BlackRock: Künstliche Intelligenz macht Mikro zu Makro
In einem Workshop mit dem Titel "Zukunftssignale - Investieren im Zeitalter der Mega-Forces" zeichnete BlackRock-Strategin Ann-Katrin Petersen das Bild eines fundamentalen Umbruchs an den Kapitalmärkten, getrieben vor allem von Künstlicher Intelligenz und geopolitischen Entwicklungen.

Kernpunkte:
- Entscheidungen auf Unternehmensebene haben gesamtwirtschaftliche Implikationen
- Zinssensitivität nimmt zu, Inflation steigt
- Bedeutung von Alpha steigt, Rolle von Beta geht zurück
- Umdenken bei der Portfoliokonstruktion notwendig
„Wir stehen mitten in einem Strukturumbruch“, lautete die zentrale These von Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie bei BlackRock. Dabei geraten klassische Marktmechanismen und Diversifikationsregeln zunehmend unter Druck.
Ein zentraler Treiber dafür ist die KI: Sie löst eine „gigantische Investmentwelle“ aus und verschiebt die Dynamik von Mikro- zu Makroeffekten. BlackRock schätzt das Volumen der KI-Investitionen auf fünf bis acht Billionen Dollar bis 2030. Das verändert die Wirtschaftsstruktur: Tech wird vom asset-light- zum kapitalintensiven Sektor, während gleichzeitig die Verschuldung im System steigt und die Zinssensitivität zunimmt.
Ist KI zu real?
"KI Macht Mikro zu Makro, weil Investitionsentscheidungen auf Firmenebene und auch die damit einhergehende Verschuldung auf Firmenebene Makroimplikationen hat", erklärte Petersen. Die enormen Investitionen wirken direkt auf Wachstum, Zinsen und Kapitalmärkte. Gleichzeitig bleibt unklar, ob sie sich rechnen oder ob das Disruptionspotenzial bestehende Geschäftsmodelle stärker trifft als erwartet. Damit wird die Frage „Ist KI überhaupt real?“ abgelöst durch „Ist KI nicht sogar zu real?“ in dem Sinne, dass Geschäftsmodelle zerstört werden.
Parallel dazu prägt die geopolitische Fragmentierung das Umfeld. Der Konflikt im Nahen Osten wirkt als klassischer Angebotsschock mit steigenden Energiepreisen und gestörten Lieferketten. Staaten priorisieren zunehmend Sicherheit und Resilienz gegenüber Effizienz, was strukturell höhere Kosten und damit persistentere Inflation begünstigt. Die Folge: Zinssenkungserwartungen werden zurückgenommen, teils werden wieder Zinserhöhungen eingepreist.
Klassische Diversifikatoren funktionieren nicht mehr
Vor diesem Hintergrund verändert sich auch die Rolle klassischer Diversifikatoren. US-Staatsanleihen etwa gelten nicht mehr automatisch als stabilisierender Anker, da steigende Verschuldung und strukturell höhere Zinsen ihre Schutzfunktion schwächen. Langfristig erwartet Petersen eine Welt mit einer „sticky“ Inflation von eher 2,5 bis drei Prozent und höheren Zinsen. Treiber sind neben Geopolitik auch Demografie und Dekarbonisierung. KI könnte dem entgegenwirken – allerdings nur, wenn es tatsächlich zu starken Produktivitätsgewinnen kommt. Ob dies aber gelingt, ist offen.
Für Investoren bedeutet das eine deutlich größere Unsicherheitsspanne möglicher Szenarien. Neben einem moderaten Wachstumspfad sind sowohl ein Produktivitätsschub als auch ein enttäuschender KI-Zyklus denkbar. Entsprechend „braucht man einen Plan B“, da sich Renditeverteilungen verbreitern und klassische Makro-Anker an Orientierungskraft verlieren.
Für Investoren zieht BlackRock daraus den zwei Schlüsse: einerseits ist die traditionelle Diversifizierung zu ergänzen durch weitere Renditequellen wie Real Assets, zum anderen steigt die Bedeutung von Alpha im Portfolio, während der Beitrag von Beta abnimmt. (dv)


