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Bayerische Versorgungskammer: Immobilienverluste offenbar doch höher!

Bei der größten öffentlich-rechtlichen Versorgungsgruppe Deutschlands herrscht derzeit keine vorweihnachtliche Besinnung. Denn Verluste aus Immobilieninvestments in den USA sorgen für Unruhe in München. Nun hat das Management reagiert und nimmt Verbesserungen vor.

Die Bayerische Versorgungskammer (BVK), verantwortlich für die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen, kommt dieser Tage nicht zur Ruhe. Wie diverse Medien berichten, sollen die im Laufe dieses Jahres ruchbar gewordenen Verluste aus schief gelaufenen Immobilienprojekten in den USA doch etwas größer sein, als ursprünglich angenommen.

BVK legt die Zahlen auf den Tisch
Die BVK reagierte auf die in den Medien herumgereichten Zahlen und nennt nun auf ihrer Webseite die in den betroffenen Immobilien investierten und zum Teil wohl auch gefährdeten Summen: So ist die BVK bei drei besonders risikobehafteten Projektentwicklungen sowie einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco, engagiert. Das entsprechende Investitionsvolumen dieser Projekte beträgt 820 Millionen Euro, wie die BVK bereits vor Monaten öffentlich erklärte.

Darüber hinaus sind die Münchener in drei Bestandsobjekte investiert. Für diese liegt die Investitionssumme bei rund 770 Millionen Euro.

Insgesamt kann daher laut BVK das Eigenkapitalengagement im Rahmen von US-Immobilieninvestitionen mit der Deutschen Finance und SHVO auf rund 1,6 Milliarden Euro beziffert werden. Dieser Betrag entspricht weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlage zum Ende 2024.

Mit Blick auf die Entwicklungs- und Renovierungsprojekte wurden auf Ebene des Zielfonds Wertberichtigungen in Höhe von rund 163 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024 vorgenommen. Diesbezüglich muss hier Stand heute von einem weiteren Verlustrisiko in den Zielfonds in Höhe von bis zu 690 Millionen Euro ausgegangen werden. Dies würde einem Anteil an der gesamten Kapitalanlage in Höhe von rund 0,6 Prozent entsprechen. Es wird daher laut BVK „mit Hochdruck daran gearbeitet, diese Risiken nach Möglichkeit zu minimieren.“

Bei den drei Bestandsobjekten bestehen keine vergleichbaren Risiken, es können jedoch temporäre, buchhalterische Wertberichtigungen nicht ausgeschlossen werden. Diese sind nicht mit Verlusten gleichzusetzen, betont die BVK.

US-Anwälte greifen in die juristische Trickkiste
Von Interesse ist, dass enttäuschte Mieter in den USA gegen die BVK vorgehen wollen und sich deren Anwälte auf das Rico-Gesetz berufen – das ist ein besonders scharfes Instrument zur Bekämpfung organisierter Kriminalität. Dabei ist die BVK nicht direkt, sondern über Fonds investiert und selber Opfer.

Konsequenzen gezogen
Als Reaktion auf die Compliance-Verstöße und die Nähe zum US-Investor und Projektverantwortlichen Michael Shvo wurde der langjährige Abteilungsleiter für Immobilien Investment Management, Rainer Komenda, entlassen (der dagegen klagt). In Folge trennte sich die BVK in der Folge auch von Komendas Vorgesetzten, Norman Fackelmann (Institutional Money berichtete).

Mittlerweile beschäftigten die Verluste aus den US-Immobilienprojekten den Bayerischen Landtag in Geheimsitzungen.

Keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen, professionelle Reaktion
Die BVK merkt an, dass die Verluste keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen für ihre 2,7 Millionen Mitglieder und Versicherten haben. Das ist verständlich angesichts eines Anlagevolumens von in Summe rund 117 Milliarden Euro.

Die Verluste würden durch die guten Ergebnisse aus anderen Anlageklassen (gemäß der Diversifizierungsstrategie) kompensiert. Die BVK meldete für 2024 eine kapitalgewichtete Nettoverzinsung von rund 3,4 Prozent und übertraf damit die erforderlichen Mindestverzinsungen.

„Der verantwortungsvolle Umgang mit den Beiträgen unserer Versicherten und Mitglieder ist unsere oberste Pflicht“, betont Axel Uttenreuther, Vorstandsvorsitzender der BVK. „Wir bedauern, dass es in den USA im Immobiliengeschäft zu Verlusten gekommen ist. Zugleich ist es wichtig festzuhalten, dass diese durch die guten Ergebnisse aus den anderen Assetklassen gemäß unserer Diversifizierungsstrategie kompensiert werden. Es haben sich bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen für unsere 2,7 Millionen Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger ergeben. Und auch für die Zukunft gilt: Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist sicher.“

Wie die BVK auf die Thematik reagiert, können Sie obiger Bildergalerie entnehmen. (aa)

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