Logo von Institutional Money
| Märkte

Bank warnt vor Umbruch am Rentenmarkt

Der G10-Strategiechef der Standard Bank befürchtet, dass Staatsanleihen ihre Funktion als sicherer Hafen nicht oder nur noch eingeschränkt erfüllen. Welches Risiko daraus entsteht und welche Alternativen Investoren jetzt haben.

© Oxana / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Staatsanleihen entwickeln sich seit ein paar Jahren nicht mehr invers zu Risiko-Anlagen
  • Damit sind Bonds zumindest vorläufig keine sicheren Häfen mehr
  • In Folge brauchen Investoren andere sichere Häfen

Investoren, die ihre Portfolios gegen Turbulenzen absichern wollen, sollten nach Einschätzung des Leiters der G10-Strategie der Standard Bank zunehmend über Staatsanleihen hinausblicken. Diese scheinen ihren traditionellen Status als sicherer Hafen zu verlieren. Das berichtet Bloomberg News.

Fehlendes Interesse an Staatsanleihen könnte Refinanzierung der Schulden erschweren
Steven Barrow von Standard Bank schrieb laut Bloomberg News vor kurzem, dass weitere Investoren dem Beispiel des australischen Vermögensverwalters AMP folgen könnten.

Das Unternehmen habe in der vergangenen Woche erklärt, seine Bestände an Staatsanleihen zu reduzieren, da die Wertpapiere nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht mehr wie sichere Anlagen reagieren. Sollte sich dieser Trend verstärken, könnte dies die Finanzierung von Staaten erschweren, warnte Barrow.

Rentenmarkt preist steigende Credit- und Inflationsrisiken von Staaten peu a peu ein
Er verwies darauf, dass die Kurse von Staatsanleihen während der jüngsten Phasen von Marktstress, darunter der Krieg im Nahen Osten, gemeinsam mit Aktien und anderen risikoreichen Anlagen gefallen sind. Üblicherweise würden sichere Anlagen in solchen Situationen zulegen.

Zudem seien die Renditen langfristiger Anleihen weiter gestiegen, obwohl die Zentralbanken nach dem Inflationshöhepunkt 2022 ihre Leitzinsen gesenkt hatten. Das sei eine äußerst ungewöhnliche Entwicklung und deute zumindest darauf hin, dass “etwas mit dem Anleihemarkt nicht stimmt”.

Neue sichere Häfen gefragt
“Wenn man all dies zusammennimmt, sehen wir starke Argumente dafür, dass der Verlust des Status als sicherer Hafen und die Veränderung der Eigentümerstruktur bei Anleihen schlechte Vorzeichen für den Anleihemarkt sind”, sagte Barrow den Kunden. “Deshalb halten wir langfristige strukturelle Umschichtungen von Staatsanleihen in andere Anlageklassen für den richtigen Weg.”

Zweifel an den Eigenschaften von US-Staatsanleihen und anderen Staatsanleihen als sichere Anlagen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Hintergrund sind unter anderem der starke Anstieg der Staatsverschuldung infolge der Pandemie und wachsende Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve.

Daten und Umfragen deuten darauf hin, dass Zentralbanken, die üblicherweise zu den größten Haltern von Staatsanleihen zählen, ihre Anlagen zunehmend in andere Vermögenswerte wie Gold umschichten und dies auch künftig fortsetzen wollen.

Alternativen: Corporate Bonds und Aktien
Weitere Fonds, darunter AMP, bevorzugen Unternehmensanleihen. Viele erhöhen zudem ihre Aktienquote, weil sie erwarten, dass die Inflation den Wert festverzinslicher Anlagen schmälern wird.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung am langen Ende des Anleihemarktes. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen liegt derzeit bei rund 5,0 Prozent. Als die Federal Reserve im September 2024 ihren jüngsten Zinssenkungszyklus begann, lag sie bei 4,0%. Nach Abschluss der Zinssenkungen im vergangenen Dezember betrug sie 4,8 Prozent.

Barrow sagte, die entscheidende Frage sei nun, ob der Verlust des Status als sicherer Hafen einen langfristigen strukturellen Wandel am Markt für Staatsanleihen darstelle oder lediglich ein kurzfristiges Phänomen sei.

Kardinalsfrage
“Falls Ersteres zutrifft, sollten wir mit weiteren Umschichtungen von Staatsanleihen in andere Anlageklassen durch Pensionsfonds und ähnliche Investoren rechnen. Das könnte für Regierungen problematisch werden, insbesondere für jene mit steigender Verschuldung”, führte er aus. (aa)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion