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Bantleon: EZB spielt ein riskantes Spiel

Die europäische Zentralbank behält ihre Nullzinspolitik vorerst bei und will eine höhere Inflation tolerieren. Bantleon-Chefökonom Hartmann befürchtet, dass sich so Blasen bilden – im schlimmsten Fall drohe sogar eine Rezession.

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Auch wenn die Konjunktur in der Eurozone zurzeit wieder anzieht, belässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf seinem historisch niedrigen Niveau. Damit dürfte die Notenbank zumindest auf absehbare Zeit an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann beäugt die Entscheidung kritisch: "Der Run in Aktien, Immobilien und alternative Investments dürfte sich noch mehr verstärken, bis die Blase irgendwann platzt", schreibt Hartmann in einem aktuellen Marktkommentar 

Hintergrund ist das neue flexible Inflationsziel, dass sich die Währungshüter gesetzt haben. So will die EZB zum ersten Mal seit langem eine Inflation tolerieren, die zeitweise bei zwei Prozent oder knapp darüber liegt. Damit legt die Zentralbank die Latte für eine Anhebung der Leitzinsen deutlich höher als zuvor, bemängelt Hartmann. "Demnach wollen die Währungshüter die Leitzinsen erst dann anheben, wenn die Inflationsrate zur Mitte der Prognoseperiode bei zwei Prozent liegt und auf diesem Niveau bis zum Ende des Projektionszeitraums (in etwa drei Jahren) verharrt", erklärt der Finanzexperte. Damit mache die Zentralbank deutlich, dass ihr eher eine Deflation als eine zu hohe Inflation Sorgen macht. 

Währungshüter unterschätzen Inflation möglicherweise 
Dass die Inflation moderat bleibt und wenn überhaupt ein kurzfristiges Phänomen ist, könnte eine Fehleinschätzung sein, meint Finanzexperte Hartmann. "Die Teuerungsraten werden kaum bei knapp über zwei Prozent stehenbleiben", meint er. Vielmehr dürfte der Inflationsprozess sich beschleunigen. "Wieso sollten etwa die Arbeitnehmer auf stetig steigende Inflationsraten nicht mit höheren Lohnforderungen reagieren, wenn allenthalben Fachkräftemangel herrscht?", sagt Hartmann. Das dürfte auch den Währungshütern nicht entgehen. Ökonomen gehen derzeit davon aus, dass die EZB ihre Inflationsprognosen zumindest schrittweise anheben wird.

Dann könnte es allerdings zu spät sein, befürchtet Hartmann. Sobald die Notenbank erkennt, dass sich die Inflation tatsächlich der Drei- oder Vier-Prozent-Rate nähert, müsse sie schleunigst die Leitzinsen erhöhen – nur so könne sie den Preisdruck unterbinden. Das ist allerdings gefährlich, denn der "Zinsschock dürfte dann direkt in die nächste Rezession münden", warnt Hartmann. Nach Ansicht des Finanzexperten sollten die Währungshüter zurückhaltender auftreten und rechtzeitig ihre Finanzspritzen zurückfahren. "Die meisten Menschen könnten mit ein bis zwei Prozent Inflation wahrscheinlich sogar besser leben als mit über zwei Prozent", meint der Finanzprofi. (fp) 

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