Beat Thoma sieht mehrere Warnsignale für die Finanzmärkte
Der Chief Investment Officer beim Schweizer Asset Manager Fisch Asset Management zeichnet ein aktuelles Marktbild und geht insbesondere auf jene Faktoren ein, die das lange Ende der Zinsstrukturkurve belasten.
Eckpunkte:
- Mehrere Faktoren bringen das langen Ende der Zinskurve unter Druck
- Das kurze Ende erscheint derzeit attraktiver
- Wandelanleihen sind eine interessante Option
Der weltweite Rückgang der Finanzmarktliquidität hat sich in den vergangenen Wochen verschärft, vor allem weil die chinesische Notenbank PBoC ihre Liquiditätsspritzen unerwartet zurückgefahren hat. Beat Thoma, Chief Investment Officer beim Schweizer Asset Manager Fisch Asset Management, sieht darin ein Warnsignal für die Finanzmärkte: „Eine anhaltend solide Konjunktur und wieder deutlich anziehende Inflationsraten tragen zum Liquiditätsmangel bei. Die Risiken an den Aktien- und Staatsanleihenmärkten nehmen damit zu."
Viel Gegenwind
Beat weist in seinem aktuellen Marktkommentar auf die gestiegenen Renditen langlaufender Staatsanleihen. In Deutschland, Japan, den USA und Großbritannien haben sie teilweise die höchsten Niveaus seit Jahrzehnten erreicht. Ein Auslöser ist laut Thoma eine Abnahme der globalen Finanzmarktliquidität, die schon länger läuft, sich zuletzt aber beschleunigt hat. "Haupttreiber ist die chinesische Zentralbank, die das Finanzsystem zuvor mit Liquidität geflutet hatte und nun auf einen restriktiveren Kurs umschwenkt. Vermutliche Gründe sind eine wieder höhere Inflation in China und der Wunsch nach einem starken Yuan gegenüber dem US-Dollar", hält Thoma fest.
Monetarisierung von US-Staatsschulden
Hinzu kommt eine robuste globale Konjunktur, getragen von hohen Investitionen der US-Technologieunternehmen und massiven Staatsausgaben. In den USA werden diese Ausgaben zunehmend über kurzlaufende T-Bills statt über langlaufende Anleihen finanziert. Das monetisiert Beat zufolge die Staatsschulden, erhöht die Bankreserven und ermöglicht eine höhere Kreditvergabe. "Diese Kombination aus fallender Liquidität, guter Konjunktur, hoher Staatsverschuldung und steigender Inflation belastet die Staatsanleihenmärkte unmittelbar. Hohe Energiepreise infolge des andauernden Irankriegs verstärken den Druck zusätzlich", betont Thoma.
Duration: In der Kürze liegt die Würze
Thoma empfiehlt, in den Portfolios die Zinsduration moderat zu verkürzen. Die Aufwärtstrends der Aktienmärkte seien zwar noch intakt, doch bietee bereits jetzt die Umschichtung von direkten Aktieninvestments in Wandelanleihen attraktive Chancen, da diese ein asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil aufweisen. "Auch Unternehmensanleihen profitieren von der guten Konjunktur und sind eine interessante Alternative zu Staatsanleihen", erklärt Thoma abschießend. (aa)

