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Bert Flossbach: Zinslosigkeit macht Bondmärkte zu Wettbüros

Die Zeit der Nullzinsen ist noch lange nicht vorbei, prognostiziert Vermögensverwalter Bert Flossbach. Im Anlagenotstand greifen immer mehr Investoren zu Assets, deren scheinbar sichere Erträge die Anlagerisiken nicht annähernd rechtfertigen.

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Bert Flossbach, Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch
© Cornelius Gollhardt / stock.adobe.com

Den Glauben an die Zinswende hat Bert Flossbach längst aufgegeben. Der Co-Gründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch zeichnet in seinem aktuellen Kapitalmarktbericht daher ein geradezu dramatisches Bild vom Zustand der europäischen Anleihemärkte. Die fortgesetzte Nullzins-Politik der EZB hat demnach fatale Folgen. "Versicherungen, Pensionskassen und andere Großanleger erwerben Anlagen, die scheinbar sichere Zinsen und Erträge versprechen, tatsächlich aber riskant und intransparent sind." Flossbach warnt eindringlich vor dieser verzerrten Risikowahrnehmung und einer "Zombifizierung" der Wirtschaft sowie einzelner Staaten: "Wenn der Gewöhnungseffekt niedrige Zinsen als selbstverständlich erscheinen lässt, wird es kritisch."

Langlaufende Bundesanleihen, die inzwischen mehrheitlich deutlich negative Renditen ausweisen, galten in der Vergangenheit nicht nur als eine der wichtigsten sicheren Geldanlagen weltweit. Sie bilden auch die Kalkulationsbasis für die Renditen von Unternehmensanleihen sowie als Referenzzins für Immobilien- und Unternehmenskredite: "Neben US-Staatsanleihen definieren Bundesanleihen einen als risikolos wahrgenommenen Referenzzins an den Kapitalmärkten", heißt es in Flossbachs Analyse: "Je teurer sie sind – sprich je geringer ihre Rendite ist – desto teurer sind tendenziell auch alle anderen Anlagen, ob Anleihen, Immobilien oder Unternehmen."

Vor allem am Grundstücksmarkt seien Preisexzesse mittlerweile unübersehbar. "Die Bewertungen in den Metropolen sind bereits explodiert, und je mehr Investoren solche Objekte mit Tiefzinskrediten erwerben, desto ahängiger werden Immobilienmarkt, Banken und das gesamte Finanzsystem von der Droge des billigen Geldes", schreibt Flossbach. Zugleich werden Firmenkredite immer billiger, was bisweilen zweifelhafte Investitionsentscheidungen wie beispielsweise Übernahmen zur Folge habe, die sich anders nicht rechnen würden.

Casinomentalität bei Bonds
Europäische Staatsschuldtititel würden heute nicht mehr in der Absicht erworben, regelmäßig planbare Zinserträge zu erzielen. "Anleihen werden immer mehr zu einer opportunistischen Geldanlage, das heißt einer reinen Wette auf weiter fallende Renditen und steigende Kurse", schreibt Flossbach. Wer heute noch auskömmliche, laufende Erträge sucht, finde diese nur noch bei Aktien. (fp)

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