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Bernhard Matthes: „Wer das Gold hat, macht die Regeln“

Bernhard Matthes von der Pax-Bank für Kirche und Caritas bricht eine Lanze für Gold. Als langfristige Treiber des Goldpreises identifiziert er im Gespräch mit Institutional Money drei Faktoren und erklärt, warum Schwellenländer ein steigendes Interesse an dem Edelmetall zeigen.

Bernhard Matthes von der Pax-Bank für Kirche und Caritas sieht den Goldpreis durch verschiedene Treiber gestützt. 
Bernhard Matthes von der Pax-Bank für Kirche und Caritas sieht den Goldpreis durch verschiedene Treiber gestützt. © Pax-Bank für Kirche und Caritas

Eckpunkte:

  • 2022 als Wendepunkt geopolitischer Risiken
  • Schwellenländer treiben Goldnachfrage mittel- bis langfristig
  • Alternative Risikoprämien als Absicherung gegen Tail-Risiken

Die Nachfrage der Notenbanken nach Gold kann als ein wichtiger Treiber für den Goldpreis angesehen werden. Dass dabei die Schwellenländer eine vorrangige Rolle spielen, auch in ihrer Neupositionierung gegenüber dem Westen, glaubt Bernhard Matthes, Bereichsleiter Asset Management und Portfoliomanager der Pax-Bank für Kirche und Caritas aus Paderborn. Seiner Meinung nach markierte das Jahr 2022 hier einen Wendepunkt: „Über Jahrzehnte wies der Goldpreis eine enge Korrelation zu zwei Faktoren auf: einerseits zum Euro-Dollar-Wechselkurs und andererseits zum Realzins – stiegen diese, so wirkte das in der Regel dämpfend auf den Goldkurs. Dieser „fast physikalische“ Zusammenhang brach jedoch im Jahr 2022“, erläutert Matthes im Gespräch mit Institutional Money. Seit der Beschlagnahmung der russischen Fremdwährungsreserven seien insbesondere die Notenbanken in den Schwellenländern vorsichtig geworden, weiter in westliche Staatsanleihen zu investieren, weil sie neben möglichen fiskalischen Risiken insbesondere die politischen Risiken vermeiden wollten.

Asset ohne Gegenparteirisiko
Insbesondere die BRICS-Staaten könnten hierbei eine vorrangige Rolle spielen, glaubt Matthes. Neben Brasilien, Russland, Indien und China wie Südafrika zählen inzwischen auch Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie seit 2025 auch Indonesien zu dem Bündnis. Diese Staaten, aber auch andere Golfstaaten, Korea sowie die zahlreichen südostasiatischen Staaten, die strukturelle Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften, ehemalige Sowjetrepubliken und rohstoffbasierte Volkswirtschaften versuchten ihre Überschüsse in wertstabile Währungen anzulegen und möglichst risikofrei zu investieren, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche neue gemeinsame Verrechnungseinheit, eine neue internationale Währung. „Den langfristigen Aufschwung bei Gold interpretiere ich als einen Wettlauf um eine günstige Ausgangsposition im Hinblick auf eine denkbare neue internationale Währung als Verrechnungseinheit für den Handel der BRICS+ Staaten untereinander“, so Matthes.

Vor diesem Kalkül seien viele Staaten, insbesondere Schwellenländer, bestrebt, sich einen „möglichst attraktiven und kaufkraftstarken Erstwechselkurs für eine mögliche neue Verrechnungseinheit zu sichern“, sagt Matthes und erinnert scherzhaft an die sogenannte Goldene Regel: „Wer das Gold hat, macht die Regeln“. Matthes: „Zudem gibt es einen weiteren Grund, warum Notenbanken weltweit verstärkt Gold kaufen: Mit Gold haben sie ein wertstabiles Asset ohne Gegenparteirisiko.“

Aufgrund der Wertstabilität und der natürlichen Knappheit von Gold – im Jahr belaufe sich der Zuwachs an weltweit verfügbarem Gold auf 1,5 bis zwei Prozent – sei dieser Trend auch für die kommenden Jahre mittel- bis langfristig zu erwarten. Portfoliomanager Matthes sieht außer dem BRICS-Trend aber auch zunehmende fiskalische Risiken: Anleger schichteten aus Sorge vor einer schwächeren Bonität und Grenzen der Schuldentragfähigkeit vieler westlicher Schuldnerin Gold um. Außerdem ist ein tiefgreifender Vertrauensverlust in die Kaufkraftstabilität westlicher Währungen zu beobachten, wiederum durch die Inflationserfahrungen aus dem Jahr 2022. „Einerseits liegen in Substitutionseffekten von US-Treasuries nach Gold wichtige Gründe dafür, warum wir mittel- bis langfristig von einem Kurszuwachs für Gold ausgehen. Als weiteren Treiber sehen wir den Vertrauensverlust von Anlegern weltweit in ihre westlichen Ankerwährungen.“

Der Nachteil bei Gold sei, dass es keine Ausschüttungen liefert. „Wir nutzen alternative Risikoprämien wie Edelmetalle, Volatilität und Managed Futures in erster Linie zur Stabilisierung des Portfolios und als Absicherung gegen Tail-Risiken“, so Matthes.

Alternatives: geringe Korrelation zu Aktien und Renten
Zum Thema Nachhaltigkeit sagt Matthes: „Wir sind uns der Fragestellungen in Bezug auf Nachhaltigkeit bewusst. Edelmetalle an sich sind weder per se nachhaltig noch nicht-nachhaltig. Relevant sind vor allem die Abbau-Praktiken mit Blick auf Umwelt- und Arbeitsstandards sowie die Rückverfolgbarkeit, um sicherzustellen, dass das Gold nicht aus illegalen Quellen stammt. Daher erfolgen für Bergbauunternehmen, die in den Abbau von Edelmetallen involviert sind, entsprechende ESG-Bewertungen, sodass Investitionen nur dort erfolgen, wo bestimmte Standards erfüllt sind.“

Aktuelle Positionierung im BKC Treuhand Portfolio
Im BKC Treuhand Portfolio, einem UCITS-Fonds, der sich insbesondere an Stiftungen richtet, hält Matthes derzeit rund zehn Prozent Gold, die Alternatives im liquiden Bereich kommen auf gut 24 Prozent. „Die Herausforderung besteht hier, wie auch bei anderen alternativen Risikoprämien, darin, dass mit dem alternativen Portfolio eine möglichst geringe Korrelation zu Aktien und Zinsrisiken erreicht wird. Auf der anderen Seite müssen die für Stiftungen unerlässlichen laufenden Erträge generiert werden, und das dann mit einem Dreiviertel des Portfolios.“ Der Fonds investiert auf der Aktienseite deshalb ausschließlich in Dividendenaktien. (eng)

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