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Bankenmarkt Italien: ernst, aber nicht hoffnungslos

Italiens Bankenmarkt ist retailorientiert mit hohen Einlagen von Privatkunden. Weiters positiv ist, dass der Zustrom an neuen NPLs (Non-Performing Loans) seit Jahren zurückgeht. Dazu gelang die Auslagerung von NPLs zuletzt in großem Stil. Ebenfalls positiv: Bilanzbereinigungen und Kapitalerhöhungen.

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© Elnur / Fotolia

Ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen ist laut dem LBBW Financial Research die  Bankenhilfe unter anderem durch Atlante, GACS und dem staatlichen Rettungsfonds Salva Risparmio. Soweit die Positiva.

Sollseite
Die Erträge italienischer Banken leiden unter schwacher Asset-Qualität, Niedrigzins und starkem Wettbewerb. Dazu kommt eine hohe Abhängigkeit vom EZB-Funding, die TLTRO-(Targeted Longer-Term Refinancing Operations)-Bestände werden auf zirka 250 Milliarden Euro geschätzt. Was ebenfalls zur Sorge Anlass gibt, ist die enge Verflechtung der Banken mit den Staat: Diese haben einen hohen Anteil an heimischen Staatsanleihen im Bestand italienischer Banken, der bei rund 350 Milliarden Euro liegt. Die schwache Ratingnoten des italienischen Staates von BBB / Baa2 / BBB spiegeln den hohen Schuldenstannd wider. Schließlich ist auch noch die neue populistische Regierung zu nenne, deren Reformideen die  Staatsschulden ausufern lassen könnten. 

Status Quo der Reformen
Im Januar 2018 hat Italien weitere bedeutsame Änderung des Insolvenzrechts auf den Weg gebracht. Ihr Ziel ist die Einführung eines einheitlichen Konzerninsolvenzverfahrens und eines Frühwarnsystems für Unternehmenskrisen. Die Umsetzung soll im Lauf des Jahres in Form von Dekreten erfolgen. Sie zielt auf das beschleunigte Eintreiben fauler Kredite. Bereits die Regierung Renzi hatte in den Jahren 2015 und 2016 eine Reform des Konkursrechts verabschiedet, die notwendigen Durchführungsbestimmungen lassen aber infolge der politischen Übergangsphase zum Teil immer noch auf sich warten. Im Gegenteil: Das Programm der neuen Regierung sieht vor, dass der Zugriff von Gläubigerbanken auf die Sicherheiten insolventer Kreditnehmer nicht ohne vorherige richterliche Zustimmung erfolgen darf.

Neuzugang an Bad Loans geringer
Dank etwas verbesserter Konjunktur geht der jährliche Neuzugang an Bad Loans (d.h. notleidende Kredite im engeren Sinn) bereits seit dem Jahr 2014 zurück. Während er im Jahr 2013 noch bei 42 Milliarden Euro lag, kamen im vergangenen Jahr nur noch 24 Milliarden Euro an Bad Loans hinzu. Dies trug dazu bei, dass der Bestand an Bad Loans vom Hochpunkt mit 203 Milliarden Euro (April 2017) auf zuletzt 165 Milliarden Euro (im April 2018) gesunken ist. So konnten im vergangenen Jahr alle sechs größten italienischen Banken – mit Ausnahme von BMPS - ihre Bad Loans senken. Eine große Rolle spielten in diesem Zusammenhang auch Ausgliederungen von Bad Loans. In der gesamten Branche kletterten sie von 4 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 48 Milliarden Euro im Jahr 2017. Vom Jahr 2015 bis zum Sept. 2017
wurden allein an den Branchenhilfsfonds Atlante faule Kredite in Höhe von 32 Milliarden Euro veräußert und an die beiden Finanzdienstleister Fortress und Pimco in Höhe von 20 Milliarden Euro. Die notleidenden Kredite im weiteren Sinn (NPLs), die neben den Bad Loans unter anderem auch die Kredite mit überfälligen Raten- bzw. Tilgungszahlungen umfassen, sind in Italien von 360 Milliarden Euro zum Jahresende 2015 auf zuletzt (d.h. per 31.12.2017) 285 Milliarden Euro gefallen.

Aufsichtsrechtliche Neuerungen über den Umgang mit NPLs
Durch die Ergänzung des EZB-Leitfadens für die NPL-Behandlung ist für neu entstehende NPEs (Non Performing Exposures) innerhalb von 2 Jahren Risikovorsorge in Höhe von 100 Prozent zu bilden, sofern diese Risikopositionen unbesichert sind. Für besicherte NPEs soll innerhalb von sieben Jahren vollständig Risikovorsorge gebildet werden. Für den SREP-Prozess (und somit für die Ermittlung der individuellen Kapitalzuschläge) werden die Regeln aber erst ab dem Jahr 2021 gelten. Die Vorschriften sind zwar nicht verbindlich, die EZB erwartet aber, dass Banken jegliche Abweichung davon erläutern.

Institute, die deutlich von der Norm nach unten abweichende Werte aufweisen, könnten daher
im Zuge des SREP-Prozesses (Supervisory Rreview and Evaluation Process; aufsichtliches Überprüfungsverfahren) unter Druck geraten. Die italienischen Banken sehen die LBBW-Experten als besonders betroffen an, da sie ein höheres Volumen an NPEs und eine deutlich längere Abwicklungsdauer dieser Positionen aufweisen. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut Prometeia führen die neuen Regeln zu zusätzlichen Rückstellungen in Höhe von insgesamt 4 Milliarden Euro. Die Experten der LBBW rechnen damit, dass Änderungen die CET1-Quoten z.B. von Unicredit und Intesa mit rund 40 Basispunkten belasten.

Zudem hat die EU-Kommission für dieses Jahr das Inkrafttreten neuer Regeln für die CRR (Capital Requirement Regulation; Kapitaladäquanzverordnung) angekündigt, die offenbar ein Mindestniveau an Risikovorsorge vorsehen. Im Gegensatz zu den EZB-Regeln sollen sie aber nicht für neu entstandene notleidende Kredite, sondern nur für neu ausgereichte Kredite gelten. Im Gegensatz zur EZB sieht die EU-Kommission für unbesicherte Problemkredite außerdem acht (statt sieben) Jahre bis zur vollständigen Bedeckung mit Risikovorsorge vor. 

Ein weitere aufsichtsrechtliche Änderung trat bereits im Dezember 2017 in Kraft, indem das europäische Parlament allen EU-Banken den Weg für die neue Asset-Klasse „Non-Preferred Senior Unsecured Debt“ (NPS) geöffnet hat. Bereits im Januar dieses Jahres hat Italien das entsprechende Gesetz umgesetzt, so dass im gleichen Monat Unicredit als erste und bislang einzige italienische Bank einen NPS-Bond emittiert hat.

Stangnierende Erträge
Trotz Kosteneinsparungen durch Filial- und Personalabbau, geringerer Risikovorsorge und steigenden Provisionserträgen werden die Ergebnisse der italienischen Bankbranche im laufenden Jahr wohl stagnieren. Dies dürfte überwiegend dem niedrigen Zinsergebnis geschuldet sein, wobei sich diesbezüglich eine Stabilisierung andeutet. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang die günstige Finanzierung durch die EZB, die von den italienischen Banken mit 250 Milliarden Euro (nahezu ausschließlich TLTROs) weit überdurchschnittlich genutzt wird. Aufgrund der insgesamt relativ hohen Verwaltungskosten wird die Cost-Income-Ratio aber wohl kaum spürbar unter 60 Prozent sinken. Außerdem dürfte die Eigenkapitalrendite das 2017er-Niveau von 7,5 Prozent (2016: minus 7,7 Prozent; Mittelwert seit 2005: 2,2 Prozent) kaum übersteigen, womit zumindest der Großteil der kleineren Institute die Kapitalkosten
nicht erreichen würde.

Mangelnde Diversifikation auf der Ertragsseite
Ein weiterer Grund für die niedrige Eigenkapitalrendite in der Breite der Institute ist die mangelhafte Diversifikation der Erträge über das Kreditgeschäft hinaus. So ist - gerade im Vergleich zu Frankreich oder UK – ein geringer Geschäftsanteil des Investmentbankings festzustellen.

Dennoch könnten die Investmentbanking-Aktivitäten in Italien bald für einigen Diskussionsstoff sorgen: Gemäß dem Programm der neuen Regierung soll diese Sparte nämlich zum Schutz der Sparer von den anderen Bankgeschäften getrennt werden (Ringfencing) – wobei das Regierungsprogramm an dieser Stelle – wie auch an vielen anderen – zu schwammig formuliert ist, um bereits jetzt konkrete Konsequenzen hieraus ablesen zu können. Festzuhalten ist, dass die beiden italienischen Großbanken Unicredit und Intesa im Vergleich zu ihren großen europäischen Peers einen relativ geringen Ertragsanteil des Investment-Bankings aufweisen. Zudem ist im Fall von Unicredit der Großteil dieser Aktivitäten ohnehin in Deutschland angesiedelt.

Hohe Kapitalkosten italienischer Banken
Die Kapitalkosten des italienischen Banksektors sind im europäischen Vergleich für viele Institute unter anderem deshalb hoch, weil sie nur über einen eingeschränkten Zugang zum Geldmarkt verfügen. Die Profitabilität leidet aber auch unter der zersplitterten Struktur des Bankwesens. Die Reformen, wie etwa die Umwandlung von Volksbanken in AGs, die in dieser Hinsicht von der Renzi-Regierung begonnen wurden, scheinen durch die neue Regierung jedoch in Frage gestellt zu werden.

Starker Bank-Staat-Nexus
Dadurch soll offenbar verhindert werden, dass die im Zuge dessen nötigen Kapitalaufstockungen es ausländischen Investoren ermöglichen, sich in den italienischen Bankenmarkt einzukaufen. Nicht zuletzt sind die hohen Kapitalkosten aber wohl durch die hohe Staatsverschuldung in Verbindung mit dem starken Bank-Staat-Nexus zu erklären. So haben die Institute des Stiefellandes 352 Milliarden Euro (per 30.4.2018) in Anleihen ihres Heimatstaats investiert. An dieser Stelle stechen insbesondere Intesa und Unicredit mit 75 beziehungsweise 60 Milliarden Euro hervor. (kb)

 

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