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Bert Flossbach: "Es wird einen Show-Down in Italien geben"

Über den Begriff Nachhaltigkeit lässt sich treffend streiten. Starmanager Bert Flossbach macht das am Beispiel Italien fest. Für die Aktienmärkte sieht es seiner Meinung wieder besser aus.

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Bert Flossbach, Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch
© Cornelis Gollhardt / Institutional Money

Die EU-Kommission plant die Einführung verbindlicher Nachhaltigkeitskriterien für Anbieter von Investmentfonds. Starmanager Bert Flossbach hält die Pläne der Kommission allerdings für unausgegoren, wie er auf einer Veranstaltung in Frankfurt unterstrich.

"Der Nachhaltigkeitsbegriff wird zu sehr auf den ökologischen Aspekt verengt", ist einer der Kritikpunkte Flossbachs. Das Wort, das von der Politik bewusst sehr schwammig gehalten werde, habe aber noch andere Dimensionen, die gerade im Hinblick auf Investitionen wichtig sind. Nachhaltigkeit meine auch "dauerhaft", "beständig", "stabil, "zukunftsfähig" und auch "langfristig erfolgreich".

So gesehen sei die Situation in Italien besorgniserregend. "Die Märkte stellen die Nachhaltigkeit der italienischen Haushaltspolitik und deren geplante Neuverschuldung in Frage", so der Manager. Schließlich seien die Renditen für italienische Staatsanleihen so hoch wie zuletzt 2014. Kernproblem sei, dass die meisten Gläubiger des Landes angesichts des Schuldenbergs von rund 2,3 Billionen Euro und geschätzten Zinszahlungen von über 51 Milliarden Euro im Jahr 2019 – Tilgungen nicht eingerechnet– schlicht keine neuen Papier kaufen wollen. 

Italien in der Schuldenfalle
Die Europäische Zentralbank (EZB), die im Rahmen ihres Anleihenkaufprogramms bisher fleißig Schuldtitel gekauft habe, werde das ab 2019 nicht mehr machen. "Daher ist die Gefahr eines Show-Downs in Italien groß", so Flossbach. Allerdings, so seine resignierende Einschätzung, werde die EZB am Ende allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz wohl doch einschreiten. Große Schuldner hätten ein starkes Druckmittel in der Hand: Sie können mit dem Austritt aus der Gemeinschaft und dem Euro drohen. Daher werde laut Flossbach die Notenbank notgedrungen reagieren müssen, "wie ein Doktor, der einem Patienten trotz massiver Nebenwirkungen ein Medikament verabreicht, nur weil dieser droht, sich in der Arztpraxis das Leben zu nehmen."

Eine Zinswende in Europa sei daher bis auf Weiteres ausgeschlossen: Es dürfe sie schlicht nicht geben, sonst bekämen Italien und andere Länder, aber auch Privatleute massive Probleme, etwa mit der Refinanzierung ihrer Immobilien, ist Flossbach sicher. Andere Sanktionen gegenüber Staaten, die sich nicht an die Stabilitätsvorgaben halten, gebe es schlicht nicht. "Das ist das Grundproblem des Euro, der nicht nachhaltig aufgestellt wurde", so Flossbach. 

Zumindest eine mutmachende Nachricht hatte er aber auch im Gepäck: Der Wendepunkt am deutschen sowie anderen Aktienmärkten werde wohl bald erreicht sein. Grundsätzlich, so Flossbach, sei die kürzlich erfolgte Korrektur überfällig gewesen. "Bei einigen Aktien musste einfach die Luft raus." (jb)

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