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Beat Thoma: "Markterholung mit Vorsicht zu genießen"

Der CIO von Fisch Asset Management wird angesichts zurückgekehrter Euphorie unter den Investoren und zuletzt stark gestiegener Aktienkurse skeptisch und empfiehlt, Risiken etwas zu reduzieren. Gute Nachrichen kommen hingegen von der Inflationsfront.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management
Beat Thoma, Fisch Asset Management
© Axel Gaube / Institutional Money

"Die positiven Meldungen in den USA hinsichtlich Konsumentenstimmung, Arbeitsmarkt, Konsum sowie Unternehmensgewinnen sind äußerst untypisch für eine Rezession. Deshalb führen wir die beiden vergangenen Quartale mit negativem Wachstum eher auf Basiseffekte und nicht auf eine schwache Wirtschaft zurück", kommentiert Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management, das aktuelle Marktgeschehen.

Eine etwas wieder tiefere Inflation aufgrund von teilweise stark fallenden Rohstoffpreisen und abnehmenden Lieferkettenproblemen dürfte Thomas Einschätzung nach zusätzlich für eine bessere Konsumentenstimmung sorgen.

Eine vergleichbare Kombination aus stabilerem Wirtschaftswachstum und abnehmender Inflationsdynamik sei derzeit auch in Europa zu beobachten. Außerdem wirken eine moderate Geldpolitik der EZB und das angekündigte Kaufprogramm der EZB für Staatsanleihen der Peripheriestaaten (TPI) sehr unterstützend. "Für die Aktien- und Kreditmärkte ergibt sich daraus für die kommenden Wochen ein günstiges Umfeld. Zudem dürften auch die Zinsen langfristiger Staatsanleihen nur noch moderaten Aufwärtsdruck erhalten", hält Thoma fest.

Fed ist der Party-Crasher
Allerdings bleibe das Aufwärtspotenzial global beschränkt, solange die Fed ihren restriktiven geldpolitischen Kurs weiterführt. Insbesondere die Bilanzreduzierung bleibt eine unterschätzte Gefahr. Zudem fallen die Geldmengen M1 und M2 in den USA deutlich. "In einem derartigen monetären Umfeld sind Markterholungen unserer Ansicht nach klar beschränkt und mit Vorsicht zu genießen", warnt Thoma.

Historische Vergleiche deuten auf stark erhöhte Korrekturgefahren spätestens ab Oktober dieses Jahres hin. Die US-Zinskurve (Fed Funds vs. 10 Jahre) ist zwar noch nicht invertiert, aber mittlerweile flach. Der Grund dafür könnten die fallenden Inflationserwartungen sein, was sehr positiv wäre. Es könnte aber auch der Vorbote einer Rezession im nächsten Jahr sein, mit entsprechenden Folgen für die Börsen nach den Sommermonaten.

Rückkehr der Euphorie
Beachtenswert sei auch die Investorenstimmung. Sie nähert sich Thoma zufolge wieder euphorischen Levels und könnte mittelfristig ebenfalls ein markttechnisches Problem darstellen. "Trotz des positiven globalen Umfelds positionieren wir uns deshalb in unseren Strategien neutral bis leicht defensiv, bis sich ein Kurswechsel der US-Notenbank abzeichnet", verrät Thoma.

Gute Nachrichten von der Inflationsfront
Abschließend wirft Thoma in seinem Kommentar noch ein genauerer Blick auf den wichtigen Faktor Inflation. Die Inflationserwartung in den USA für die nächsten fünf Jahre ist auf den 20-Jahresdurchschnitt gefallen. Das sei erstaunlich, und es belegt, dass die Investoren weiterhin Vertrauen in die Geldpolitik und die Geldwertstabilität haben. Die aktuell hohe Inflation wird als temporär erachtet. Dies liefere eine direkte Entlastung für die Fed. Die Geldpolitik muss nicht weiter verschärft werden. Im Gegenteil könnte die Fed in absehbarer Zeit von ihrem aktuell zu restriktiven Kurs wieder abweichen. Indirekt führen fallende Inflationserwartungen auch zu positiven Impulsen für die Konsumenten. Insgesamt sinkt damit das Rezessionsrisiko, was das aktuelle Aktien- und Kreditmarktrally in den kommenden Wochen unterstützen könnte. "Mittelfristig überwiegen aber die Risiken aufgrund der zu straffen US-Geldpolitik deutlich", betont Thoma abschließend. (aa)

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