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IM Investmentforum: Soziale Infrastruktur-Investments

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Brasilien auf einem holprigen Weg zu einer positiveren Zukunft

Nach Jahren, in denen hart daran gearbeitet wurde, die Hyperinflation der 80er und 90er Jahre zu beenden, erlitt Brasilien 2002 einen großen finanziellen Schock, als die Wahl des linksgerichteten Präsidenten Lula den Markt verunsicherte und die Anleiherenditen über 20 Prozent erreichten.

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Peter Eerdmans, Investec Asset Management, sagt: "Nach vielen Jahren des Missmanagements in Brasilien wird die Umsetzung der Steuerreform unter Bolsonaro der Schlüssel für einen Neuanfang der brasilianischen Wirtschaft sein."
© Investec AM

"Die Befürchtungen vor einer nicht nachhaltigen Wirtschaftspolitik und Restrukturierungen erwiesen sich jedoch als unbegründet", weiß Peter Eerdmans von Investec Asset Management: "Lula ernannte ein orthodoxes Wirtschaftsteam, zu dem auch Henrique Meirelles von der Zentralbank gehörte, der das Vertrauen des Marktes wiederherstellte und ein mehrjähriges Programm zur Verbesserung der Wirtschaftsführung auf den Weg brachte. Als Reaktion darauf sanken die Anleiherenditen bis Mitte 2012 auf einen einstelligen Prozentsatz."

Brasilien war wichtiger Nutznießer des von China geführten Rohstoff-Superzyklus
Die monatlichen Exporte stiegen von vier Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 auf den Höchststand im Jahr 2011 von mehr als 23 Milliarden US-Dollar und der reale effektive Wechselkurs stieg um 148 Prozent. Das Kreditwachstum lag in diesem Zeitraum größtenteils bei mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, einschließlich eines weiteren von der Regierung geförderten Anstiegs im Jahr 2009, der es dem brasilianischen Wachstum ermöglichte, sich nach der globalen Finanzkrise wieder zu erholen. Es herrschte Selbstvertrauen.

Aufstieg von Staat und Unternehmen im Schleupptau
Der Aufstieg Brasiliens spiegelte sich im Aufstieg großer Unternehmen wie Eike Batista's EBX-Gruppe von Rohstoffunternehmen, der nationalen Ölgesellschaft Petrobras und dem regionalen Infrastruktur-Schwergewicht Odebrecht wider. Anfang 2012 wurde das Vermögen von Batista auf 35 Milliarden US-Dollar geschätzt, was ihn zum siebtreichsten Menschen der Welt macht.

Gegenwinde zwangen zu einem harten Realitäts-Check
Erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Überhitzung zeigten sich in Form einer starken Verschlechterung des Leistungsbilanzdefizits, die Brasilien angesichts der sich zu verengenden Liquidität des US-Dollars sehr anfällig machte. Das Wachstum verlangsamte sich von über fünf Prozent im Jahresvergleich, und der brasilianische Real begann sich auf weltlicher Basis zu schwächen, was zu einer weiteren Verschärfung der finanziellen Bedingungen führte. Die wirtschaftspolitische Antwort war ein Lehrbuchbeispiel dafür, was in einer solchen Situation nicht zu tun ist.

Falsch reagiert
Als der Rückgang schließlich kam, war er dramatisch: Die Verlangsamung des BIP-Wachstums verschlechterte sich auf einen Rückgang um acht Prozentpunkte zwischen 2014 und 2016. Das gesamte Finanzsystem stand vor einem Schock, der schließlich zu einem negativen Kreditwachstum im Jahresvergleich führte und die Rezession verschärfte. Die jahrelange fehlgeleitete Fiskalpolitik führte dazu, dass das fiskalische Defizit auf mehr als zehn Prozent  des BIP explodierte und die Anleiherenditen wieder auf 16 Prozent stiegen. In einer scharfen Umkehrung des Schicksals brach das Geschäftsimperium von Eike Batista zusammen (er steht derzeit vor einer 30-jährigen Gefängnisstrafe); Odebrecht löste eine landesweite Welle von Korruptionsskandalen aus; und Petrobras' Kreditwürdigkeit wurde auf Junk-Status herabgestuft, gefolgt von einem schnellen Anstieg von Brasiliens Staatsanleihen. 

Neue Ära der Stärke
Jetzt, wie in vielen anderen Schwellenländern, erlebt Brasilien die grünen Triebe einer mehrjährigen Renaissance und scheint aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Dilma Rousseff wurde Anfang 2016 angeklagt, und Vizepräsident Michel Temer leitete ein schnelles Konjunkturprogramm ein, das sich auf eine fiskalische Kontraktion, eine neue und glaubwürdige Zentralbank und dringend notwendige Strukturreformen konzentrierte.

Seit 2017 befindet sich Brasilien in einer Wachstumsphase
Die Aussichten für 2019 liegen bei über drei Prozent. "Das Leistungsbilanzdefizit hat sich auf weniger als ein Prozent des BIP verbessert, und die Zahlungsbilanz verzeichnet zum ersten Mal in der Geschichte Brasiliens einen Überschuss. Darüber hinaus verfolgt die brasilianische Zentralbank eine glaubwürdige Geldpolitik, um die Inflation auf unter vier Prozent zu senken", sagt Eerdmans. Alles in allem stehe die brasilianische Wirtschaft auf einer solideren Basis.

Bolsonaro-Regierung hat ehrgeizige Pläne
Die neue Regierung unter Präsident Bolsonaro hat ein sehr ehrgeiziges Steuer- und Strukturreformprogramm vorgelegt, das - so es erfolgreich sein wird - den Turnaround der letzten zwei Jahre festigen und ausbauen wird. "Mit einer Schuldenquote von 80 Prozent des BIP nach vielen Jahren des Missmanagements wird die Umsetzung der Steuerreform der Schlüssel sein, um einen Neuanfang für die brasilianische Wirtschaft zu ermöglichen", weiß Eerdmans. (kb)

 

 

 

 

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