Berlin Hyp sieht bei Immobilien neuen Nachfragetreiber
Die Immobilienfinanzierungstochter der LBBW ortet bei gewissen Immobilien hohe Nachfrage seitens des Militärs und dessen Ausrüster.

Die großen Investitionen im Bereich Rüstung und Verteidigung könnten sich positiv auf den Immobilienmarkt auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt die LBBW-Tochter Berlin Hyp in einer Kurzstudie, die jüngst vorgestellt wurde, wie Bloomberg kurz berichtet.
Zusätzliche Nachfrage
Deutschland und viele andere europäische Länder fahren angesichts des Angriffskriegs auf die Ukraine gerade ihre Verteidigungsausgaben hoch. Es etabliere sich im Moment “mit dem Rüstungs- und Verteidigungssektor ein neuer Nachfragetreiber”, erklärte die LBBW in der gemeinsam mit dem Immobilienberater Bulwiengesa erstellten Studie.
Geopolitische Veränderungen hätten für Handlungsbedarf im Bereich Rüstung und Verteidigung gesorgt - und es brauche nicht nur Kasernen, sondern auch vermehrte logistische Kapazitäten. Es gebe erhebliche gewerbliche Flächenbedarfe. Konkrete Investitionen wie die von Rheinmetall in Unterlüß und die Umnutzung von Automobilwerken für die Rüstungsproduktion würden die Marktdynamik belegen.
“Die Zeitenwende ist jetzt endgültig in der Immobilienbranche angekommen”, sagte LBBW-Vorstand Sascha Klaus. “Klar ist, dass künftig vermehrt Flächen für eine verteidigungsbezogene Nutzung benötigt werden.”
Unterdeckung
In fünf ausgewählten Rüstungsregionen in Deutschland könnte es laut der Studie bis 2030 einen Flächenbedarf von 4,2 Millionen Quadratmetern geben, wobei die Fertigstellungspipeline “wie erwartet eine Unterdeckung andeutet”.
Zu den aktuellen Chancen zählen der Studie zufolge, dass bei einer Anmietung durch die öffentliche Hand langfristig planbare Einnahmen garantiert sind. Ein weiteres Potenzial für einen Mietvertragsabschluss liege derzeit auch bei den Zulieferbetrieben. Deren Anforderungen an die Immobilien seien dabei zumeist weniger restriktiv als bei der öffentlichen Verwaltung.
Dual-Use-Immobilien haben ihre Meriten
Vielversprechend erscheinen laut der Studie sogenannte Dual-Use-Immobilien, die eine zivile wie militärische Nutzung ermöglichen und über eine bessere Drittverwendungsfähigkeit verfügen. Der Verteidigungssektor könne sich als wertvolle Nische erweisen, bilanzieren die Autoren.
Kreditgeber hoffen ebenfalls auf Geschäft
Auch für die Finanzierer solcher Immobilien könnten sich Chancen ergeben, hatte unlängst eine Befragung von Finanzierungsexperten in Deutschland durch den Makler JLL gezeigt. So erwarteten 82 Prozent, dass es wegen Rüstungsausgaben mehr Finanzierungen in der Assetklasse Lager und Logistik geben werde. (aa)

