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BlackRock-Studie: Versicherer wegen schwindender Sorgen risikobereiter

Die Stimmung unter Versicherern ist weltweit relativ gut – trotz des anspruchsvollen Marktumfelds. Eine Studie im Auftrag von BlackRock zeigt: Die Konzerne sind angesichts nachlassender makroökonomischer Sorgen bereit, höhere Risiken einzugehen. Ihre Profitabilität bleibt unter Druck.

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Patrick M. Liedtke, Leiter des Bereiches Asset Management für Versicherer in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) bei BlackRock, sagt: „Die vielleicht überraschendste Entwicklung ist, dass Versicherer zunehmend auf ESG-Kriterien achten und auf die Herausforderung, Nachhaltigkeit in ihre Gesamtportfolios zu integrieren. Gleichzeitig bestehen nach wie vor Hürden bei der praktischen Implementierung. Eine Herausforderung kann beispielsweise der Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten darstellen. Das erfordert eine branchenweite Antwort. Wir bei BlackRock verstehen uns als Partner in doppelter Hinsicht: zum einen Versicherer effektiv beim Aufbau und Management komplexerer Portfolios zu unterstützen, zum anderen, Möglichkeiten anzubieten, um mit veränderten Geschäftsmodellen, Märkten und gesellschaftlichen Umfeldern umzugehen.“
© BlackRock

Die siebente jährliche Umfrage unter 372 Top-Managern aus der Versicherungsbranche hat
ergeben, dass fast die Hälfte (47 Prozent) der Teilnehmer planen, die Risikopositionen in ihren
Portfolios innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre auszubauen. Im Jahr 2017 hatte die
entsprechende Quote mit neun Prozent deutlich geringer gelegen. Der BlackRock Global
Insurance Report ist in Zusammenarbeit mit der Economist Intelligence Unit (EIU) entstanden.

BlackRock Global Insurance Report 
Dieser gibt die Antworten von Führungskräften aus 27 Ländern aus der Branche der Versicherer und Rückversicherer wider. Die vertretenen Unternehmen verwalten geschätzte 7,8 Billionen US-Dollar. Die Umfrage zeigt, dass Versicherer in ihrer Vermögensallokation insgesamt unvoreingenommen sind. Sie schließen alle Anlageklassen in ihre Planungen ein. Alternative Investments bleiben attraktiv: Das Interesse an Privatplatzierungen ist nach wie vor hoch. Zudem besteht der Wunsch, Chancen in Schwellenländern selektiv zu nutzen, etwa bei chinesischen A-Aktien. 

ESG ja, aber wie sieht die Umsetzung konkret aus?
Zudem lassen die Ergebnisse eine zunehmende Relevanz von ESG (Environmental, Social and Governance)-Kriterien in der gesamten Branche erkennen. So geben 83 Prozent der Teilnehmer an, dass ESG-Investments für ihr Unternehmen relevant sind. Trotz der zunehmenden Aufmerksamkeit, die dieses Thema erfährt, räumen 70 Prozent ein, dass es im eigenen Haus an entsprechender Expertise mangele, um ESG-Variablen zu modellieren. Darüber hinaus zeigen die zwölf Tiefeninterviews, die BlackRock geführt hat, dass bislang selbst erfahrene ESG-Nutzer momentan Schwierigkeiten damit haben, ESG-Ansätze auf der Ebene des Gesamtportfolios zu integrieren.

Höhere Risikobereitschaft attestiert
Patrick M. Liedtke, Leiter des Bereiches Asset Management für Versicherer in der EMEA-Region bei BlackRock sagt: „Ähnlich wie 2017 sehen Versicherer weltweit höhere Anlagerenditen als Schlüsselfaktor, um ihre Profitabilität zu steigern. Der Unterschied in diesem Jahr liegt in der deutlich veränderten Risikobereitschaft der Versicherer.“ Das ist eine wichtige Veränderung, die eine deutliche Entspannung bei den Sorgen rund um makroökonomische und Marktrisiken widerspiegelt – trotz anhaltender geopolitischer Spannungen und eines weniger positiven Ausblicks. Versicherer merken, dass sie ihre Netze breiter auslegen müssen – indem sie in das gesamte Anleihenspektrum investieren, Privatplatzierungen vermehrt als durchaus übliche Anlageklasse behandeln, speziell den Bereich Private Credit, und indem sie die Öffnung des chinesischen Marktes nutzen.“ 

Risikobedenken schwinden
Sorgen hinsichtlich geopolitischer und Makrorisiken sind in nahezu jeder Hinsicht zurückgegangen – in deutlichem Gegensatz zu 2017. Das legt nahe, dass Versicherer mit Blick auf das Makroumfeld insgesamt zuversichtlicher geworden sind. Trotz angespannter Beziehungen im internationalen Handel, zunehmendem Populismus oder geopolitischen Spannungen sind die Bedenken rund um geopolitische Risiken gegenüber 2017
zurückgegangen. Damals hatten 71 Prozent geantwortet, dass dies eines ihrer Hauptbedenken
wäre. 2018 waren es nur noch 30 Prozent.

Inzwischen sind auch die Sorgen in Bezug auf die meisten anderen Marktrisiken (Liquidität,
Korrektur der Vermögenswertpreise, Zinsänderungsrisiko) deutlich zurückgegangen. Die
Ausnahme bildet das Kreditrisiko, das 45 Prozent der Teilnehmer genannt haben; 2017 waren es nur 31 Prozent gewesen. Das verdeutlicht die Bedenken dahingehend, dass der Kreditzyklus auf sein Ende zusteuert.

ESG rückt in den Fokus
Gleichzeitig haben die Regulierungssorgen der Versicherer im vergangenen Jahr deutlich
abgenommen. Das könnte mit der Umsetzung der EU-Richtlinie Solvency II in Europa
zusammenhängen. Unterdessen sind Umweltrisiken auf der Agenda der Unternehmen weltweit rasch nach oben gerückt. Inzwischen halten 21 Prozent solche Risiken für einen wesentlichen Katalysator für Veränderungen, während es 2017 noch sechs Prozent gewesen waren.

Angesichts des zunehmenden Drucks vonsSeiten der Regulatoren – gepaart mit dem politischen Momentum nach dem UN-Klimagipfel COP21 in Paris – geben 23 Prozent Umweltrisiken (Klimawandel) als Kernrisiko für ihre Portfolios an, 2017 waren es nur sechs Prozent gewesen. Zwar ist die Relevanz von ESG-Ansätzen weithin anerkannt. Doch was die optimale Integration entsprechender Überlegungen in den Investmentprozess angeht, darüber gehen die Meinungen nach wie vor auseinander. Weitgehende Einigkeit (90 Prozent) herrscht dahingehend, dass die Regulatoren in dieser Hinsicht Klarheit schaffen sollten, indem sie ESG-Investments weltweit definieren und damit eine einheitliche Basis schaffen.

Risikoappetit erholt sich stark
In Anbetracht der positiveren Stimmung will fast die Hälfte der Versicherer ihre Risikopositionen ausbauen. Ein Großteil plant dies, um die Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erhöhen. 40 Prozent der Teilnehmer wollen ihre Positionen in Zinsanlagen kurzer Duration (Cash) erhöhen, während 34 Prozent das Segment der Investmentgrade-Anleihen stärker nutzen möchten.  Innerhalb des Anleihenspektrums sind die Erwartungen über die meisten Segmente hinweg  deutlich höher als im vergangenen Jahr. Das gilt vor allem für Staatsanleihen, bei denen 37  Prozent innerhalb der kommenden 12 bis 24 Monate ein verstärktes Engagement planen –  2017 waren es neun Prozent gewesen. Zudem wollen die Versicherer ihre Positionen in anderen Segmenten, etwa Hochzinsanleihen (33 Prozent), US-Kommunalanleihen (Municipal  Bonds, 35 Prozent), unverbrieften Bankdarlehen (Bank Loans) und besicherten Kreditverbriefungen (CLOs, 33 Prozent) ausbauen.

Versicherer setzen auf neue Wachstumsmärkte
Viele der großen Versicherer stellen sicher, dass sie gut positioniert sind, um angesichts des Wachstumspotenzials der asiatischen Märkte, speziell China, entsprechende Chancen wahrzunehmen. Der Umfrage zufolge haben mehr als zwei Drittel chinesische A-Aktien entweder bereits übergewichtet (13 Prozent), oder sie beabsichtigen dies (53 Prozent). Dabei dürfte die Aufnahme von A-Aktien in die MSCI-Indizes, die als Orientierung für die Vermögensaufteilung dienen, eine Rolle spielen. Insofern erscheint der Appetit der Versicherer auf höhere Quoten chinesischer Festlandsaktien robust. 

Anlageeffizienz bleibt ein Schwerpunkt
Viele Versicherer lagern ihr Asset-Management komplett oder teilweise aus. Sie sehen darin eine effektive Möglichkeit, um die richtige Balance zwischen Portfolio-Exposure, Kostenkontrolle und operationeller Effizienz zu finden – als Antwort auf Fragen rund um die Expertise im eigenen Haus, Governance-Richtlinien und das Risiko zu hoher Kosten.

Asset-Management-Auslagerung vor allem bei Privatmarkt-Anlagen
Insgesamt lagern 35 Prozent der Teilnehmer das Management ihrer Engagements bei
Privatplatzierungen komplett aus, weitere 52 Prozent gehen diesen Schritt zumindest teilweise.
Die Gründe dafür variieren. Sie deuten jedoch zum Großteil (67 Prozent) darauf hin, dass
Versicherer keine weiteren Kosten auf sich nehmen wollen und ihre Profitabilität nicht weiter
verwässern wollen, indem sie im eigenen Haus entsprechende Expertise aufbauen. Das gilt vor
allem für Europa und Asien. Bei Versicherern aus Nordamerika mangelt es dagegen weniger an eigener Expertise. Dort liegt der Grund vielmehr darin, dass die Unternehmen mit entsprechenden Auslagerungen Kosten sparen wollen. (kb)

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