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Berenberg Bank schwimmt gegen den Strom mit Expansion in London

Während Tausende von Stellen im Londoner Finanzsektor und Aktiva in Milliardenhöhe abgezogen werden, bewegt sich Deutschlands älteste Bank interessanterweise in die entgegengesetzte Richtung.

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"Wie auch immer der Brexit ausgehen mag, London wird weiterhin das Gravitationszentrum für Finanzdienstleistungen in Europa sein", sagt David Mortlock (Bild links), Leiter des Investment Banking der Bank in London. "Wir bekennen uns klar zu London als Zentrale unseres Aktiengeschäfts", weil derartige Drehscheiben so schwer aus dem Nichts aufzubauen sind.
© Berenberg Bank

Seit ihrer Gründung im Jahr 1590 in Hamburg hat die Berenberg Bank alles schon einmal gesehen. Und jetzt sieht sie Chancen, nachdem sich Konkurrenten angesichts des Brexit-Chaos zurückziehen. Die Bestrebungen des Instituts in Großbritannien sind Teil eines ehrgeizigen Expansionsplans für das Investment Banking im Ausland, da der Heimatmarkt stagniert. 

Unternehmensbroker-Mandate erfolgreich eingeholt
Seit 2015 - ein Jahr, bevor die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union votierten -  hat Berenberg in seinem hinter der Bank of England gelegenen Hochhaus die Anzahl der Mitarbeiter von 250 auf fast 400 erhöht. In den drei Jahren sind Unternehmensbroker-Mandate, eine spezifisch britische Beratungsfunktion, von Null auf 40 gestiegen. Zu den britischen Aktientransaktionen der Gruppe zählten eine Aktienplatzierung in Höhe von 193 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) für Burford Capital, einem Anbieter von Prozessfinanzierungen; eine 30-Millionen-Pfund-Transaktion für den Logistiker Eddie Stobart und ein Börsengang von 62 Millionen Pfund für das Unterseekabelunternehmen Tekmar Group, wie Bloomberg News berichtet.

Wider den Strom
Inzwischen haben die weltweit größten Banken Pläne für die Verlagerung von mehreren tausend Mitarbeitern in Städte wie Paris, Dublin und Madrid umrissen. Und fünf der größten Banken, die in der EU Leistungen anbieten wollen, transferieren Bilanzaktiva in Höhe von 750 Milliarden Euro nach Frankfurt. Es ist nicht das erste Mal, dass Berenberg gegen den Strom schwimmt, um von ihrem Hauptgeschäft als Privatbank, die sich um wohlhabende Privatpersonen kümmert, zu diversifizieren. Die Bank, an der die Gründerfamilie immer noch beteiligt ist, wird von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt nutzte Berenberg die angeschlagene Lage von größeren Konkurrenten, um Marktanteile im Investmentbanking-Geschäft in Deutschland zu gewinnen.

Expansion nach New York
Die beiden Senior-Partner Hendrik Riehmer und Hans-Walter Peters unterstützten die Strategie auch mit dem Erwerb eines Anteils von 21 Prozent. Dann kam via London der Vorstoß im Bereich europäische Aktien sowie eine Expansion in New York, wo die Bank vor kurzem erstmals bei einem US-Börsengang beraten hat. Im Jahr 2017 verdoppelte sich der Gewinn auf 90 Millionen Euro gegenüber dem Niveau von 2009. Auch die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich auf 1.576.

Aber es ging nicht nur in eine Richtung
Anfang des Monats durchsuchte die Hamburger Staatsanwaltschaft zwei Berenberg-Standorte und zwei Privathäuser wegen eines Verdachts, dass der geschäftsführende Gesellschafter Riehmer in Insiderhandel im Zusammenhang mit dem Verkauf des Anteils der TUI AG an Hapag-Lloyd AG verwickelt war. Unternehmenssprecher Karsten Wehmeier sagte, dass Berenberg kooperiere und überzeugt sei, dass kein Fehlverhalten vorliege.

Gewinnrückgang 2018
Im Jahr 2018 sank der Gewinn um rund drei Viertel auf 23 Millionen Euro und die Bank begann, sich aus einigen Märkten zurückzuziehen. Berenberg hat Ende 2018 über 80 Prozent an einer Schweizer Tochtergesellschaft verkauft und schließt ihre Niederlassung in Wien.

Bankgeschäft mit ruhiger Hand
"Ihre Entschlossenheit, trotz Brexit ihre Londoner Ziele zu verfolgen, zeigt, dass die Bank nicht von den heutigen Turbulenzen abgelenkt wird", sagt Stefan Stern, Professor an der Cass Business School, gegenüber Bloomberg. "Dies scheint ein klassischer Fall von geduldigem Kapital zu sein", fügt er hinzu. Laut Mortlock profitiert Berenberg davon, dass die Bank mehr Sales- und Research-Mitarbeiter hat als die Nischen-Investmentfirmen, deren Dienste mittelständische Kunden in der Regel nutzen. Häufig arbeitet die Bank auch mit anderen Beratern zusammen.

EMENA-Positon ausgebaut
Im vergangenen Jahr ist Berenberg bei der Platzierung von Aktienemissionen in der Region Europa-Nahost-Afrika vom 19. auf den neunten Platz vorgerückt und hat größere Banken wie Barclays, Société Générale und BNP Paribas überholt. "Es herrschen schwierige Bedingungen für die Häuser, die an den Aktienmärkten in London aktiv sind", sagt Peter Bacchus, der Chairman von Bacchus Capital, im Blomberg-Talk. Die Märkte wüchsen überhaupt nicht und daher gehe es taktisch darum, ein größeres Stück von einem unveränderten Kuchen zu ergattern. (kb)

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