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Bewertung europäischer Tech-Aktien treibt Tränen in die Augen

Europäische Startups sammeln mehr Geld ein als je zuvor. Dabei entsteht eine Gruppe von Tech-Unternehmen mit Bewertungen, die denen in den USA und Asien nicht nachstehen. Aber das rekordverdächtige Jahr macht inzwischen selbst Fans der Branche Sorgen, dass die Dynamik nicht nachhaltig sein könnte.

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Die Einhörner gehen um - nun auch verstärkt in Europa
© Qilai Shen / stock.adobe.com

Hopin, das Unternehmen für virtuelle Veranstaltungen, hat seine Bewertung innerhalb von nur vier Monaten mehr als verdoppelt. Das größte Startup des Kontinents, Klarna Bank, erreichte in seiner jüngsten Finanzierungsrunde eine Bewertung von 45,6 Milliarden US-Dollar und damit viermal mehr als letztes Jahr. Das britisches Finanztechnologie-Startup Revolut erwägt eine Runde, die das Unternehmen mit mehr als 20 Milliarden US-Dollar bewertet. Das ist mehr als das Dreifache der 5,5 Milliarden US- Dollar aus dem Jahr 2020, wie Bloomberg News in Erfahrung bracht. 

Kleine Tech-Blase 
Es gibt eine „kleine Tech-Blase“, so Martin Davis, Vorstandschef der in London notierten Risikokapitalgesellschaft Draper Esprit, in einem Interview. “Das wird nicht ewig so bleiben.”  Der Wert des Portfolios von Draper stieg in den zwölf Monaten bis März um 51 Prozent, verglichen mit zehn Prozent im Vorjahr. Eine Verlagerung von Konsumgewohnheiten hin zu Online während der Covid-19-Pandemie in Kombination mit niedrigen Zinsen trieb Anleger auf der Suche nach attraktiven Renditen weiter in Richtung Technologie.

Aufholjagd Europas
„Einige dieser Bewertungen treiben einem die Tränen in die Augen. Das ist in den USA seit einigen Jahren der Fall und hier gibt es jetzt eine entsprechende Aufholjagd“, sagte Erin Platts, Leiter Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei der Silicon Valley Bank. “Die Geschwindigkeit macht mir ein bisschen Angst, mehr noch als einige der Zahlen.”

Bei Börsengängen werden meist kleinere Brötchen gebacken
Hohe Bewertungen von Anlagen im privaten Bereich lassen sich nicht unbedingt auf die Aktienmärkte übertragen und eine Reihe von Börsengängen weltweit erzielten am Ende Emissionspreise unterhalb ihrer ambitionierten Schätzungen. Der chinesische Fahrdienst Didi Global, wurde bereits vor dem Zusammenbruch der Aktien diese Woche mit lediglich 68 Milliarden US-Dollar bewertet, deutlich unter den zuvor prognostizierten 100 Milliarden US-Dollar. Aktien des britischen Cybersicherheitsunternehmens Darktrace starteten an der Börse mit einem Marktwert von 1,7 Milliarden Pfund, etwa der Hälfte des Wertes, der nur Wochen zuvor kolportiert worden war. Lebensmittellieferant Deliveroo verlor an seinem ersten Handelstag in London im März um bis zu 26 Prozent.

Europas Milliarden-Dollar Tech-Firmen
Europäische Unicorns sind in Summe 800 Milliarden US-Dollar wert.

Der europäische Technologiesektor hat jetzt 166 sogenannte Einhörner, Unternehmen mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar, so ein Juni-Bericht der Investmentfirma GP Bullhound. Der Gesamtwert dieser Unternehmen beträgt mehr als 800 Milliarden US-Dollar, und die Hälfte davon wurde erst binnen Jahresfrist geschaffen.

Fonds wittern Geschäft
Namhafte Fonds nutzen das Interesse der Anleger in Europa mit neuen Anlagevehikeln und dezidierten Geldern speziell für die Region. Es schadet bislang nicht, dass die Investoren einiger bekannter Startups ihren Ausstieg planen und ihre Beteiligungen versilbern, wie z.B. der Digital-Payment-Anbieter Wise mit seinen Plänen für ein direktes Listing in London und Akquisitionen, wie die Übernahme der Second-Hand-Mode-App Depop durch Etsy. Wise, ein Unternehmen im Bereich Geldtransfer, erzielte am Mittwoch bei seiner Erstnotiz eine Bewertung, die bei mehr als dem Doppelten der letzten Finanzierungsrunde vor einem Jahr lag.

Preistreibender Wettbewerb
„Es gibt viel mehr Wettbewerb, und das treibt die Preise in die Höhe“, sagte Manish Madhvani, geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer von GP Bullhound. „Wenn überhaupt, wird diese enorme Kapitalspritze noch größeres Wachstum ankurbeln. Wir müssen nur sicherstellen, dass es sinnvoll ausgegeben wird.“

Viel Geld im Markt
Tech-IPOs haben dieses Jahr schon einen Höchstwert erreicht.

Die einen investieren, die anderen machen Kasse
Große Finanzierungsrunden wurden begleitet von Risikoinvestoren, die in großem Stile Kasse gemacht haben. Europäischer Technologieunternehmen haben bislang 2021 mehr Geld eingesammelt, als in jedem anderen Jahr seit mindestens 2009, so von Bloomberg zusammengestellten Daten. Es gibt auch mehr Börsengänge - in diesem Jahr bisher mehr als 75 in Europa - verglichen mit 45 im gesamten Jahr 2020.

Deal-Making steigt stark an
Die für Akquisitionen von Technologiefirmen ausgegebenen Gelder in Europa haben sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdoppelt. 2021 dürfte das größte Jahr für Technologie- und Internet-Transaktionen seit mehr als zwei Jahrzehnten werden, legen die Daten nahe.

Lange währender Bullenmarkt
Trotz der Bedenken über womöglich zu schnelles Wachstum und hohe Bewertungen hat die Branche jahrzehntelang gute Renditen erzielt, sagte Lars Jornow, Partner der schwedischen Risikokapitalgesellschaft EQT Ventures. „Vor vier oder fünf Jahren sagten die Leute, die Bewertungen seien so hoch. Ich bin sehr bullish. Die Technologiemärkte werden weiterhin liefern“, sagte Jornow. “Es kann sein, dass die Bewertungen irgendwann angepasst werden, aber Tech ist seit zwei Jahrzehnten in einem Bullenmarkt.” (kb)

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