Logo von Institutional Money
| Märkte

BASF-Chef warnt vor diesem Downside-Risiko

Markus Kamieth, Vorstandsvorsitzender des größten Chemiekonzerns der Welt, warnt vor Lieferkettenrisiken in der Autoindustrie. Im Worst Case könnten die Fließbänder still stehen und die Arbeiter nach Hause geschickt werden. Das wäre ein weiterer Nackenschlag für die Realwirtschaft.

Markus Kamieth, BASF, warnt vor Versorgungsengpässen: "Das ist ein Downside Risk, das ich für die zweite Jahreshälfte sehe."
Markus Kamieth, BASF, warnt vor Versorgungsengpässen: "Das ist ein Downside Risk, das ich für die zweite Jahreshälfte sehe."© Gilles Sabrié/Bloomberg

Eckpunkte:

  • Zahlreiche Probleme belasten die Wirtschaft
  • Komplexe Lieferketten bergen Risiken, die im Worst Case zu einem totalen Produktionsstopp in der Autoindustrie führen könnten

Die steigende Inflation und die Gefahr von Störungen in der Lieferkette aufgrund des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran trüben nach Ansicht von BASF-Chef Markus Kamieth die Aussichten für die Automobilindustrie und die Gesamtwirtschaft. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Helium und Schwefel werden knapp
Materialengpässe würden wahrscheinlicher und könnten eng getaktete Lieferketten wie in der Autoproduktion zum Stillstand bringen, sagte Kamieth bei einem Treffen mit Journalisten in Frankfurt. Der Konflikt trage bereits zu einer Verknappung von Vorprodukten wie Schwefel und Helium be.

BASF ist ein wichtiger Zulieferer der weltweiten Autoindustrie und stellt Lacke, Kunststoffe, Katalysatoren, Batteriematerialien sowie weitere Chemikalien her, die von Autoherstellern und deren Zulieferern verwendet werden. Engpässe bei Grundstoffen könnten das Risiko von Produktionsstopps in einer Branche erhöhen, die auf Tausende Komponenten aus verschiedenen Quellen angewiesen ist.

Steigende Risiken
“Das ist ein Downside Risk, das ich für die zweite Jahreshälfte sehe”, sagte Kamieth. “Es gibt dieses schleichende Risiko, dass irgendwann ein Material nicht mehr verfügbar sein wird.”

Die Äußerungen verdeutlichen die Herausforderung für Politik und Unternehmen, die Folgen des Krieges im Nahen Osten einzuschätzen. Einkaufsteams bei Volkswagen, Mercedes-Benz und anderen Autoherstellern versuchen, die Auswirkungen abzumildern. Störungen können jedoch schwer zu erkennen sein, wenn sie weit vorgelagert bei Chemikalien, Metallen oder anderen Grundstoffen beginnen, berichtet Bloomberg des Weiteren.

Chemiebranche beliefert fast alle anderen Branchen, hat exzellente Einblicke
BASF mit Sitz in Ludwigshafen, einer der größten Chemiekonzerne der Welt, betreibt Standorte rund um den Globus und ist damit vergleichsweise anfällig für geopolitische Schocks. Die europäischen Werke des Konzerns sind eng mit den automobilen Lieferketten der Region verflochten. Zudem hat BASF zuletzt einen großen neuen Produktionskomplex in China eröffnet.

Nächster herber Schlag für die Weltwirtschaft: Taiwan-Krieg?
Kamieth sagte, er glaube nicht, dass China oder die USA einen Konflikt um Taiwan auslösen wollten. Eine vollständige westliche Entkopplung von China wäre selbst im Fall einer Konfrontation um das umstrittene Gebiet unmöglich.

Bloomberg Economics schätzte in dieser Woche, dass ein Krieg um Taiwan die Weltwirtschaft etwa 10 Billionen Dollar (8,6 Billionen Euro) kosten würde, rund acht Prozent des globalen BIP.

“Sanktionen würden kommen, Gegenmaßnahmen würden kommen”, sagte Kamieth. Zugleich wies er Vergleiche mit Russlands Invasion in der Ukraine und der Reaktion westlicher Volkswirtschaften mit finanziellen Gegenmaßnahmen zurück. “Russland ist vom Wirtschaftseffekt her mini-mini im Vergleich zu China”, sagte er. (aa)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion