Bondmärkte: Nach Starmer-Aus richten sich die Blicke auf das Schatzamt
Nach dem Rücktritt von Premier Keir Starmer gilt Schatzkanzlerin Rachel Reeves am Anleihemarkt als angezählt. Für Gilt-Investoren zählt vor allem, wer das Finanzressort übernimmt – und ob die fiskalischen Regeln Bestand haben, die den Markt zuletzt beruhigt haben.

ECKPUNKTE:
- Investoren sehen Schatzkanzlerin Reeves als angezählt und richten den Blick auf ihre mögliche Nachfolge
- Als marktfreundlich gilt der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting, skeptischer beurteilt wird Energieminister Ed Miliband
- Zehnjährige Gilts gaben um vier Basispunkte auf 4,81 Prozent nach, das Pfund legte auf 1,3262 Dollar zu
- Eine Lockerung der Fiskalregeln gilt mit Blick auf den Gilt-Crash von 2022 als gefährlich für die Finanzierungskosten
Nach dem Rücktritt von Premierminister Keir Starmer gilt die britische Schatzkanzlerin Rachel Reeves am Anleihemarkt als angezählt. Für Gilt-Investoren rückt damit weniger die Personalie an der Regierungsspitze in den Vordergrund als die Frage, wer das Finanzressort übernimmt – und ob die fiskalischen Regeln, die den Markt zuletzt beruhigt haben, Bestand haben.
Reeves hatte an ihren Fiskalregeln festgehalten – der Selbstverpflichtung, die Schuldenlast des Landes zu senken und die laufenden Staatsausgaben aus Steuereinnahmen zu decken. Diese Regeln wurden zum Markenzeichen der Amtszeit Starmers, und Investoren wiesen jeden Hinweis auf eine mögliche Lockerung wiederholt zurück. Das veranlasste Andy Burnham, den Bürgermeister von Greater Manchester, der am Montag seine Kandidatur für das Amt des Premiers bestätigte, Änderungen am bestehenden Rahmen auszuschließen.
Nicht Burnham das Problem, sondern das Finanzressort
Aus Sicht des Anleihemarktes liegt das eigentliche Risiko nicht beim künftigen Premier, sondern bei der Besetzung des Schatzamtes. „Ich sorge mich mehr um die Wahl des Schatzkanzlers als um Burnham“, sagt Jordan Rochester, Head of FICC Strategy für EMEA bei Mizuho. „Ich bezweifle stark, dass Reeves im Amt bleibt.“ Während Gilts und Pfund auf Starmers Rücktritt zunächst kaum reagierten, legten sie zu, nachdem der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting seine Unterstützung für Burnham erklärt und damit die Aussicht auf einen langwierigen Führungskampf verringert hatte.
Das nährte zugleich die Spekulation, Streeting – dessen Politik weithin als marktfreundlich gilt – könnte Reeves als Schatzkanzler ablösen. Als weiterer Anwärter gilt der amtierende Energieminister Ed Miliband, bei dem manche Investoren eine größere Offenheit für höhere Verschuldung und Ausgaben fürchten. Auch Außenministerin Yvette Cooper wird als mögliche Kandidatin gehandelt. „Streeting ist wahrscheinlich einer der besseren Kandidaten, und ich denke, das würde vom Anleihemarkt relativ wohlwollend aufgenommen“, sagt Lloyd Harris von Premier Miton. Investoren sähen Streeting als „deutlich zentristischer“ als Miliband, ergänzt Craig Inches, Head of Rates and Cash bei Royal London Asset Management.
Am Markt schlug sich das bereits nieder: Die Rendite zehnjähriger Benchmark-Gilts gab um vier Basispunkte auf 4,81 Prozent nach, das Pfund legte um 0,2 Prozent auf 1,3262 Dollar zu. Obwohl Reeves intern auf einen Verbleib im Amt dränge, dürfte Burnham sie ersetzen, heißt es aus dem Umfeld der Beteiligten.
Der Schatten von 2022
Über allem liegt die Erinnerung an den Gilt-Crash von 2022, als die unfinanzierten Ausgabenpläne der damaligen Premierministerin Liz Truss die Renditen in die Höhe trieben. Genau dieses Trauma begrenzt den Spielraum einer künftigen Regierung. Eine Abkehr von Reeves' Rahmen oder dessen Lockerung könnte die Finanzierungskosten erneut nach oben treiben, warnen Alexandros Xenofontos und Christopher Granville von TS Lombard. Eine Burnham-Regierung dürfte ihre politische Energie daher auf Felder mit geringerer direkter Marktsensitivität lenken – Planung, Kommunalverwaltung und die Politik der „nationalen Erneuerung“ –, während der fiskalische Rahmen weitgehend intakt bliebe. Als Option zur Einnahmensteigerung bei gleichzeitigem Festhalten an den Regeln bliebe Burnham, der eine höhere Besteuerung Vermögender erwogen hat, nur der Weg über Steuererhöhungen.
Quelle: Bloomberg
Dass Streeting seine eigenen Ambitionen zurückstellte ist für den Markt ambivalent. „Ein Führungswettstreit wäre eine gute Sache gewesen, weil wir dann etwas mehr darüber wüssten, wofür Andy Burnham steht“, sagt Harris. (hw/bloomberg)

