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Warum uns der Sektor „nicht-basiskonsumgüter“ in Europa gefällt

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Der Indikator für das Verbrauchervertrauen in der Eurozone zeigt zunehmenden Optimismus. Gleichzeitig steigen auch die Reallöhne, und die Kreditaufnahme von Haushalten. Von diesem Trend dürfte der Sektor Nicht-Basiskonsumgüter kurzfristig profitieren.

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Martin Hüfner: Brexit bedeutet zumindest jetzt einen Schub für die EU

Überraschungen nach dem Brexit-Votum der Briten: Die EU hat nicht gelitten, sondern steht so gut da wie schon lange nicht mehr. Die EU profitiert vom Zustrom qualifizierter Arbeitskräfte und von zusätzlichen Direktinvestitionen. Die Zusammenarbeit in Brüssel wird in manchen Dingen leichter.

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Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Münchner Investment-Boutique Assenagon, rät zur Vorsicht: "Langfristig steht die EU ohne Großbritannien schlechter da. Zudem sind viele Probleme in der Gemeinschaft noch ungelöst."
© Assenagon

Eigentlich hatten alle erwartet, dass der Brexit eine Katas­trophe für die EU würde. Zum ersten Mal verlässt ein Mit­glied die Union und stellt damit die Unverbrüchlichkeit der Integration in Frage. Andere Mitglieder könnten folgen und damit zu einer Erosion der gesamten Gemeinschaft führen. Der Handel mit einem so wichtigen Partner wie Großbritan­nien würde sich verringern. Das müsste dann auch negative Folgen für die Konjunktur haben. 

Aber was ist passiert? EU obenauf, UK im Loch

Dr. Hüfner: "Aus heutiger Sicht muten all die Dis­kussionen vor einem Jahr wie ein Sturm im Wasserglas an. Es kam ganz anders. Die EU hat wieder Oberwasser be­kommen. Sie steht heute trotz Brexit so gut wie schon lange nicht mehr da. Keiner will mehr austreten, die Pro­bleme in Katalonien sind ein innerspanisches Problem. Dazu trugen sicher viele Faktoren bei. Aber der Brexit hat zumindest nicht geschadet, in einigen Fällen nutzte er der EU sogar. Wo viele Prognosen freilich richtig waren, ist beim Verei­nigten Königreich selbst. Es ist in ein Loch ge­fallen."

Euroraum überholt Großbritannien im Wachstum des realen BIP (indexiert: Q2-2016 = 100)

Konjunkturell sieht es in der EU gut aus

"Hüfner führt aus: "Das Wachstum ist hoch. Die EU hat Groß­britannien seit Anfang des Jahres bei der Zunahme des realen BIP überholt, wie die Grafik zeigt. Interessant ist, dass selbst die europäischen Exporte nach Großbritannien trotz des ungünstigeren Wechselkurses und trotz der langsame­ren Expansion seines Binnenmarkts nicht stärker zurückge­hen. Das zeigt, dass das Vereinigte Königreich viele Güter, die es braucht, gar nicht mehr selbst produziert und sie da­her in jedem Fall importieren muss." Zudem habe der Entschluss der Briten zum Brexit mit dazu beigetragen, dass inzwischen in der EU mehr Anstrengungen unternommen würden, der Gemeinschaft neuen Schub zu verleihen. 

Strukturellen Veränderun­gen im Bankbereich

Eine für Dr. Hüfner überraschend große Zahl von internationalen Banken hat bereits angekün­digt, dass sie Teile ihres Londoner Geschäfts auf den Konti­nent verlagern wird, weitere werden folgen. Sie wollen damit nicht nur sicherstellen, dass sie ihre Produkte auch in Zukunft in der EU vertreiben können, sondern wollen auch das lukrative Euro-Clearing nicht verlieren, das in Zukunft aller Voraussicht nach allein auf dem Kontinent erlaubt sein wird. "Die Helaba rechnet damit, dass bis Ende nächsten Jahres mindestens 2.000 Stellen nach Frankfurt verlagert werden, nach mehreren Jahren mindestens 8.000. Das ist für den Finanzplatz London mit über 300.000 Ban­kern eine kleine Zahl. Sie gibt Frankfurt aber einen erhebli­chen Schub. Auch andere Finanzplätze auf dem Kontinent einschließlich Irland werden profitieren", weiß Hüfner.

Ähnliches wird sich auch in anderen Branchen vollziehen

Das Vereinigte Königreich war in der Vergangenheit immer ein begehrter Standort für Direktinvestitionen. Von dort aus konnte nicht nur der britische Markt bedient werden. Die In­vestoren hatten gleichzeitig auch Zugang zum gesamten Kontinent. Großbritannien war daher in den letzten Jahren der bei Weitem größte Empfänger von Direktinvestitionen in der EU. Das werd künftig anders sein, ist isch Hüfner sicher: "Weniger Kapital wird nach UK fließen, mehr in die Länder auf dem Kontinent. Auch das hilft der Gemeinschaft. Es gibt zudem Anzeichen, dass die Wanderung vom Konti­nent nach Großbritannien geringer wird und dass Fachkräf­te aus der EU die Insel verlassen." Das sei für die Europäer ein Gewinn. Sie hätten mehr qualifizierte Arbeitskräfte, die gerade in Deutschland dringend gebraucht würden. Es handle sich bei den Betroffenen zudem häufig um Besserver­dienende, die mit ihrer Nachfrage auch die Konjunktur stüt­zten. Für Großbritannien sei es ein Verlust, weil sich viele Unternehmen auf ausländische Arbeitnehmer verließen. Auf manchen Baustellen kämen drei Viertel der Arbeiter aus dem Ausland. 

Auch die Integration in Europa leidet nicht, im Gegenteil

Der Entschluss der Briten zum Brexit hat mit da­zu beigetragen, dass inzwischen in der EU mehr Anstren­gungen unternommen werden, der Gemeinschaft neuen Schub zu verleihen. Manches, was bisher am Widerstand der Briten gescheitert ist, wird jetzt möglich, etwa eine stärkere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Vertei­digung. Juncker brachte letzte Woche sogar die Idee auf, den Euro auf alle Mitglieder auszuwei­ten. Hüfner: "Damit ist er freilich weit über das Ziel hinausgeschos­sen. So etwas geht gar nicht."

Vorsicht beim Gesamturteil über die Brexit-Folgen

Freilich sollte man bei einem Urteil über den Gesamteffekt des Brexit vorsichtig sein und kurzfristige Bewegungen nicht überbewerten, mient Hüfner. Erstens sei all das nur ein Zwischenstand. Bis zum endgültigen Austritt Großbritanniens könne und werde noch viel passieren. Zweitens sei der Brexit für Europa trotz aller erwähnten Effekte nichts Gutes. Großbritannien gehöre zu Europa. Hüfner dazu: "Großbritannien wird immer Nachbar bleiben. Es hat wirtschaftlich und politisch Qualitäten, die der Gemeinschaft fehlen wer­den. Wir sollten uns daher nicht darüber freuen, wenn es den Briten durch den Brexit schlechter geht. Im Gegenteil wäre es gut, ihnen bei den Verhandlungen zu helfen, ein für beide Seiten auskömmliches Ergebnis zu finden." 

Drittens sollte man, so Hüfner, bei aller Freude, dass es der EU besser gehe, nicht vergessen, dass die Gemeinschaft noch lange nicht über den Berg sei. Im nächsten Jahr wählen die Italie­ner ein neues Parlament. Die Befürworter eines Italexit ha­ben Chancen auf einen Wahlsieg. Frankreich habe zwar mu­tige Reformen angestoßen; noch sei aber unsicher, ob sie auch die erwünschten Erfolge haben würden. Innerhalb der EU seien zudem die Spannungen mit Osteuropa gewachsen.

Was bedeutet das für den Investor?

Laut Hüfner sind die guten Nachrichten vom Kontinent ein Kaufsignal auf den Märkten der EU, und die schlechten von der Insel ein Verkaufssignal für  britische Werte. Dabei dürfe man aller­dings den Wechselkurs nicht vergessen. Hüfner: "Der Euro-/Pfund-Kurs dürfte sich – wenn es nicht große Überraschungen gibt – unter Schwankungen weiter in Richtung Parität ent­wickeln." (kb)

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