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BlackRock: Hedgefonds erleben ein starkes Comeback in Europa

Steigende Zinsen, Geopolitik, KI und die schwächere Diversifikationswirkung von Anleihen sorgen für eine Renaissance von Hedgefonds, sagte Nicolas Nussbaum von BlackRock im Interview mit Institutional Money. Investoren suchten zunehmend nach liquiden, unkorrelierten Renditequellen.

Nicolas Nussbaum, BlackRock: "Wir haben gesehen, dass in den vergangenen Jahren die historisch geringe Korrelation zwischen Aktien und Anleihen zunehmend infrage gestellt wurde." 
Nicolas Nussbaum, BlackRock: "Wir haben gesehen, dass in den vergangenen Jahren die historisch geringe Korrelation zwischen Aktien und Anleihen zunehmend infrage gestellt wurde." © BlackRock

Eckpunkte:

  • Weltweit stark steigende Nachfrage nach Hedgefondsstrategien
  • Gutes Umfeld für Manager, Alpha zu generieren
  • Europa holt bei liquiden Alternativen gegenüber den USA auf

Hedgefonds und liquide alternative Strategien erleben nach Einschätzung von BlackRock derzeit eine Renaissance. Treiber seien vor allem das veränderte Zinsumfeld, höhere Marktverwerfungen sowie der Wunsch institutioneller Investoren nach unkorrelierten Renditen. „Wir sehen eine stark gestiegene Nachfrage nach Hedgefondsstrategien“, sagte Nicolas Nussbaum, Head of Hedge Funds Investor Relations EMEA bei BlackRock, im Interview in Frankfurt.

Das sei ein globaler Trend, aber ein Kontinent hole auf. "In Europa ist das Wachstum besonders stark, da es von einem niedrigeren Ausgangsniveau kommt. Nun beginnt Europa, die Lücke zu Märkten wie den USA zu schließen“, sagte Nussbaum.

Neues Marktregime begünstigt Alpha-Strategien
Als entscheidenden Wendepunkt identifiziert Nussbaum die Zinswende. „Mit dem erneuten Zinsanstieg in 2022 befinden wir uns in einem neuen Umfeld. Dort haben Streuung, Marktverwerfungen und Fehlbewertungen zugenommen“, sagte der Hedgefonds-Experte.

Die Jahre zuvor seien dagegen durch eine außergewöhnlich starke Marktkompression geprägt gewesen. „Was wir jetzt sehen, ist eine Normalisierung der Märkte. Die eigentliche Ausnahme war die rund zehnjährige Phase, in der Zentralbankinterventionen und geldpolitische Maßnahmen zu einer künstlichen Komprimierung geführt und die Zinsen niedrig gehalten haben. Das hat es den meisten Hedgefondsmanagern deutlich erschwert, Alpha zu generieren.“

Inzwischen habe sich das Umfeld grundlegend verändert. „Wir sehen deutlich mehr Streuung – sowohl zwischen verschiedenen als auch innerhalb einzelner Anlageklassen“, sagte Nussbaum. Treiber seien neben dem neuen Marktumfeld auch künstliche Intelligenz und geopolitische Spannungen. „Große Unterschiede zwischen Regionen, Sektoren und Anlageklassen – sowie innerhalb dieser Bereiche – sind ein sehr gutes Umfeld, um Alpha zu generieren.“

Nach Einschätzung von BlackRock profitieren davon sowohl klassische aktive Strategien als auch Hedgefonds. Besonders vielversprechend seien derzeit Makro- und Multi-Strategy-Ansätze. „Makrostrategien sind ein Bereich, in dem wir derzeit besonders attraktive Chancen sehen“, sagte Nussbaum mit Verweis auf geopolitische Ereignisse und die hohe Dynamik zwischen Regionen und Anlageklassen.

Auch Multi-Strategy-Ansätze stießen auf großes Anlegerinteresse. Für einen im Februar aufgelegten Fonds habe Blackrock innerhalb von weniger als zwei Monaten mehr als 200 Millionen Dollar eingesammelt. Unterstützt worden sei der Fonds von Beginn an von europäischen Investoren.

Anleger suchen liquide Diversifikation
Eine wichtige Rolle spielt laut BlackRock die veränderte Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. „Wir haben gesehen, dass in den vergangenen Jahren die historisch geringe Korrelation zwischen Aktien und Anleihen zunehmend infrage gestellt wurde“, sagte Nussbaum. Anleihen erfüllten ihre klassische Rolle als Diversifikator nicht mehr immer zuverlässig. „Hedgefonds und liquide alternative Strategien können hier eine entsprechende Rolle spielen.“

Zugleich stoße die starke Allokation vieler Investoren in private Märkte an Grenzen. Viele Anleger wollten weiterhin Diversifikation, jedoch ohne zusätzliche Illiquidität. „Anleger suchen insbesondere nach einer nachweislichen geringen Korrelation zu Aktien. Sie suchen nach unkorrelierten Renditen, aber ohne die Illiquidität von Privatmarktanlagen. Aktuell möchten Investoren beide Welten miteinander vereinen“, sagte Nussbaum.

In Deutschland steige das Interesse an liquiden Alternativen spürbar. Vor allem Banken und Vermögensverwalter würden sich derzeit wieder intensiver mit Hedgefonds beschäftigen. Family Offices und größere Pensionsanleger seien dagegen schon länger im Segment aktiv.

BlackRock betont, dass Hedgefonds vor allem unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten betrachtet werden müssten. „Bei Hedgefonds steht die Rendite pro eingegangener Risikoeinheit im Vordergrund“, sagte Nussbaum. Ziel sei es, „unkorrelierte Erträge bei deutlich geringerem Risiko als am Aktienmarkt zu erzielen“.

KI verändert auch Hedgefondsstrategien
Künstliche Intelligenz sieht BlackRock nicht nur als Markttreiber, sondern zunehmend auch als Werkzeug im Portfoliomanagement. „Künstliche Intelligenz wird nicht mehr verschwinden und verändert nahezu alle Bereiche grundlegend“, sagte Nussbaum.

Die stark wachsende Datenmenge mache den Einsatz von KI im Investmentprozess immer wichtiger. „Für Manager wird es immer schwieriger, ohne KI zu einer fundierten Einschätzung zu gelangen – schlicht aufgrund der enormen Datenmengen, die analysiert und verarbeitet werden müssen“, sagte Nussbaum. KI spiele deshalb bei Anlageentscheidungen eine zunehmend wichtige Rolle. (dv)

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