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Bernhard Matthes: Besser auf Rohstoffe als auf grüne Aktien setzen?

Profitieren letztlich weniger grüne „Bubble Stocks“, sondern vor allem Grund- und Rohstoffaktien vom Umbau der Energieerzeugung und Mobilität? Eine Antwort darauf gibt der Bereichsleiter des Asset Managements der Bank für Kirche und Caritas (BKC).

Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter BKC Asset Management und Portfoliomanager des BKC Treuhand Portfolios
Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter BKC Asset Management und Portfoliomanager des BKC Treuhand Portfolios
© Bank für Kirche und Caritas (BKC)

Begleitet von wirtschaftlicher Erholung und dem Zinsanstieg seit Ende 2020 ist an den globalen Aktienmärkten eine merkliche Stil-, Branchen- und Themenrotation wahrnehmbar: Die Technologie-Hausse läuft aus, der Dow Jones kann den Nasdaq 100 seit Jahresbeginn deutlich outperformen, Qualitätsaktien aus den Bereichen defensiver Konsum und Pharma bleiben zuletzt deutlich hinter High Beta-Aktien aus den Segmenten Energie, Grundstoffe und Finanzwerte zurück. Zudem mehren sich die Anzeichen, dass die jahrelange Outperformance der US-Märkte ihrem Ende entgegen kommen könnte und zyklischere Märkte, wie etwa Japan oder rohstoffbasierte Schwellenländer, die Oberhand gewinnen könnten, berichtet Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter BKC Asset Management und Portfoliomanager des BKC Treuhand Portfolios, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag. (aa)


Die Gewinner von gestern
Zu den „Gewinnern von gestern“ zählten unter anderem „Grüne Aktien“, mit denen Anleger auf den Trend der Energiewende setzten. Gerade Hersteller und Betreiber Erneuerbarer Energien erlebten einen Boom, der den Börsenwert vieler Unternehmen in schwindelerregende Höhen trieb. Die Jagd nach grünen Wachstumswerten kulminierte 2020 mit den Ankündigungen diverser „Green Deals“ und den Erwartungen, dass auch in den USA mit Amtsantritt der Biden-Administration der Weg zur Energiewende beschritten wird.

Der strukturelle Bullenmarkt von Erneuerbaren Energie Aktien oder auch Versorgern, die stark auf regenerative Energiequellens setzen, war fundamental gewiss unterfüttert und in sich logisch. Gleichwohl werfen die im Zuge der beeindruckenden Rallye erreichten Bewertungen Fragen auf, inwieweit Investoren das antizipierte Wachstum nicht bereits „überbezahlen“. Kurs-Gewinn- oder Kurs-Cashflow-Verhältnisse sind in vielen Fällen weit von jeder historischen Norm enteilt.

Blasenbildung bei Elektromobilität
Gut illustriert ist eine mögliche Blasenbildung gerade im Bereich der Elektromobilität. So überstieg die Marktkapitalisierung von Tesla zeitweise jene der zwölf global wichtigsten Wettbewerber, die im Jahr 2019 zusammen über 50 Millionen PKW produzierten, während Tesla auf gerade 400.000 ausgelieferte Modelle kam.

Zuletzt hat an den Märkten bereits ein spürbarer Realitätssinn eingesetzt. Tesla-Aktien gaben seit Jahresbeginn um bis zu 20 Prozent   von ihren Höchstständen ab und auch in vielen Wind- und Solaraktien dominierten Gewinnmitnahmen.

Weil sie realistischen Ertrags-Erwartungen vielfach bereits zu weit vorausgelaufen sind, könnte einigen „grünen Aktien“ nun ein ähnliches schmerzhaftes Schicksal drohen, welches Anleger mit den zwischen 2004 und 2007 populären Aktien des Solar-Booms erleiden mussten. Kein Segment des Kapitalmarkts ist immun gegen eine Blasenbildung, wenn zu viel Geld in eine „Thema“ fließt, und seien dessen Zukunftsaussichten auch noch so vielversprechend.

Metall für die Energiewende
Es scheint heute das gleiche Prinzip zu gelten wie im kalifornischen Goldrausch der 1840er Jahren: Nicht jene, die der offensichtlichen Ertragsquelle nacheilen (damals: Goldschürfen, heute: die „sichtbaren" Geschäftsmodelle: Solar- und Windparks), werden reich, sondern die Zulieferer. Während die meisten Goldsucher ihr Glück nicht fanden, gelangten wohl aber die Verkäufer von Schaufeln und Goldwaschpfannen zu Wohlstand. So könnten die eigentlichen Gewinner der globalen Energiewende auch heute in weniger offensichtlichen, aber unverzichtbaren Input-Industrien zu finden sein, vornehmlich im Bereich der Rohstoffe.

Klar ist: Der politisch gewollte Umbau von Energieerzeugung und Mobilität, begleitet von hohen öffentlichen Investitionen, benötigt gigantische Mengen an Metallen. Gerade Kupfer kommt eine Schlüsselrolle bei der Elektrifizierung und dem Netzausbau zu. Silber wird nachgefragt in der Herstellung von Solarmodulen, Platin in Wasserstoff-basierten Technologien. Nicht zu vergessen sind die im Vergleich zur konventionellen Verbrennungstechnologie noch immer kürzeren Lebenszyklen der Batterietechnologien.  Folglich müssen Nickel, Lithium und andere Metalle in entsprechenden Mengen für die Ersetzung erschöpfter Speichertechnik verfügbar sein. Gleichermaßen gilt für Wind und Solar, dass ein konstanter Ersatz ausgedienter Anlagen eine konstant hohe Nachfrage nach Rohstoffen generieren wird.

Vielfach wird daher heute schon von einem bevor stehenden „Rohstoff Superzyklus“ gesprochen. Der absehbar hohe Verbrauch von Industriemetallen und seltenen Erden wird den Minenbetreibern einen strukturell hohen Auftragsbestand sichern.

Unterinvestierte und unterbewertete Aktien mit Perspektive
Im Gegensatz zu den zur Perfektion gepreisten „grünen Aktien“, bieten viele Grund- und Rohstoffaktien nach ihrer jahrelangen Underperformance aber derzeit noch eine Sicherheitsmarge und Spielraum für denkbare Bewertungsausweitungen. Als unterinvestierte, ungeliebte und unterbewertete Aktien erfüllen sie die gängigen Anforderungen an ein Value-Investment. Der absehbare realwirtschaftliche Nachfrageboom trifft auf eines der wenigen verbliebenden Kapitalmarktsegmente, das auch im „Rausch des billigen Geldes“ – der durch die Notenbanken herbeigeführten Überversorgung mit Liquidität – noch als vertretbar bewertet gelten kann.

Nachhaltige Rohstoffinvestitionen sind möglich
Unter Aspekten der nachhaltigen Geldanlage erscheinen Rohstoffinvestitionen für einige Anleger grundsätzlich als fragwürdig. Daher gehen wir in der Selektion entsprechender Unternehmen hochgradig differenziert vor. Auch innerhalb einer an sich als problembehaftet geltenden Branche können Unternehmen mit hohen Umwelt- und Sozialstandards identifiziert werden. In unserem Mischfonds BKC Treuhand Portfolio (WKN A0YFQ9) wählen wir solche Unternehmen aus, die bereits über längere Zeiträume einen konsistent hohen ESG Track Record demonstriert haben und zugleich über ein profitables Geschäftsmodell und ansprechende Bewertungseigenschaften verfügen:

 

KGV* „Grüne Aktien“

KGV* „Input-Aktien“

PNE Wind

negativ

Boliden

28,0

Solaredge

61,2

Ferrexpo

5,4

Encavis

49,6

Fortescue Metals

5,6

Orsted

44,2

Reliance Steel

16,2

Verbund AG

38,3

First Quantum

20,2

Nextera

30,1

Anglo American Platinum

8,3

*Kurs-Gewinn-Verhältnis, jeweils Schätzung 2021, Quelle Bloomberg und eigene Berechnungen, Stand März 2021. Disclosure: BKC-Fonds halten zum Zeitpunkt der Erstellung Anteile an Boliden und Reliance Steel

 

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