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Bewertungsstreuung auf Rekordhoch lockt zum Einstieg

Die Delta-Variante verlangsamt zwar die wirtschaftliche Erholung, wird diese aber nicht stoppen. Die daraus resultierende Unsicherheit hat zu einer rekordhohen Bewertungsstreuung (Dispersion) beigetragen, die institutionelle Investoren zu ihrem Vorteil nutzen können, meint die CIO von Skagen Funds.

Alexandra Morris, CIO Skagen Funds
Alexandra Morris, CIO Skagen Funds
© Skagen Funds

„Covid wird nicht so bald verschwinden. Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben, sowohl mit den bestehenden als auch mit den sich entwickelnden Varianten, und zwar für einige Zeit, wenn nicht sogar für Jahre“, ist Alexandra Morris, CIO von Skagen Funds überzeugt. Der rasche Anstieg der Delta-Variante beunruhige den Markt, was sich auch am VIX-Index ablesen lasse. Der Index für die Aktienvolatilität, der als Indikator für Marktstress gilt, habe im Jahr 2021 an mehr als 40 Prozent der Tage über 20 geschlossen und weise eine steigende Tendenz auf.

Mit Blick auf die Ausbreitung der Delta-Variante ist Morris in ihrem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Kommentar weiterhin vorsichtig optimistisch, denn die Öffnung der Volkswirtschaften habe sich zwar verlangsamt, wurde aber letztendlich nicht aufgehalten. Allerdings plädiert die Skagen-Expertin dafür, sich auf neue Mutationen mit anderen Merkmalen und mehr oder weniger starker Resistenz gegen die bestehenden Impfstoffe einzustellen.

Für dieses Jahr konstatiert Morris an den Aktienmärkten enorme relative Schwankungen (siehe nachfolgende Graphik, linker Teil). So habe der Index für die Industrieländer Mitte Februar noch 6,5 Prozent hinter dem entsprechenden Index für die Schwellenländer zurückgelegen, Ende Juli dann aber wieder knapp 15 Prozent vorn - eine Schwankung von über 20 Prozent in sechs Monaten. Der Unterschied zwischen Value und Growth lag im Mai bei rund zehn Prozent zu Gunsten des Value-Index, mittlerweile liege er unter zwei Prozent, wie die zweite Grafik rechts zeigt:

Einige Gründe für höhere Volatilitäten
Der offensichtlichste Grund für die Schwankungen sei die Delta-Variante, die die Menschen von der Wiederaufnahme von Geschäften abschrecke, sowie das harte Durchgreifen in China gegen die Tech-Industrie.

Eine tiefergehende Erklärung sei der Übergang von der (immer noch) akkommodierenden Zentralbankpolitik des letzten Jahrzehnts zu einem stärker fiskalisch motivierten Investitionszyklus in die öffentliche Infrastruktur, erneuerbare Energien und neue Technologien zur Emissionsreduzierung und Kohlenstoffabscheidung stehen. Mit der Unsicherheit gehe eine höhere Volatilität einher.

Die Wirtschaftstätigkeit normalisiert sich auf breiter Front, wenn auch aufgrund neuer Virenstämme etwas langsamer. Einige Sektoren befinden sich noch im Anfangsstadium der Erholung. Die Konjunkturpakete und die fortgesetzte quantitative Lockerung haben die Produktion angekurbelt und einen engeren Arbeitsmarkt mit höheren Löhnen und anhaltender Inflation geschaffen. Deswegen ist Morris überzeugt: „Die Verbraucher haben seit Beginn der Pandemie Billionen von Dollar gespart, was in Verbindung mit höheren Löhnen auch in Zukunft das Verbrauchervertrauen und die Ausgaben steigern wird.“

Zahlreiche Investmentgelegenheiten
Es gebe eine offensichtliche Notwendigkeit, Milliarden von Dollar in die Infrastruktur wie Straßen, Schulen und 5G-Netze zu investieren. Auch die enormen Beträge, die zur Bewältigung der Energiewende nötig sind, würden den nächsten Technologieboom unterstützen. „So wie Tech-Aktien die Börsenlieblinge des letzten Jahrzehnts waren, weil sie die Produktivität steigerten, soziale Netzwerke und Streaming-Dienste schufen, ist die Energiewende der neue Megatrend, und der kürzlich veröffentlichte alarmierende IPCC-Bericht zum Klimawandel wird seine Entwicklung nur beschleunigen“, so die Skagen-CIO.

Bewertungsstreuung mit Rekordhoch
Attraktive Einstiegsgelegenheiten sieht sie in unterbewerteten Sektoren und Regionen, die in den kommenden Jahren am meisten von der investitionsgestützten wirtschaftlichen Erholung profitieren werden. Die Bewertungsstreuung bei den Aktien des S&P 500 habe ein Rekordhoch erreicht (siehe nachfolgende Grafik):

Emerging Markets dürften bald wieder aufholen
Gleiches gelte für die Kurslücke zwischen den Schwellenländern und den entwickelten Ländern, wobei die Schwellenländer derzeit mit einem Abschlag von 40 Prozent auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses gehandelt würden. Da die westliche Bevölkerung zunehmend gegen Covid geschützt sei, dürfte der Druck auf die Regierungen dieser Länder steigen, die Impfstoffe in der zweiten Jahreshälfte mit den ärmeren Ländern zu teilen. Das dürfte den aufstrebenden Volkswirtschaften einen willkommenen Auftrieb geben.

Morris ist optimistisch, dass weitere pandemiebedingte Schließungen vermieden werden und Unternehmen und Aktionäre von einer positiven Wirtschaftstätigkeit profitieren können. Ein anhaltender Aufschwung bedeute auch, dass der Reflationstrend wahrscheinlich nicht gestoppt ist, sondern mit dem Anstieg der Delta-Variante eine Pause eingelegt hat, und sich fortsetzen werde. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, langfristig zu denken und bei den Anlageentscheidungen geduldig zu sein. (aa)

 

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