Bitcoin unter 60.000 Dollar: Wird der größte Käufer zum Risiko?
Bitcoin ist unter die Marke von 60.000 US-Dollar gefallen. Marktbeobachter sehen dafür nicht nur den nachlassenden Appetit privater Anleger verantwortlich, sondern auch wachsende Zweifel an der Finanzierungsstrategie des Großkäufers Strategy.

ECKPUNKTE:
- Bitcoin-Absturz auf unter 60.000 US-Dollar verstärkt Zweifel an der Marktbreite.
- Bei Strategy rückt die Finanzierungsmechanik weiterer Bitcoin-Käufe in den Fokus.
- Schwächere Privatanlegernachfrage, Long-Liquidationen und der Optionsverfall erhöhen den Druck.
Der Absturz von Bitcoin unter die Marke von 60.000 US-Dollar weckt am Kryptomarkt Sorgen, die in den vergangenen zwei Jahren kaum eine Rolle gespielt haben. Investoren fragen sich zunehmend, was passiert, wenn mit Strategy der größte Käufer der Kryptowährung unter Druck gerät und gleichzeitig das Interesse privater Anleger nachlässt.
Der Bitcoin fiel am Mittwoch (24.6.) zeitweise um 5,4 Prozent auf 59.023 US-Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2024. Gleichzeitig setzte Strategy seine Talfahrt an der Börse fort: Die Aktie des Unternehmens verlor den sechsten Handelstag in Folge und fiel auf den niedrigsten Stand seit Februar 2024.
Zweifel an Strategy belasten den Markt
Marktteilnehmer beobachten nach eigenen Angaben mit Sorge die Finanzierungsstrategie von Strategy. Das Unternehmen hatte seine Bitcoin-Käufe bislang regelmäßig über die Ausgabe neuer Aktien und Vorzugsaktien finanziert. "Der Markt bewertet den gesamten MSTR- und STRC-Mechanismus neu", sagte Shiliang Tang, Managing Partner bei Monarq Asset Management. Gemeint sind die Börsenkürzel der Stamm- und Vorzugsaktien von Strategy.
Besonders im Fokus stehen die Vorzugspapiere STRC. Sie fielen am Mittwoch (24.6.) zeitweise auf 79,85 US-Dollar. Viele Anleger werten die Entwicklung als Gradmesser dafür, wie tragfähig die Bitcoin-Strategie des Unternehmens künftig noch ist. Mit sinkendem Vertrauen in diese Wertpapiere wachsen die Zweifel, ob Strategy seine Rolle als größter zusätzlicher Bitcoin-Käufer im bisherigen Umfang aufrechterhalten kann.
Privatanleger halten sich zurück
Während frühere Kursrückgänge häufig von Privatanlegern für Nachkäufe genutzt wurden, hat sich das Bild inzwischen verändert. Viele Kleinanleger haben ihre Aufmerksamkeit und ihr Kapital zuletzt auf Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz verlagert.
Auch die Spot-Bitcoin-ETFs, die in den vergangenen Monaten eine wichtige Stütze für den Markt waren, könnten den Preisrückgang nur noch begrenzt auffangen. Viele Anleger, die erst bei deutlich höheren Kursen eingestiegen sind, liegen inzwischen im Minus und dürften daher weniger bereit sein, ihre Positionen weiter auszubauen.
Institutionelle Argumente verlieren an Kraft
Auch für institutionelle Investoren ist das Argument für Bitcoin schwieriger geworden. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern konnte die Kryptowährung während der jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und der Inflationssorgen ihre Rolle als Absicherung im Portfolio nicht überzeugend erfüllen. Stattdessen habe sich Bitcoin häufig wie ein klassischer, besonders schwankungsanfälliger Risikoanlagewert entwickelt.
"Je weiter sich der Zinspfad von einer möglichen Zinssenkung entfernt, desto stärker leidet die Geschichte vom Inflationsschutz", ergänzte Stephane Ouellette, Vorstandschef des Finanzdienstleisters FRNT Financial.
Milliarden-Liquidationen vor wichtigem Verfallstag
Der Kursrückgang führte laut Daten von "Coin Glass" innerhalb von 24 Stunden zur Liquidation von Long-Positionen im Wert von fast 800 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig steht am Freitag (26.6.) der quartalsweise Verfall von Bitcoin-Optionen mit einem Volumen von rund zehn Milliarden US-Dollar an, wie Daten der Derivatebörse Deribit zeigen.
Noelle Acheson, Autorin des Newsletters "Crypto is Macro Now", fasste die aktuelle Stimmung so zusammen: Bitcoin fühle sich derzeit an "wie ein Markt mit Verkäufern, aber ohne Käufer". (mb/Bloomberg)