was passieren würde, wenn Goldbesitzer einen Teil ihrer Assets in Bitcoin tauschten - und vize versa. Am Ende dieser Arbeit steht dann ein höchst unklares Bild. Für Dalio erscheint Bitcoin daher als Option mit einer langen Duration auf eine unbekannte Zukunft, in die man sein Geld dann investieren darf, wenn man 80 Prozent problemlos abschreiben kann. (kb)

 

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