Barings: Chancen bei High Yield – Risiken driften auseinander
Starke Nachfrage, widerstandsfähige Konjunktur und solide Unternehmensbilanzen stützen den Markt für Hochzinsanleihen. Doch unter der Oberfläche arbeitet es, weil Risiken je nach Sektor, Region und Emittent immer weiter auseinanderdriften.
Eckpunkte:
- Makroökonomische Rahmenbedingungen widerstandsfähiger
- Auch Europa zeigt sich robuster
- Anteil der BB-Emittenten im historischen Vergleich höher
- Kreditprüfung bei Finanzierungen von KI-Infrastruktur mit Herausforderungen
Der Markt für Hochzinsanleihen zeige sich robuster als erwartet, jedoch drifteten Risiken je nach Sektor, Region und Emittent immer weiter auseinander. Für Anleger wird daher aus Sicht von Scott Roth, Head of Global High Yield und Chris Sawyer, Head of European High Yield bei Barings die selektive Auswahl entscheidend – mit besonderem Blick auf den Anteil der BB-Emittenten, auf wachsende Refinanzierungsrisiken sowie auf Chancen und Risiken rund um KI-Infrastruktur.
Die Hochzinsmärkte werden aus ihrer Sicht weiterhin durch ein starkes technisches Umfeld und makroökonomische Rahmenbedingungen gestützt, die sich als widerstandsfähiger erwiesen hätten als gedacht. Die Nachfrage übersteige nach wie vor das Angebot, was dazu beitrage, die Bewertungen aufrechtzuerhalten, auch wenn die Märkte derzeit mit anhaltendem wirtschaftlichem und geopolitischem Gegenwind zu kämpfen haben.
USA mit gesunder Konjunktur
Zugleich hätten sich aus ihrer Sicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser entwickelt, als viele erwartet hatten und das sowohl in den USA als auch in Europa: „In den USA wird das Wachstum weiter durch eine gesunde Konsumkonjunktur, anhaltende Investitionen – insbesondere im Bereich der KI-bezogenen Infrastruktur – und einen weitgehend stabilen Arbeitsmarkt gestützt“, so Roth. Und Sawyer findet: „Auch Europa hat sich kurzfristig als robust erwiesen, wenngleich längerfristige Fragen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit und der industriellen Nachfrage bestehen.“
Hinsichtlich der makroökonomischen Risiken hätten sich die früheren Bedenken hinsichtlich der Inflation und der Energiepreise etwas gelegt, auch wenn die Ölmärkte weiterhin empfindlich auf geopolitische Entwicklungen reagierten. Und die Aussichten für die Geldpolitik zeigten sich ausgewogener, da weniger Zinserhöhungen eingepreist sind als noch zu Beginn des Jahres.
Zahlungsausfälle spezifisch
Die Fundamentaldaten im Hochzinssegment sind aus Sicht von Roth und Sawyer weiterhin solide. „Die Emittenten haben den anhaltenden Inflationsdruck und die höheren Finanzierungskosten weitgehend bewältigt, und Zahlungsausfälle konzentrieren sich auf Einzelfälle oder emittentenspezifische Situationen. Die durchschnittlichen Ausfallraten entsprechen im Großen und Ganzen den historischen Durchschnittswerten, während die Distressed-Quoten auf eine begrenzte systemische Belastung des Marktes hindeuten.“

Quelle: Barings
Die Widerstandsfähigkeit werde zum Teil durch die qualitativ hochwertigere Zusammensetzung des heutigen High-Yield-Marktes gestützt, auf dem der Anteil der BB-Emittenten im historischen Vergleich deutlich größer ist, was ein zusätzliches Polster biete.
Hinter dieser Stabilität verberge sich jedoch eine zunehmende Streuung: „In Europa sehen sich Branchen wie die Chemieindustrie und Industrieunternehmen einem zunehmenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt, insbesondere aus China. Das lässt Bedenken hinsichtlich eines längerfristigen Gewinnrückgangs aufkommen. Die Baubranche zeigt erste Anzeichen einer Erholung, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau und mit begrenzter Planbarkeit“, so Chris Sawyer.
Seinem Kollegen Scott Roth zufolge zeichnen sich in den USA strukturelle Herausforderungen ab, etwa im Kabelgeschäft. „Hier wird der Wettbewerbsdruck durch festes drahtloses Internet, Ausbau von Glasfaser und neue Technologien die langfristigen Wachstumserwartungen beeinträchtigt. Doch auch im Softwarebereich sind die Auswirkungen der Einführung künstlicher Intelligenz nach wie vor höchst ungewiss.“
Starke Investorennachfrage
Das technische Umfeld werde weiter von einem anhaltenden Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geprägt. Die starke globale Investoren-Nachfrage habe neue Emissionen sowohl bei Anleihen als auch bei Krediten problemlos aufgenommen. Besonders bei Krediten bleibe die Bildung von CLOs ein dominanter und sehr unterstützender Nachfragefaktor, der dazu beitrage, die Spreads über alle Rating-Klassen hinweg eng zu halten.
Phasen, in denen sich die Spreads ausweiteten, stießen in der Regel auf eine starke Nachfrage, was auf erhebliche verfügbare Kapitalreserven und ein begrenztes Angebot an Neuemissionen zurückgehe – Faktoren, die das Potenzial für ein dauerhaftes Auseinandergehen der Spreads kurzfristig weiterhin begrenzen dürften, erwarten die Experten.
Dieses Nachfrageumfeld habe sogar thematisch bedingte Emissionsspitzen aufgefangen. Ein bemerkenswertes Beispiel sei das rasante Wachstum der Finanzierungen im Bereich Rechenzentren für KI-Infrastruktur. Dieses Segment ziehe zwar erhebliches Kapital an, bringe jedoch auch neue Herausforderungen bei der Kreditprüfung mit sich, darunter Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Nachfrage, der Restwerte und sich wandelnder technologischer Risiken.
Größere Vorsicht im Single-B-Segment
In diesem Umfeld wird das Chancenangebot Barings zufolge zunehmend bestimmt durch:
• Fokus auf hochwertigere Anleihen, darunter BB-Anleihen und Kredite, die Chancen auf hohe Erträge bei gleichzeitig größerer Widerstandsfähigkeit gegenüber Kursrückgängen bieten
• Selektives Engagement in spezifische, niedriger bewertete Anleihen, die eine sorgfältige Bonitätsprüfung und emittentenspezifische Analyse erfordern
• Größere Vorsicht gegenüber Segmenten mit „B“-Rating, in denen die Bewertungen zunehmend unter Druck geraten sind, was den Spielraum für Fehler einschränke
Auch die Dynamik der einzelnen Sektoren ändere sich. Nach einer Phase starker Wertentwicklung erscheine der Energiesektor im relativen Vergleich weniger attraktiv, während Bereiche wie etwa die Verpackungsbranche und ausgewählte Konsumgütersegmente, die von stabileren oder sich verbessernden Inputkosten profitieren, womöglich ausgewogenere Risiko-Rendite-Chancen böten.
Gleichzeitig berge die KI sowohl Chancen als auch Risiken. Während die Nachfrage nach Recheninfrastruktur klar zunehme, werde es immer wichtiger, zwischen tragfähigen Geschäftsmodellen und eher spekulativen Engagements zu unterscheiden. (de)


