Bantleon: Weshalb eine taktische Risikosteuerung derzeit sinnvoll ist
Ein Bantleon-Manager erklärt, warum für Benchmark-orientierte EUR-Investment-Grade-Portfolios eine selektive, taktische Durationssteuerung derzeit sinnvoller als eine strategische Long-Only-Durationsexponierung ist und welche Anleihensegemente derzeit attraktiv bewertet sind.
Eckpunkte:
- Höhere Renditen, flachere Zinskurven, niedrigere Laufzeitprämien
- Durationswetten sorgen für Rendite-Pickup
- Neuer Fed-Chef könnte zu höheren Renditen führen
- Quasi-Staatsanleihen und Covered Bonds gegenüber EUR-Staatsanleihen attraktiv
Für das zweite Halbjahr 2026 etabliert sich laut Maksim Hrupin, Senior Portfoliomanager bei Bantleon, ein neues strukturelles Zinsregime: höheres Renditeniveau, flachere Kurve und deutlich reduzierte Laufzeitprämie (Rückgang des Spreads von 10- zu 2-jährigen Bundesanleihen von 60 bis 80 Basispunkten auf etwa 30 Basispunkte). Die 10-jährige Rendite von Bundesanleihen sollte sich in einer neuen Spanne von etwa 2,75 bis 3,25 Prozent bewegen, mit einem fairen Gleichgewichtsniveau um rund 3,00 Prozent. "Duration wird damit weniger zu einem strategischen Always-on-Exposure und stärker zu einem taktisch gesteuerten Risiko innerhalb klarer Bandbreiten", schreibt Hrupin in einem aktuellen Marktkommentar.
Durationen variabel verändern
Mittlere und lange Laufzeiten bleiben laut Hrupin investierbar, verlieren jedoch ihren alternativlosen Charakter. Entscheidend werde ein flexibles Management entlang der genannten Zinsrange – mit Durationsabbau bei Renditen unter 2,90 Prozent und selektivem Wiederaufbau oberhalb von 3,10 Prozent. Gleichzeitig gewinnt Hrupin zufolge das kurze Ende an Attraktivität als stabilisierender Carry- und Liquiditätsbaustein.
US-Renditen bewegen den Markt
Strukturell bleibt das Umfeld laut Hrupin von zwei zentralen Unsicherheiten geprägt:
Erstens potenziell anhaltend hoher Inflation durch Zweitrundeneffekte, die nach der Waffenruhe jedoch zunehmend unwahrscheinlich erscheinen, und zweitens der Entwicklung der US-Treasury-Renditen als globalem Zinsanker.
Ein Anstieg der 10-jährigen US-Renditen in Richtung 5,00 Prozent würde auch den europäischen Zinsaufwärtsdruck erneut erhöhen. Aktuell ist das Gleichgewichtsniveau eher bei etwa 4,50 Prozent. "Sofern der neue Fed-Präsident Kevin Warsh sein Mandat in Richtung Preisstabilität und Zinserhöhungen fokussiert, wie es nach der ersten Pressekonferenz der Fall zu sein scheint, ist weiterer Aufwärtsdruck nicht auszuschließen", prognostiziert Hrupin.
Welche Segmente sind attraktiv?
Insgesamt spricht das Setup nach Ansicht von Hrupin für ein positives, aber differenziertes Anleihenjahr 2026. Die absolute Rendite hochqualitativer Anleihen bleibt attraktiv; auch Credit- und Spread-Produkte sollten von der übergeordnet wieder anziehenden konjunkturellen Dynamik profitieren.
Im Quervergleich erscheinen insbesondere Quasi-Staatsanleihen und Covered Bonds gegenüber EUR-Staatsanleihen attraktiver, da sie ein günstigeres Risiko-Ertrags-Profil bei geringerer Durationsexponierung auf Indexebene haben.
Staatsanleihen bleiben durch potenzielle Rating-Herabstufungen, wie zuletzt in Frankreich und Belgien gesehen, und anstehende politische Wahlen unter Druck. (aa)


