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Benjamin Jones, Invesco: „Glauben Sie, die Welt ist sicher?“

Der Global Head of Research, Strategy and Insights bei Invesco stellte in einem Vortrag vor Profianlegern viele von deren grundsätzlichen Annahmen zu den Märkten in Frage und erklärte, wo Investoren ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis vorfinden.

Benjamin Jones, Global Head of Research, Strategy and Insights, Invesco: "Glauben Sie wirklich, Duration fungiert als bester Diversifikator? Denken Sie nochmals nach!"
Benjamin Jones, Global Head of Research, Strategy and Insights, Invesco: "Glauben Sie wirklich, Duration fungiert als bester Diversifikator? Denken Sie nochmals nach!"© Anton Altendorfer für Institutional Money

Eckpunkte:

  • Mehrere Entwicklungen sorgen für höhere Inflationsraten und eine Änderung der Korrelationseigenschaften
  • Investoren sollten auf Sicht US-Exposure und längere Durationen meiden
  • Aussichtsreich könnten variabel verzinste Produkte, Privatmarktanlagen sowie Emerging Markets sein

„Glauben Sie, die Welt ist sicher? Denken Sie nochmals nach!“ eröffnete Benjamin Jones, Global Head of Research, Strategy and Insights bei Invesco, seinen vielbeachteten Vortrag vor Investoren in Wien, in dem er durchaus kritisch die aktuelle Situation aus dem Blickwinkel der Geopolitik, der Wirtschaft und der Finanzmärkte auf den Prüfstand stellte. Er zeigte anhand einer Grafik, dass seit Ende des zweiten Weltkrieges so viele Staaten wie nie in diverse Konflikte oder gar Kriege verwickelt waren. Jones kommt bei seiner Art zu zählen auf über 60 Staaten.

Dies hat massive Auswirkungen, die Investorenüberlegungen auf längere Sicht beeinflussen. Denn Konflikte, und vor allem Kriege, zwingen Staaten zu höheren Verteidigungsausgaben. Diese sind einerseits Konjunktur-, aber auch Inflationsfördernd.

Hinzu kommen weitere Inflationstreiber, wie die gesperrte Straße von Hormus aktuelle beweist. Denn durch die Sperre kommt es zu Lieferengpässen bei vielerlei Produkten (Gas, Öl, Dünger, Helium etc.).

Als weitere Belastungen für die Sozialsysteme nannte Jones die KI-Fortschritte, die in vielen Branchen einen massiven Personalabbau auslösen könnte sowie eine immer ältere Gesellschaft und deren Rentenansprüche. Dies wird die Sozial-Budgets der Staaten stark strapazieren.

Angesichts all dieser Belastungsfaktoren könnten Staaten, die bereits jetzt massive Schuldenberge angehäuft haben, an ihre finanziellen Grenzen stoßen und überlegen, ihre Schulden über höhere Inflationsraten peu a peu zu reduzieren.

Auswirkungen auf die Investmentstrategien
Vor diesem Hintergrund sollten sich institutionelle Investoren auf eine neue Investment-Ära mit wesentlich höheren Inflationsraten und zum Teil auch höheren (Nominal-) Zinsätzen als in den ersten beiden Jahrzehnten dieses Jahrtausend einstellen.

„Glauben Sie wirklich, Duration fungiert als bester Diversifikator? Denken Sie nochmals nach!“, stellte Jones die langjährige bewährte Strategie, in Krisenzeiten in langlaufende Staatsanleihen zu investieren, in Frage. Denn in der neu begonnenen Investment-Ära wechsle die bis ca. 2022 dominierende negative Korrelation zwischen Anleihen und Aktien wie in den 1970er-Jahren nunmehr auf längere Zeit zu einer positiven Korrelation setze in Folge klassische 60/40-Portfolios unter Stress.

Als Ausweg nannte Jones Investmentsegmente wie Privatmarktanlagen, Short-Duration-Strategien sowie variabel verzinste Credit-Lösungen wie CLOs oder Bank Loans.

Fallender Greenback
Eingedenk der hohen Defizite und Schulden der USA erwartet Jones zukünftig einen fallenden US-Dollar und im Umkehrschluss eine Outperformance von EM-Aktien im Vergleich zu den mittlerweile relativ hoch bewerteten US-Aktienmärkten. „Schwellenländer neigen zu einer Outperformance, wenn der US-Dollar schwächelt“, erinnerte Jones und wies darauf hin, dass der US-Dollar jüngst eine massive technische Schwäche offenbarte. Denn trotz aller Krisen der letzten Wochen und Monate ist der Greenback gegenüber dem Euro relativ schwach geblieben, statt stark zu steigen. Das spricht für einen auf längere Sicht schwächeren US-Dollar, falls sich die geopolitische Lage beruhigen sollte. (aa)

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