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Baker Tilly: ESG-Regulierung ist zu wenig koordiniert

Die Implementierung von ESG-Kriterien wie die Immobilienbranche verändern. Leider sind die EU-Maßnahmen zur ESG-Regulierung nur unzureichend aufeinander abgestimmt und es könnte darüber hinaus sein, dass die Politik die Anforderung noch weiter verschärft.

Martina Hertwig, Baker Tilly
Martina Hertwig, Baker Tilly
© Baker Tilly/ Ann-Christine Krings

Wie die Immobilienbranche bei ihren ESG-Investments den richtigen Weg zwischen Regulierungs-Dschungel und Anlegerwünschen findet, war diese Woche Thema einer Online-Pressekonferenz. Zu den Referenten zählten u.a. Martina Hertwig, Partnerin, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei Baker Tilly, sowie ihr Kollege Dr. Christian Reibis, Partner, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater.

Am Anfang skizzierte Hertwig den bisherigen Prozess der ESG-Regulierung und ordnet die aktuellen Maßnahmen ein. Ausgangspunkt waren die Pariser Klimaziele und die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen im Jahr 2015. Diese führten im März 2018 zum Aktionsplan der Europäischen Union mit zehn zentralen Einzelmaßnahmen.

Große Herausforderungen
Die EU verschärft im Zuge der ESG-Regulierung der Finanzbranche auch die Nachhaltigkeitsvorgaben für die Immobilienbranche. Aktuell findet sich ein umfassendes Maßnahmenbündel in Vorbereitung, das ab März 2021 sukzessive in Kraft tritt.

Wesentliche Bestandteile der Maßnahmen sind die Offenlegungsverordnung, die Benchmarkverordnung, die Taxonomieverordnung sowie die Anpassung anderer Regelwerke wie beispielsweise MiFID II.

Das Ziel lautet: Nachhaltigkeit, die im Immobilienbereich lange eher fakultativ war, wird künftig für alle Marktteilnehmer verpflichtend. ESG wird neben Rendite und Risiko künftig ein zentrales Kriterium bei der Investitionsentscheidung sein.

Eine Herausforderung sei, dass die Maßnahmen teilweise nicht koordiniert sind. Sie greifen ineinander, bauen aber nicht konsistent aufeinander auf und sind auch zeitlich nicht gut abgestimmt. Die Branche muss sich Brücken bauen und mit pragmatischen Lösungen selbst helfen.

Hertwig kommentiert: „Es kommt jetzt eine Fülle von Maßnahmen auf die Fonds- und Immobilienbranche zu. Herausfordernd ist, dass die Maßnahmen nicht koordiniert und nicht aufeinander abgestimmt sind. Außerdem wird es meiner Meinung nach am Anfang eine hohe Nachfrage aber noch ein geringes Angebot an grünen Produkten geben.“

Durch den Regulierungsprozess hat sich das Verständnis von Nachhaltigkeit gewandelt. Sie spielte sich früher lediglich auf Objektebene ab, wo Zertifikate für Immobilien eine sehr wichtige Rolle spielen. Heute ist ESG ganzheitlich und konzentriert sich nicht mehr auf einzelne Objekte, sondern auf alle Ebenen des Managements, auf vielfältige Prozesse und auf ganze Portfolien.

Chancen nutzen
Für die Unternehmen der Immobilienbranche eröffnet ESG Differenzierungsmöglichkeiten. „Fondsanbieter, Asset Manager, Property Manager, Projektentwickler mit stringenter ESG-Strategie werden Wettbewerbsvorteile haben. Unternehmen, die das Thema nicht konsequent umsetzen, werden Probleme haben, beispielsweise, wenn sie eine Finanzierung benötigen. Bei der Umsetzung der komplexen Vorgaben ist Größe ein Vorteil“, sagt Reibis (Bild links).

Mit Blick auf die Zukunft erklärt Hertwig abschließend: „Das Thema ESG bzw. Klimaschutz steht aktuell sehr weit oben auf der politischen Agenda. Ich glaube, dass die dargestellten Maßnahmen erst der Anfang sind. Die Politik denkt bereits über weitere Verschärfungen nach. ESG ist nicht etwas, das man einmal umsetzt und das dann erledigt ist. Es wird uns dauerhaft begleiten.“ (aa)

 

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