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Börsen 2022: Worauf Investment Professionals setzen

Der Berufsverband der Investment Professionals DVFA e.V. befragte seine Mitglieder, worauf diese für 2022 setzen. China und eine mögliche Stagflation sind in den Augen der DVFA-Mitglieder jedenfalls die größten Unsicherheitsfaktoren für 2022.

Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA
Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA 
© DZ Bank

Bund, DAX, Dollar und Gold – wo werden diese zentralen Kapitalmarktindikatoren zum Jahresende 2022 stehen? Was sind die persönlichen Einschätzungen und Prognosen der DVFA Investment Professionals? Welche Unsicherheiten werden befürchtet? Diese Fragen zur Kapitalmarktentwicklung stellte der Berufsverband DVFA seinen Mitgliedern wenige Wochen vor dem Ende des laufenden Jahres. Die Antworten (per 27. Oktober) zeichnen ein Stimmungs- und Meinungsbild auch mit überraschenden Ergebnissen.

Leicht höheres Zinsniveau am Rentenmarkt erwartet
Im kommenden Jahr gehen mehr als die Hälfte der Mitglieder des DVFA von einem leicht höheren Zinsniveau aus. 37 Prozent erwarten einen Zins zwischen -0,5 und 0 Prozent, die größte Gruppe von 41 Prozent sieht 0 bis 0,5 Prozent und immerhin 14 Prozent der Befragten erwarten eine Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe von mehr als 0,5 Prozent. In den Kommentaren zu dem anhaltend niedrigen Niveau wird darauf verwiesen, dass der Inflationsdruck im kommenden Jahr voraussichtlich wieder abnehmen werde, und damit auch der Druck auf die EZB, die Zinsen zu erhöhen.

Konstruktiv für den DAX

Quelle: DVFA e.V.

Konstruktiv für dem DAX
Für die Entwicklung des DAX sind die Investment Professionals eher konstruktiv gestimmt. Auf die Frage, auf welchem Stand sie den DAX am Ende des Jahres 2022 erwarten, antwortete allerdings fast ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten, dass sie eine rückläufige Entwicklung des deutschen Leitindex auf unter 15.000 Punkte erwarten. 59 Prozent erwarten den DAX dagegen zwischen 15.000 und 17.000 Punkten. 14 Prozent sehen den DAX zwischen 17.000 und 18.000 und weitere fünf Prozent trauen dem Index sogar eine Entwicklung über die 18.000 Punkte zu. Allerdings wurde in den Kommentaren mehrfach darauf verwiesen, dass eine solche Prognose hoch spekulativ und mit vielen Unsicherheiten verbunden sei.

Währungen
Beim Thema Devisen und welchen Dollar/Euro-Wechselkurs sie zum Jahresultimo 2022 für möglich halten, antworteten elf Prozent der befragten DVFA Mitglieder sie hielten einen Wechselkurs von unter 1,10 für möglich. Dagegen halten 39 Prozent einen Wechselkurs zwischen 1,10 und 1,15 für möglich. Weitere 30 Prozent erwarten den Kurs zwischen 1,15 und 1,20. Zwölf Prozent sind der Meinung der Wechselkurs werde bei über 1,20 liegen. In den Kommentaren wurde darauf hingewiesen, dass die amerikanische Notenbank wohl eher als die EZB die Zinsen anheben werde, dies aber zu einem guten Teil auch schon vom Markt eingepreist sei.

Aktien klar vor Rohstoffen
Eine weitere Frage bezog sich auf die Erwartungen bezüglich des Goldpreises je Feinunze am Ende des nächsten Jahres. 18 Prozent sehen ihn zwischen 1.500 und 1.750 US-Dollar. Einen Goldpreis in der Spanne von 1.750 bis 2.000 US-Dollar erwartet fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent). Immerhin ein knappes Fünftel (19 Prozent) der Befragten trauen Gold einen Preis von mehr als 2.000 US-Dollar zu. In den Kommentaren wurde darauf verwiesen, dass ein höherer Goldpreis weniger als Reaktion auf Inflationsängste zu erwarten ist, als vielmehr als Reaktion auf das ein oder andere Schock-Szenario mit dem wir im kommenden Jahr konfrontiert sein könnten.

Präferierte Assetklasse: Aktien
Recht eindeutig fielen die Antworten der Investment Professionals aus, welche traditionelle Vermögensklasse im kommenden Jahr relativ als Beste abschneiden werde. Eine Mehrheit von 51 Prozent sieht Aktien vorn. Immerhin noch 29 Prozent sind der Ansicht, dass Rohstoffe am besten abschneiden werden. 14 Prozent erwarten die günstigste Entwicklung bei Immobilien, fünf Prozent entschieden sich für Liquidität und ein Prozent entschied sich für Renten.

China und Stagflation als Unsicherheitsfaktoren
Abschließend fragte der DVFA von wo die größten Unsicherheiten im kommenden Jahr drohten, wobei Mehrfachnennungen aus den vorgegebenen Antworten möglich waren. Für die Investment Professionals drohen die größten Unsicherheiten von China (55 Prozent). 47 Prozent erwarten die größten Unsicherheiten durch eine Stagflation, 41 Prozent von steigenden Zinsen und 16 Prozent durch eine Rezession. Eine Virus-Variante der Pandemie sehen 15 Prozent als größte Unsicherheit, neun Prozent eine andere Ursache.

Résumé
„Keiner von uns weiß, was die Zukunft bringen wird. Erwartungen sind insbesondere deshalb wichtig, weil sie unser Handeln heute beeinflussen.“, sagt Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA. „Interessant ist das mehrheitliche Votum unserer Mitglieder für Aktien. Die Einschätzung, dass Stagflation neben China für die größte Unsicherheit sorgen wird, zeigt deutlich, dass unsere Mitglieder die Inflation und eine undynamische wirtschaftliche Entwicklung nicht für ein kurzfristiges Phänomen halten.“ (kb)

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