Bei diesem Segment könnte Europa gegenüber den USA im Vorteil sein
Der Anlagechef von RBC BlueBay Asset Management zeichnet ein aktuelles Marktbild und erklärt, wo er im Anleihenbereich attraktive Chancen-/Risikoverhältnisse sieht.

Eckpunkte:
- Erstes Halbjahr war herausfordernd, Inflation weiterhin hoch
- Kaufenswert sind Inflation-Linked-Bonds und entsprechende Swaps
- Rezession in Europa wahrscheinlich
- Euro-Bonds sollten besser als US-Treasuries performen
- Einige Schwellenländerlokalwährungsanleihen interessant
"Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte müssen wir anerkennen, dass die vergangenen Monate aus makroökonomischer Anlageperspektive eine herausfordernde Phase waren", resümiert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, die Marktentwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Anlagejahres.
Das zweite Quartal über rechnet Dowding mit einem verstärkten und anhaltenden Inflationsschock (und setzt in Folge auf inflationsgebundene Anleihen und Swaps) sowie mit Rezessionsrisiken in Europa aufgrund von Inflation, strafferer Geldpolitik und Störungen in den Lieferketten. "Diese Trends haben sich nicht verfestigt, weshalb eine Neupositionierung und Neubewertung notwendig wurde", merkt Dowding an.
Europa ausnahmsweise im Vorteil
Dennoch ist Dowding weiterhin fest davon überzeugt, dass die Inflation in den USA anhalten wird, dass europäische Anleihen gegenüber US-Staatsanleihen eine relative Outperformance erzielen werden und dass sich das lange Ende der Renditekurve in Japan abflachen wird.
Dowding sieht Chancen in einigen Lokalwährungsmärkten der Schwellenländer und geht davon aus, dass sich die Schwellenländer besser entwickeln könnten, falls die Trends hin zu einem stärkeren Dollar und höheren US-Renditen nachlassen.
Credits: Selektivität gefragt
Bei Unternehmensanleihen verfolgt RBC BlueBay AM einen Relative-Value-Ansatz, und obwohl das Haus derzeit nur ein moderates Wechselkursrisiko eingeht, wird davon ausgegangen, dass die anhaltenden globalen und geopolitischen Turbulenzen sowie die Volatilität in den kommenden Wochen und Monaten Chancen für eine aktive Positionierung bieten werden.
"Europa stöhnt unter einer Hitzewelle, doch während die Kontinentaleuropäer Sonnenbrand bekommen, scheint vielen Briten aktuell eher die Schamesröte ins Gesicht zu steigen, wenn sie an das Brexit-Referendum vor zehn Jahren denken. Aus der Geschichte lässt sich immer wieder lernen, um in Zukunft nicht in vergleichbare Situationen zu geraten. Die erste Hälfte des Jahres 2026 war nicht einfach, aber jeder Fußballfan wird bestätigen, dass das Spiel selten in den ersten 45 Minuten entschieden wird. Auf eine starke zweite Halbzeit!", erklärt Dowding abschließend mit Blick auf die politische Lage Großbritannien. (aa)

